Und was kommt jetzt?

Freitag ist vorbei, ein Tag vor dem ich fast schon Angst hatte. Die Tage zuvor hatte ich viel vorbereitet und darüber nachgedacht, wie es  wohl sein wird. Und nun liegt es hinter uns. Seltsam ist das irgendwie. Seit dem vermissen wir unseren Helden noch ein Stück mehr, das Haus fühlt sich noch etwas leerer an. Wir versuchen uns abzulenken.39105808_2165262423732620_2212560279504420864_n

Dazu tragen auch die zich Anträge bei, die noch gestellt und ausgefüllt werden wollen, einige Behördengänge stehen noch an und Briefe an Banken, Mobilfunkvertragspartner und Versicherungen wollen geschrieben werden. Ein Teil davon ist bereits fertig, einen anderen Teil habe ich gekonnt vor mir her geschoben. Und dann steht da auch noch ein Auto vor der Tür, welches ich mangels Führerschein nicht zahlen kann. Clevere Zungen sagen, dass ich doch einfach den Führerschein machen soll. Zum Einen hab ich gerade nicht das erforderliche Hirn dafür, zum zweiten möchte ein Auto nach dem Führerschein auch unterhalten werden; Benzin, Versicherungen und Wartungen. Meine grobe Kalkulation (trotz des Gofoundme Pools) hat mir verraten, dass das nicht möglich sein wird. Dafür aber habe ich mir ein Lastenrad bestellt, das frisst deutlich weniger Kosten als ein Auto, ist aber für uns sehr nützlich. Ziel ist es nach wie vor das Haus halten zu können, ohne dabei am Hungertuch nagen zu müssen.

Um aber nicht ständig über diese Themen grübeln zu müssen, machen wir viele andere Dinge. Am Samstag war die große Sternschnuppennacht. In diesem Zusammenhang haben uns Freunde besucht, zusammen haben wir gegrillt und später ein Lagerfeuer gemacht.39200758_204549513748372_9025935654432800768_n Unsere Kinder ließen die übrigen Ballons von Simons Abschiedsparty steigen, und experimentierten mit riesigen Seifenblasen. Zum Lagerfeuer gab es noch Stockbrot und selbstverständlich Marshmallows. Emma und Leo mögen Stockbrot eigentlich gar nicht, aber unsere Teigalternative, die fertig im Supermarkt gekauft werden kann, ging super. 39141010_1140593366089476_255501269362278400_n

Als es dunkel geworden war tanzten sie Limbo, besonders der Tanzstil des kleinen Batman war außerordentlich.39043769_2166080226944273_4339020771260104704_n

Am Sonntag sind der Heldensohn und ich aufs Feld gegangen. Es gab extraviele Wolkenlücken und der Himmel schien einem Postkartenmotiv zu gleichen. 39154900_1141831532621978_3561392907682316288_nDer kleine Batman war stolz den Hund halten zu dürfen und später mit ihm um die Wette zu rennen. Nachmittags ging es seit einer gefühlten Ewigkeit wieder zur Eisdiele unseres Vertrauens. Wir waren wirklich lange nicht mehr alle zusammen dort. Es gab Carameleis mit Extra vielen Streuseln. Dazu jede Menge Kaffee für mich.39154800_234724713854796_8527377036124094464_n

Am Abend suchte ich die Unterlagen für unser Auto zusammen. Da wir am Montag zu einem Ankäufer fahren wollten. Das war inzwischen der zweite Besuch. Mir ist klar, dass einem Niemand den emotionalen Wert bezahlen wird, eine Schmerzgrenze aber hatte ich trotzdem. Die war beim ersten Anbieter unterschritten, also weiterversuchen.39124073_1643149872460296_6986133957599297536_n

Am Montag wollten wir zu diesem Autoankäufer fahren, P. war schon da um mich abzuholen, vorher war unsere Kutsche noch in der Reinigung. Am Vormittag saß ich mit B., der Patentante der Einhornbändigerin vor einem Antrag. Wir haben zunächst gar nichts verstanden; Steuern sind nicht meins…

Kurz bevor wir losfahren wollten lag der kleine Batman plötzlich schreiend auf der STraße, zeitgleich kam die Einhornbändigerin mit einem gesenkten Kopf zu mir und meinte „das wollte ich nicht“ Sie ist versehentlich mit ihrem Hooverboard über den Fuß vom Heldensohn gefahren. Da dieser Schuhe für unnötig hält, wirkte es gleich doppelt. Zum Glück war P. da, Krankenschwester. Eine riesige Schürfwunde, es suppte und sah sehr merkwürdig aus. Er schrie, konnte aber alles bewegen. Zum Glück, vermutlich nichts gebrochen. Ein roter Verband und ein Coolpack richteten es fürs erste.39116726_242542076401296_3872186890228596736_n

Die Schätzung vom Auto war besser als die Erste, aber immer noch unter der Schmerzgrenze. Dieses Angebot steht bis Samstag, Morgen holen wir das Dritte ein. Mal sehen.

Am Abend konnte der kleine Batman nicht schlafen, jammerte dass der „Gips“ ihn stört, es weh tut und sowieso alles doof ist. Das Drama zog sich bis ca. 23 Uhr. Heute ist der Zeh etwas dick, die offenen Stellen sind nicht entzündet. Unangenehm, aber es gibt schlimmeres. Aufs Feld gehen um im Regen die Hügel runter zu rutschen ging also nicht. Darum schnitzen wir vor der Tür39104594_2094971720758200_6391904513275461632_n, bauten Höhlen und Lego Raumschiffe. Mein Talent im letzten Fall ist doch eher….naja.39149677_307573549992807_6655820916355760128_n

Die Einhornbändigerin hat heute veganen, zuckerfreien Chesseecake gebacken. 39227341_209048229962793_4124006380480757760_nDas erste Mal, dass wir Cashewnüsse für die creme benutzt haben. Auch wenn das Foto etwas anderes vermuten lässt, weil ich kein begnadeter „Foodblogger“ bin, es war tatsächlich super lecker und wird in die Liste der Lieblingskuchen aufgenommen39161574_260190898135516_6118002328411832320_n

Die Heldenkinder gehen jetzt ins Bett, ich setze mich vielleicht in den garten, in einen der Schaukelstühle und schicke Grüße nach oben.

Rock den Himmel mein Held, ich lieb Dich.

 

 

 

#LuftballonsfürSimon; Heldenupdate

Am Freitag war es soweit, ich hatte lange nicht mehr einen so großen Respekt vor einem Tag, der vor uns liegt. Simos Abschiedsparty, Simons Beisetzung, der Tag an dem ich meinem Mann beerdigen sollte. Als er vor 5 Woche verstorben war du über Kunibert siegt, hieß es, dass dass der Tag der Beisetzung etwa 4-6 Wochen später stattfinden wird. Die Wartezeit vor dem Krematorium dauerte etwas. Damals dachte ich noch was für eine lange Zeit das sein wird und dass ich diesen „Termin“ doch so schnell wie möglich hinter mir haben möchte.

Und Plötzlich war es nun soweit und ich bin froh diese Wochen dazwischen gehabt zu haben. 39105129_220946928587604_6748613517282115584_n

Am Vorabend rief mich Silvana, die Bestatterin an um mir mitzuteilen dass der Friedwald nicht möchte dass wir die Ballons in den Himmel schicken. Die Wetterbedingungen sorgten für Waldbrandgefahr und dann wären mit Helium gefüllte Ballons höchst ungünstig. Allerdings hätte sie durchbekommen, dass zumindest die Heldenkinder ihre Ballons noch oben schicken durften. Ich brach kurz in Panik aus und versuchte noch alle „Gäste“ zu erreichen um ihnen das mitzuteilen. Gleichzeitig organisierte P., die übrigens mein Gehirn in der aktuellen Situation ist, Seifenblasenmaschienen als Alternative. unglaublich.39109113_1842886512467466_3301936158124015616_n

Am Tag der Beisetzung ist die Patentante der Einhornbändigerin angereist; die Kinder freuten sich sehr darüber. Kurz bevor sie gekommen war füllten wir die letzten Dinge in den „Geschenkekorb“ für unseren Helden. Das waren Dinge, die wir ihm zur Urne in die Grabstelle legen wollten. Blütenbläter, gesammelte Steine. Konfetti und die Einhornbändigerin hat Holzherzen in ihrem Schrank gefunden, die ich schon ganz vergessen hatte. Die wurden noch etwas angemalt. Eigentlich hatte der Heldenbruder auch solch Herzen besorgt, für Alle. Aber Emma fand am Morgen ihre eigenen. Sorry an dieser stelle, dass ich vergessen hatte das zu sagen.39004233_499644123830808_7371804961169997824_n

Es waren viele Menschen dort um sich von Simon zu verabschieden. Viele von Ihnen kannte ich, einige nicht. Am Eingang vom Friedwald stand die Collage von Simon, die ich mitgebracht hatte, und Simon selbst. Silvana begrüßte alle Anwesenden zu Simons Verabschiedung und dass wir gleich zusammen mit seiner Erinnerungskapsel zum Baum gehen werden. Tausend Dank an dieser Stelle, dass Du die Urne ebenfalls Erinnerungskapsel genannt hast. Denn so hatte ich es unseren Kindern erklärt; eine Erinnerungskapsel mit den wichtigsten Dingen und Erinnerungen vom Papa drin..  Dahinter stand das Seifenblasending, welches die Einhornbändigerin besonders toll gefunden hat. Sie hüpfte herrum und wollte jede Blase fangen. Der kleine Batman hingegen guckte sich ganz andächtig die Erinnerungskapsel mit zwei Ginkoblättern an. Silvana erzählte ihm dass ein Ginkoblatt für seine Schwester sei und eins für ihn. Damit der Papa immer an sie denkt.39065520_246794239282463_132059768926765056_n

Nach der Begrüßung spielte das Lied „99 Red Ballons“ von Goldfinger und unsere Kinder ließen ihre Ballons in den Himmel steigen. Dabei ist dieses Familienfoto entstanden. Wir sind alle drauf; alle Vier.38943685_911692375695191_5475090555069267968_n Wir sahen in den Himmel, der Wind trug die zwei Ballons tatsächlich auch in die Richtung von Simons Baum. Sie müssten sogar direkt über ihn hinweggeflogen sein. Der Förster sagte, dass das fast ein Zeichen gewesen war.38897685_2107004139370648_2039619650349694976_n

Wir liefen zur Andachtsstelle, er Förster trug Simon. zuerst lief dort der Song „Ist da Jemand“.  Das Lied hatte sich der Heldensohn gewünscht. Auch an diesem Tag hat er tapfer mitgesungen. Dort sprachen zwei alte Freunde unseres Helden. Und hier brachen zum ersten Mal sämtlche DÄmme. Die Einhornbändigerin weinte und vergrub sich in meinen Armen. Auf der anderen Seit von mir war der kleine Batman, der noch wenige Minuten zuvor recht überdreht gewesen war. Er wurde ganz still, vergrub sich in meinen anderen Arm und sagte, dass er sich manchmal wünscht auch in en Himmel zu können; nur um Papa zu besuchen. Ich heulte sowieso. Eigentlich die ganze Zeit, mal mehr, mal weniger. Immer wieder führte ich Zwiegespräche mit meinen Knien, dass die bitte nicht nachgeben sollen. Nach den Ansprachen lief „the Calling“  

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Wenig später sind wir zu Simons Baum gegangen. Der Förster hat Simons Erinnerungskapsel in sein letztes Versteck unter den Baum gegeben. Im HIntergrund lief „ich lass los“. Wieder standen dort die Bilder von Simon. Unsere Kinder schritten nach vorn und gaben ihre Geschenke zur Helden-Erinnerungskapsel. Es dauerte etwas, aber sie sollten und durften sich die Zeit nehmen, die sie brauchten. Wir gingen zur Seite, danach waren die Heldeneltern, der Heldenbruder, die Heldenschwägerin und die Heldennichten dran.38920992_275411543051597_2264491978915840000_n

Unsere Kinder gab ich in die Obhut der Patentante und meiner Mutter. Sie gingen etwas weg, dazu gesellten sich bald weitere Kinder. Alle spielten fangen und versteckten sich zwischen den vielen Bäumen.

Ich wollte nicht, dass unsere Kinder daneben stehen, falls mir Jemand sein Beileid bekunden wollte und ihnen möglicher Weise noch um den Hals fällt und sagt, dass sie arme Kinder sein, weil der Papa nicht mehr da ist. Das wissen die Zwei bereits und ich wollte es nicht bestärken. 38891239_1716094561822402_2558851526802014208_n

Alle verabschiedeten sich, einige Knieten vor dem Grab nieder, streichelten die Fotos. Das DRK war auch da, genauso wie Simons Arbeitgeber. Das waren seine anderen beiden Ehefrauen. Simon war das DRK. Simon lebte für seinen Job. Daher habte vielen Dank, dass Ihr/ dass Sie dagewesen sind. Ich denke, dass es unseren Helden sehr geehrt hätte. Ganz sicher.38866645_1775062619196389_8053006801748099072_n

Während sich alle verabschiedet hatten, stand ich nach wie vor an der Seite. Ich betrachtete was da vor sich geht. Es war so surreal, das konnte alles gar nicht sein. Wir stehen im Wald, ich hörte Vögel zwitschern und die Sonnenstrahlen pressten sich zwischen den Baumwipfeln durch. Es war schön irgendwie. Leo erzählte seiner Schwester von seiner Einhörnertheorie. Und ich stand trotzdem da, mit dem Rock angezogen, den Simon besonders schön gefunden hat. Ich stand da und sah zu wie viele Menschen sich von Simon verabschiedeten. Nicht weil er auf eine Reise fährt, sondern weil er gegen Kunibert gesiegt hat. Ich stand da und ah zu, wie mein Mann beerdigt worden ist. Das konnte alles gar nicht sein, das geht nicht. Neben mir stand Silvana, und immer wenn meine Knie kurz vor dem Versagen gewesen waren, spürte ich ihre Hand auf meiner Schulter.Im Hintergrund liefen verschiedene Lieder; Das Leben ist schön, Lieblingsmensch, der Wunsch kam von der Einhornbändigerin und Fallen

Nach knapp 3 Stunden standen wir wieder auf dem Parkplatz, unsere Kinder waren wieder gefasst. Die Heldennichten auch, der Rest versuchte es noch. Der Heldenbruder ist mit den Eltern und einem guten Freund samt Familie nochmal nach Hause gefahren. Die Heldenkinder, die Patentante, ebenfalls ein paar gute Freunde und ich hingegen fuhren, wie sollte es auch anders sein; zu einem Eisladen. Es gab einen Pinoccioeisbecher mit bunten Smarties für die Kids und jede Menge Kaffee für mich.

Etwas später trafen wir uns als Familie und die wichtigsten Freunde in Simons Lieblingsrestaurant zum Essen. Ein Grieche, der beste Grieche. Bevor es aber zum Essen ging, sahen wir ein geparktes DRK Auto, vollbeladen mit Luftballons und Karten. Ihr seid der Knaller! Viele bunte grüße sind dann doch noch in den Himmel gestiegen, weit weg von Wäldern und ähnlichem.38923583_1857095657669610_5695280377145327616_n.jpg

Alle Kinder spielten fangen, sie tobten bis ihnen die Schweißperlen auf der Stirn gestanden haben. Ich hab das gegessen, was sich Simon das letzte Mal bestellt hatte, als wir dort gewesen waren. Das war am 30.12.2017, an seinem 37. Geburtstag. Ein weiterer Besuch war dann nicht mehr möglich. In meinem Rucksack aber hatte ich einen Ehering dabei und ein Foto von ihm. so das er doch irgendwie dabei gewesen ist. Die Stimmung war entspannter als ich befürchtet hatte. Es war okay, nicht gruselig oder so. Liebster Held, es war keine Freakshow.39105900_2316461515062956_644088319503761408_n

Gegen 22.30Uhr waren die Heldenkinder sehr müde und endlich im Bett. Sie haben gut geschlafen und hatten keine Alpträume. Ich habe mit der Patentante noch bis nach 2 Uhr am Tisch gesessen und geredet.

Ich hatte die Hoffnung dass an diesem Tag einiges von mir abfällt , hoffte aber auch darauf, dass ich endlich realisiere. Von mir abgefallen ist tatsächlich etwas; die Angst vor der Beisetzung. Ich habe überlebt, wir haben überlebt. Für eine Beisetzung war es wirklich schön. Kein gruseliger Friedhof, keine traurige Musik. Simon hätte es sicher gefallen.38646915_2068322606766545_6977243998066835456_n

Vielen Dank an Alle die dagewesen sind. Danke an die Familie; für die Mitorganisation, für das Essen in Simons Lieblingsrestaurant danach und vor allem für die guten Nerven, bezogen auf die Musikwahl und mein etwas nervöses und manchmal vermutlich auch sehr anstrengendes Verhalten die Wochen zuvor. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich kein einfacher Mensch bin und auch nie gewesen bin.Ich weiß auch, dass so manche Dinge am Freitag anders waren, als es eigentlich „üblich“ ist. Daher ein Extra Danke nur für Euch. Danke an unsere Feunde; für die starken Nerven, für das Dasein und nicht alleinelassen. Danke, dass ihr alle Luftballons mitbringen wolltet und Danke dafür, dass ich mir später viele Fotos habt zukommen lassen, die Eure Himmelpost gezeigt haben.

 

Danke an Simons Arbeitgeber, dafür dass ihr dagewesen seid. Danke für die GUtscheine für eine Heißluftballonfahrt. Unsere Kinder und ich freuen uns riesig. Danke an das DRK; für die vielen Lauftballons und Karten, die ihr mitgebracht habt. Danke, dass ihr vor dem Restaurant tapfer auf uns gewartet habt und besonders Danke dafür, dass unsere Kinder den Schutzhelm vom Helden bekommen haben.39087598_527085344397682_5581467806840389632_n Danke an unsre lieben Follower, besonders Instagram war am Freitag überseht von Luftballonfotos und Mutmachnachrichten. Danke für den Pokal, den unsere Kinder behalten durften. Und zu guter Letzt…

(Achtung, jetzt kommt unbezahlte, freiwillige und von Herzen dankbare Werbung)Danke an Das Bestattungshaus Lundie, wir haben Euch nicht gefunden, sondern Ihr uns. Ihr habt Dinge möglich gemacht, die schon fast unglaublich gewesen sind. Ihr wart warmherzig und habt uns immer das Gefühl gegeben, dass Simon etwas besonders ist. Leo durfte Papas „geheimversteck“, den Sargdeckel bei Euch zu Hause anmalen.37153432_1759547887473234_666955842079162368_n Ihr habt ihm Dinge erklärt, wozu mir die Worte gefehlt haben. Immer hatte ich das Gefühl, dass ihr sehr würdig mit ihm umgegangen seid und ich bin mir sicher, dass auch ihr das eine oder andere Wort mit ihm „gewechselt habt. Ich hatte die Möglichkeit mich noch einmal von meinem Mann zu verabschieden, nachdem er verstorben war. Er sah so friedlich aus, in seinen Lieblingsklamotten. Silvana, Du hast gezaubert! Er sah nicht mehr aus wie Kunibert, es war Simon, der dort, an diesem Tag vor mir im Sarg gelegen hat. Danke dass ihr meine „Fahrt Vorsichtig“ Bitten nicht belächelt habt, als ihr Simon aus der Klinik geholt habt. Danke, dass ich immer wusste, wann er wo ist und wann was passiert.  Das alles war mehr als eine „Zusammenarbeit“ für mich, besonders der Heldensohn hat Euch und zugegeben Euern Dachboden sehr liebgewonnen. Während der Beisetzung seid ihr dagewesen; weder zu aufdringlich noch zu unsichtbar, sondern genau richtig; mit Schulterhalten und Kinderablenken. 38931989_298016147630175_2845438253329285120_nNie hätte ich gedacht, dass Bestatter so herzliche Menschen sind. Ich hätte nicht wissen wollen, wie das alles ohne Euch gelaufen wäre. Ihr wart die ersten Bestatter, mit denen ich es in meinem Leben zu tun hatte. Simon war der erste Mensch, den ich Tod gesehen habe. Es war die erste, bewusste Beerdigung für mich.  Liebes Bestattungshaus Lundie, ihr seid ein Segen für uns gewesen und ich bin mir ganz sicher, dass Simon dass genauso sieht.

Lieber Simon,

es geht voran. Ich weiß dass des Dir immer besonders wichtig gewesen ist, über alles Bescheid zu wissen. Daher gibt es Heute keine Update über Dich, sondern für Dich.  Dass unsere Einhornbändigerin zurück ist, habe ich Dir bereits erzählt, dass sie „geflogen“ ist auch. Die Heldenkinder freuen sich, sich wieder zuhaben.38783152_647999545566290_4155041560758583296_n.jpg Der erste Streit ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Der kleine Batman fand es nämlich „total unfair“ dass das T-Shirt seiner Schwester mehr glitzerte als seins. Zu Deiner Abschiedsparty aber ziehen beide Glitzer an, Du weißt doch…Glitzer geht immer.

Gestern räumten wir zu Dritt weiter im Keller rum, Du wirst es nicht glauben, aber wir haben Platz im Keller. Eigentlich wollte ich noch Holzbretter an das Regal schrauben, um es von einer Seite dicht zu machen, so dass es wie eine Trennwand wirkt. Unser Sohn hatte vor geraumer Zeit den Akkuschrauber versteckt, die Bits dazu leider auch. Der Schrauber ist wieder da, am Rest arbeiten wir noch. Es ist im übrigen „total unfair“, dass ich den Schrauber aus seinem Zimmer genommen habe. Vermutlich hast Du gerade ein panisches Gesicht, bei dem Gedanken daran dass ich diesen Schrauber in der Hand halte. Lass Dir eins gesagt sein, ich hab ein genauso panisches Gesicht. Sämtliche Baugeschichten waren immer, bis zum Schluß Dein Ding, das hast Du Dir nie aus der Hand nehmen lassen. Dazu kommt die Tatsache, dass ich zwei linke Hände habe und absolut talentfrei bin; ich weiß. Aber mein Schatz, irgendwer muss das jetzt ja machen und immer helfen lassen will ich mir auch nicht. ich rock das schon. Vielleicht passt Du von dort oben, von Deiner Wolke aus auf mich auf, dass ich das Haus nicht zum einstürzen bringe, Deal? (Edit, Danke für den Beistand von oben mein Held, die Trennwand steht und wartet darauf Farbe zu bekommen; gerockt)38779267_2323626300997861_21974882342404096_n.jpg

Unser Buch ist auch fertig und wird gerade kontrollgelesen. Du meintest doch immer, dass das ganz sicher klappen wird. Dann drück uns mal die Daumen. Ich bin darin etwas deutlich geworden, deutlicher bezogen auf Dich und deutlicher bezogen auf Kunibert. Ich habe mehr und Detailreicher geschrieben, als ich es hier im Blog getan habe. Im Vorfeld aber sagtest Du dass es okay sei. Wenn es tatsächlich azu kommen wird, und ich ein gebundenes Exemplar in den Händen halten darf, dann binde ich da ganz viele Luftballons ran und schick Dir eins nach oben.38600379_277620816378632_7029814681237716992_n

Dafür ist nun aber mein Abendfüller weg, ich bin gerade dabei mir einen neuen zu suchen. Hast Du eine Idee? Aufräumen und putzen wird auf Dauer etwas oll.

Gestern haben die Kinder und ich deine Star Wars Raumschiffe aufgeteilt. Aber keine Sorge, Deine Herzstücke; das Milleniumdings, der Sternenenzerstörer und BB8 sind nach wie vor im Wohnzimmer, in Sicherheit und hoch genug dass keine Kinderhände dran kommen. Die Anderen Raumschiffe schmücken nun die Zimmer der Heldenkinder, eines aber geht zu F., ich denke damit wärst Du einverstanden gewesen. Dann hat er auch etwas von Dir, an Dem Tag Deines Sieges über Kunibert waren F. und N. auch ununterbrochen bei Dir/ bei uns. Er hat Dir Linken Park Musik vorgespielt wenn ich mich richtig erinnere.

Heute war ich mit unseren Kindern am See. 38765249_1998447337134691_4209571139858464768_nAuf dem Weg dorthin haben sie sich über den Himmel unterhalten, Emma erklärte ihrem Bruder dass dort oben immer eine tolle Party gefeiert wird, wenn Jemand neues hineinkommt. Sogar mit Kuchen und so. Unsere Tochter meinte auch, dass sich Jeder dort oben aussuchen kann, wie alt er dann ist, weiter altern tut man dann nicht. Wie alt bist Du also? Ich tippe auf Mitte 20, denn diese Zeit scheinst Du besonders toll gefunden zu haben. Außerdem gab es noch keinen Kunibert, bzw wusstest Du nichts von ihm. Dein Leben war noch frei und nicht fremdbestimmt. Großartig.

Emma und Leo meinten beide, dass sie auf der einen Seite sehr traurig sind, dass Du nicht mehr da bist. Auf der anderen Seite aber freuen Sie sich, dass Du nun keine Schmerzen mehr hast, Dich wieder bewegen kannst und sogar Flügel hast. Die ganze Zeit zum See warst Du ein großes Thema. Morgen werden wir anfangen das Erinnerungsalbum von Dir zu basteln. Mit Fotos, ausgeschnittenen Herzen aus einem T-Shirt von Dir, mindestens einer Socke…Alles was die lieb gewesen war.

Am See liefen unsere Kinder sofort ins Wasser, sie hüpften und lachten. Das Kindsein hatte sie wieder. Diesmal hielt sich der kleine Batman auch an die Absprache, dass er nicht weiter rein darf als bis zur Brust, Tauchen kann er inzwischen richtig gut, einge Fische hat er dabei auch sehen können.38633603_656279494747591_9105793742303920128_n Die Einhornbändigerin ist viel geschwommen und kann inzwischen Rollen und einen Handstand unter Wasser. Ich Frostbeule war auch mit im Wasser, so richtig, mit nassen Haaren. Wirklich! Normalerweise war das immer Dein Part, ich frier doch immer so schnell. Heute aber war ich dran, ersetzen konnte ich Dich nicht, aber ich denke dass die Kinder und ich trotzdem recht viel Spaß hatten.

Zum Abendbrot habe ich es übrigens geschafft den Minihelden Blumenkohl, Brokkoli, Minze und Belugalinsen unterzumogeln. Es schien lecker gewesen zu ein, Beide wollten eine zweite Portion. Ich habe mir vorgenommen wieder etwas mehr auf gesunde Ernährung zu achten, das war etwas eingebrochen in den letzten Wochen. Aber jetzt läuft es wieder.38612180_310193256206178_1204445577262137344_n

Morgen bereiten wir die letzten Dinge für Deine Abschiedsparty/Beisetzung am Freitag vor. Die Kinder freuen sich darauf, ich denke aber dass sie nicht wissen was sie dort erwartet. Leo; der kleine Batman sagte, dass wir Dich dann oft besuchen werden, mit einem Picknickkorb und einer Decke. Auf den Wurzeln von Deinem Baum könnte man nämlich ganz prima sitzen. 37979085_1782496601845029_119966459576188928_n

Ich weiß noch nicht genau, wie ich mich fühlen soll, wenn ich an Freitag denke. Weißt Du, Heute vor 5 Wochen um 22.54 Uhr habe ich ein letztes Mal Deine Stimme gehört. Du hast mich angerufen, nur wenige Minuten bevor Du ins Koma gelegt werden musstest. Kunibert hat Deiner Heldenlunge zu sehr zugesetzt. Wir haben kurz besprochen, Ich hab Dir schöne Träume gewünscht, erinnerst Du Dich? Dir ging es so schlecht, Du konntest weder laufen noch Essen, weder alleine Atmen noch einen Arm heben. Dein Kopf hatte oft ein Eigenleben entwickelt. Und trotzdem wolltest Du kurz bevor es nicht mehr ging mit mir sprechen und hast mich anrufen lassen. Emma sagte zu ihrem Bruder, dass es Dir dort oben nun besser geht, Du keine Schmerzen mehr hast und eine Begrüßungsparty bekommen hast. Und im Grunde hat sie recht damit. Wir vermissen Dich, aber der Gedanke, dass Du keine Schmerzen mehr zu ertragen hast tröstet uns. 38771781_285233142057813_2698406692265132032_n.jpg

Und eben gerade, als sich die Einhornbändigerin Fotos von Dir angesehen hat und weinen musste sagte sie „Die Zeit gerade ist doof und schwer, das Leben aber nicht“38612491_1973139996309664_6293994269837361152_n

Unsere Kinder sind stark. Unsere Kinder sind Deine Kinder. Aus unseren Kindern werden großartige Erwachsene. Du. mein geliebter Held hast einen Riesenanteil dazu beigetragen. Danke dass es Dich gab. Danke dass es Dich noch immer gibt. Du bist nicht mehr da, wo Du warst. Aber Du bist überall wo wir sind!

Machs gut unser Held, wir sehen uns Übermorgen!


 

 

Rückenwind

Wir sind wieder vollzählig, naja…so vollzählig wie wir sein können. Die Einhornbändigerin ist zurück, es wurde auch wirklich Zeit, etwas mehr Leben im Haus tut Allen gut. Der Himmel war heut ganz blau, unser Held war also auch bei uns.38600379_277620816378632_7029814681237716992_n

Heute Morgen musste ich zum Arzt, meine Arbeitsunfähigkeit verlängern. Ich ha wirklich keine Ahnung was los ist, aber mein Kopf funktioniert überhaupt nicht. Sowohl mein Arzt, als auch meine Therapeutin gehen davon aus, dass es sich nach der Beisetzung Ende der Woche noch weiter zuspitzen wird, da ich Moment Meisterin des Ablenkens bin und unabhängig davon jede Menge zu organisieren ist. Ich hoffe ehrlich gesagt, dass sich irren. Auch meinten Beide, dass ich mich unbedingt zu einem Akuttermin melden soll, wenn ich Bedarf habe und das Gefühl bekommen sollte es nicht zu schaffen. Das hoffe ich noch viel weniger.38673722_875475129508159_3305323706204553216_n

Dieser Termin hat eine Ewigkeit gedauert, bzw. das Warten zuvor. Der kleine Heldensohn hatte irgendwann so gar keine Lust mehr. Mittags aber sind die Einhornbändigerin, der kleine Batman und ich zu einem Highlight gefahren. Der Papa 1, der andere Papa der Heldentochter hatte das organisiert und kam dann selbstverständlich mit. Wir waren beim Skydiving. Ein Windkanal, eine abgeschlossener Raum und ganz viel Mut. Beide Kinder wollten es unbedingt probieren. Die Heldenkinder waren die Jüngsten und passten nicht in die üblichen Anzüge, die währenddessen getragen werden. Also bekamen sie die kleine Edition, die auch soviel besser zu ihnen passte; seht selbst. 38672482_204451890421104_7331237861187911680_nDas ist doch mehr als ein Zufall. Allein für diesen Anblick von Wonderwoman und Superman war es das wert. Der Batmananzug war leider noch zu groß.

Die Kids wurden zuvor noch in die Sicherheit und Zeichensprache eingewiesen, zu meiner Verwunderung hörte selbst der kleine Heldensohn ganz andächtig zu.38635882_257529915076458_1482657366670311424_n Sie bekamen Oropax, eine Schutzbrille und einen Helm. Dann sollte es losghen, alle Teilnehmer gingen in den Vorraum. 38600339_2036579743324006_407017884385017856_nWir mussten zunächst draußen bleiben.

Die Einhornbändigerin war großartig unerschrocken, sie tat fast so als hätte sie nie etwas anderes gemacht.38661902_440947522981628_5218987307385749504_n Der kleine Heldensohn traute sich dann doch nicht. Ich wurde reingerufen, aber wollte nicht und das war okay. Allein die Tatsache, dass er so mutig gewesen ist, allein mit fremden Menschen in diesen Vorraum zu gehen ist eine Wahnsinnsleistung für unseren tapferen Sohn. 38600158_243230272985607_261556498939772928_n

Emma aber flog, auch für ihren Bruder.38663657_535822573504054_3452461168277323776_n In der zweiten Runde ging es richtig hoch. Sie war die Jüngste, die an diesem Tag geflogen ist. Aber sie war eine der Besten, nicht alle konnten hochfliegen und sich relativ gut halten. Unsere Wonderwoman.38759339_293804001388459_8105392818505121792_n

Sie möchte dort schon ganz bald wieder hin. Abwarten.38514425_533522037081946_714146408696905728_n

Zurück zu Hause malten unsere Kinder , für die Abschiedsparty von Simon. Leo hat heute den ganzen Tag von unserem Helden gesprochen, jeder Moment erinnerte ihn an seinen Papa. Emma ging es ähnlich, sie aber hält es nicht aus wenn ihr Bruder so oft vom Papa spricht. Auch wenn wir eine Patchworkfamilie sind und Emma auch noch einen anderen (Bluts)Papa hat. für sie ist die ganze Situation nicht weniger tragisch als für ihren Bruder. Simon ist in unser Leben gekommen, als die Einhornbändigerin 6 Monate alt gewesen ist. Ein Leben ohne ihne kannte sie bisher nicht.

Während ich hier schreibe, höre ich die Kinder im Hintergrund streiten, wer den schönsten Luftballon in den Himmel geschickt hat. Da Simon heute wieder ein großes Thema gewesen ist, schickten beide Kinder einen Luftballon los, mit einem Herz dran. Ich habe immer das Gefühl, dass dies zumindest etwas hilft.

 

Zum Abendbrot gab es Wunschgemäß Kartoffel- und Zucchinispalten aus dem Ofen, dazu Köfte bzw. Mozzarella, gelbe Karotten und Gurken.38665674_278780899596681_3228946912665141248_n

Morgen werden wir alte Matratzen in den Keller schleppen um aus ihnen eine Hüpflandschaft zu bauen. Ich bin gespannt ob das klappen wird.

Mein Wortchaos, welches einmal ein Buch werden soll ist übrigens fertig und wird gerad korrekturgelesen. Danach schicke ich es an einen Verlag und hoffe darauf, dass Simon dort ebenso überzeugt wie Manche von Euch.38646915_2068322606766545_6977243998066835456_n

Wir vermissen unseren Helden, ich mag ruhige Minuten nicht, die machen mich fast Wahnsinnig. Jetzt wo das Buch fast fertig ist (ich hab die Kapiteleinteilung vergessen), frage ich mich was ich stattdessen Abends und Nachts machen soll. Vielleicht krame ich meine Nähmaschine wieder raus. Mir graut es vor dem Ende der Woche, vor der Beisetzung. Dann ist alles so endgültig und fest. Dann ist alles so real. Ich mag nicht.

Aber jetzt denke ich an unsere mutigen Kinder. Geliebter Held, ich bin mir sicher dass Du vor stolz fast geplatzt bist. Die zwei sahen mit ihren schicken Anzügen fast wie kleine Raumfahrer aus. Ich bin mir sicher, dass Dir das auch gefallen hätte. Ich konnte es selbst kaum glauben, was unsere Kinder sich da zugetraut haben. Sie rocken, genauso wie Du es immer gemacht hast. Und ich denke, dass der starke Rückenwind, den unsere Zwei heute bekommen haben gar nicht so verkehrt ist. Vielleicht macht es den Weg, der vor uns liegt etwas einfacher. Über unsere Grenzen gehen…das können Wir!  Wir denken an Dich unser Held, in ein paar Tagen feiern wir mit Dir, Für Dich und für das Leben. Rock den Himmel

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Einfach Raus; unser Wochenende

So langsam fällt uns die Decke auf den Kopf. Der kleine Batman bewältigt seine Trauer indem er Tagsüber oft recht überdreht und am Abend seinen Einbruch bekommt. Oft hören wir dann meine Mailbox ab, auf der Simon vor einiger Zeit einmal eine Nachricht gesprochen hatte, er sagte dass er sich festgequatscht hat und sich verspäten wird. Typisch mein Mann eben. Damit Uns aber nun die Decke nicht auf den Kopf fällt, versuchten wir dieses Wochenende so oft es ging das Haus zu verlassen.

Seit Mittwoch ist die Einhornbändigerin von der Oma aus Bayern zurück, verbringt aber noch etwas Zeit mit Papa 1. Allerdings sehen wir uns trotzdem, Morgen wird sie gänzlich zurückkommen. Am Freitag sind wir zu Dritt und Papa 1 zum See gefahren.38461278_1717628545021270_4845641605824118784_n Der hat im Gegensatz zu uns nämlich ein Auto und konnte uns fahren.  Die Kinder spielten im Wasser. Von der Angst vor diesem Element, welche Beide noch letztes Jahr hatten war nichts mehr zu spüren. Sie tobten, warfen sich gegenseitig hinein und lachten viel.38513960_205031820358423_9010520660325171200_n Der kleine Heldensohn war mir schon fast zu mutig und wollte tiefer ins Wasser als er eigentlich stehen konnte. Danach gab es….natürlich ein großes Eis, diesmal aber ohne Streusel. Die gab es da nämlich nicht.38542103_680526492312289_20501055724847104_n

Am Abend durfte der Heldensohn einen Kinoabend machen. Ein DVDhappening mit seinen Freunden und zack hatte ich 4 Fünfjährige im Haus, die sich Bibi und Tina angesehen haben. Das ist und bleibt der Lieblingsfilm beider Heldenkinder. Unser Sohn hat im Moment Probleme abends einzuschlafen, an diesem Abend aber ging es.

Am Samstag waren wir zusammen mit einer Freundin samt Tochter im Legoland. 38678764_211563116179989_73177742983561216_nDort waren wir vor drei Jahren schonmal, besonders toll fand ich es damals nicht. Allerdings hatten sie aufgerüstet. Der kleine Batman baute Autos für die Rennstrecke, sah sich völlig fasziniert Berlin in kleine und Bausteinen an.38446356_449003792268718_8421513780269154304_n Das war damals auch schon so. Er liebt Züge und Bahnen jeglicher Art. Daher war es dort ein Paradies für den Heldensohn. 38498867_1661863493939343_4398856868353540096_nEr spielte viel mit der Tochter unserer Freundin, gruselte sich auch nicht vor der Drachenbahn und dem „Laserlabyrinth“ Auch dabei klappte das Ablenken ganz großartig, der kleine Batman wirkte gelöst und freute sich über diesen schönen Tag.

Auf dem Weg dorthin, war es etwas skurril. Sowohl der kleine Heldensohn als auch die Tochter unserer Freundin sind zwei gebeutetelte Kinder. Der kleine Batman hat einen Himmelspapa, das kleine Mädchen möchte ihren Papa nicht mehr sehen, weil er nicht besonders nett zu ihr gewesen ist. Unser Sohn wollte mehr wissen und fragte immer weiter nach. Das kleine Mädchen erzählte erst zögerlich, dann aber recht flüssig was sie mit ihrem Vater erlebt hatte. Für den Heldensohn sind das Dinge, die er nicht kennt um so mehr aber schockierten sie ihn. Da saßen die Zwei, erzählten von ihren Vätern. Der kleine Batman wollte wissen wo der Papa vom Mädchen wohnt, er wollte seine Freundin beschützen und den Papa „bekämpfen“. Mal ganz davon abgesehen, dass wir unseren Kindern immer gesagt haben, das Gewalt keine Lösung sei, war das doch irgendwie rührend wie besorgt er gewesen ist. ein echter kleiner Batman, ein echter Heldensohn.38507173_431381390683605_8114062360315953152_n

Allerdings war ich froh als das Thema wieder in eine andere Richtung rutschte und die Kinder im Legoländchen in mitten der Hauptstadt spielen konnten.

Heute kam die Ostseeoma uns besuchen. Mit ihr sind wir in einen Indoorspielplatz gefahren. Notiz an mich…rutschen mit Rock ist keine gute Idee, ich hab jetzt eine Branblase an einer Stelle, die beim sitzen weh tut. Aufgrund der Wetterlage war der Spielplatz angenehm leer, weil die meisten Leute bei diesen Temperaturen am Strand sitzen. Aber ein fast leerer, klimatisierter Indoorspielplatze hat auch seine Vorzüge. 38504378_916052395244827_6706964373304246272_n

Am späten Nachmittag, frühen Abend ist die Ostseeoma wieder nach Hause gefahren. Wir bauten Lego. Eigentlich kann unser Sohn das recht gut, aber in den letzten zwei Wochen wurde er immer hippliger. Umso schwerer aber wurde das konzentrieren. Kurz stillsitzen oder warten scheint im Moment unmöglich. Der Grund ist mir klar, dennoch ist es so manches Mal recht anstrengend. Daher versuchen der Heldensohn, die Heldentochter und ich unseren Tag wieder besser zu strukturieren, Platz zum rennen und schreien wechseln sich mit ruhigen Minuten wie zum Beispiel bauen, basteln etc. ab. Ich hoffe, dass wir das Verhalten damit wieder etwas gebremst bekommen.

Nicht nur ich weiß, dass der Tag der Beisetzung naht. Nicht mal mehr eine Woche. Ich fürchte mich davor dem nicht standhalten zu können und danach erst richtig zu verstehen, dass unser größter Alptraum Realität geworden ist. Auch ich könnte die Wände hoch gehen und bin zappliger als sonst. Wenn ich nichts zu tun habe werde ich unruhig. wenn ich darüber nachdenke spiegelt der kleine Batman mein Verhalten. Womöglich sollte ich zunächst bei mir anfangen…35511035_1718201871607836_3028834598114033664_n

Wir heute das erste mal ohne unseren Helden im Indoorspielplatz. Im Herbst/Winter sind wir eigentlich fast Stammgäste dort gewesen. Ich habe meinen Kaffee weit weg von dem Tisch gestellt, an dem wir sonst immer sitzen. Ich bin oft mit Leo mitgelaufen um nicht ständig an Simon denken zu müssen. Ab und zu musste ich kurz raus gehen. Im Moment versuche ich Orte zu meiden, die mich zu sehr an ihn erinnern, aber ich kann mich kaum ewig verkriechen. Dann sehe ich den kleinen Batman Leo durch die Gänge flitzen, ich sehe sein breites Lachen und jubeln und weiß dass es die richtige Entscheidung gewesen ist dort hin zu fahren.

Zur Beisetzung kommen viele, sehr viele Menschen um sich von Simon zu verabschieden. Danach gehen wir mit den engsten Freunden und der Familie noch etwas Essen, in Simons Lieblingsrestaurant. An seinem Geburtstag waren wir das letzte Mal dort, danach war es auf Grund von Kunibert recht schnell nicht mehr möglich. Ich kann mir gerade gar nicht vorstellen dann etwas Essen zu können ohne dass mir Jeder Bissen im Hals stecken bleibt. Mal sehen.Ich kann im Moment auch gar nicht absehen, wie unsere Kinder an diesem Tag reagieren werden. 38507138_2023955247616526_3239611617108819968_nSo gar nicht. Das wird ein anstrengender Tag. Unsere Ballons habe ich schon bestellt, Foto Ballons und eine Wolke.

Jetzt ist es Abends, die Hunde tanzen vor mir, ich glaube ich sollte schnell noch eine Gassirunde drehen. Dann geht der kleine Batman ins Bett nachdem wir Papas Stimme auf der Mailbox abgehört haben.

Rock den Himmel mein Held. Wir lieben Dich

#luftballonsfürsimonHoneymoonPictures_Ines&Simon-301

Ich schreibe, also lese ich

Es ist nun kein Geheimnis mehr, dass ich versuche Simons letzte Projektidee mit dem Buch umzusetzen. Die Zeit ist schnelllebig, auch wenn es mir gerade ganz anders vorkommt. Darum sitze ich sooft es geht daran. Ich möchte nicht, dass er vergessen wird. Von uns sowieso nicht, von Anderen aber auch nicht. Im Moment bin ich auf der Seite 183 und bin an der Stelle angekommen, als Simon im Juni in die Klinik gegangen war. Ich wechsel dabei zwischen Blogbeiträgen und neuen Worten ab. Na mal sehen ob das klappt, so ganz überzeugt bin ich nach wie vor nicht von der Idee.

Aber es hilft mir auch, gerade jetzt in diesem Moment. Mein Chaos im Kopf, meine emotionale Situation, all das hilft mir diesen Text zu schreiben, der hoffentlich einmal ein Buch werden soll. Es hilft mir auch rückblickend Dinge besser zu verstehen und mich daran zu erinnern, dass die letzten Jahre nicht verschenkt gewesen sind.Kopie (2) von PIC_1130.JPG

Ich erzähle Euch in diesem Buch davon wie Simon und ich uns kennengelernt haben

„Es ist abends, irgendwas nach 21 Uhr. Emma war endlich eingeschlafen, wer hätte gedacht, dass ein 6 Monate altes Baby solch starke Bauchschmerzen haben kann. Ich zumindest nicht. Es war Oktober der Kalender zeigte das Jahr 2008. Meine Tochter und ich wohnten in einer kleinen Altbauwohnung, nahe dem Zentrum von Berlin. Wir wohnten allein, da Emmas Papa und ich schon zu Beginn der Schwangerschaft feststellten, dass unsere Vorstellungen zu weit auseinander gelegen hatten. Ich war 24 Jahre alt und beschwerte mich bei guten Freunden anscheinend zu häufig darüber, dass mein Zug nun abgefahren wäre. Ich jammerte, dass es fast unmöglich zu sein scheint, „den Einzig Wahren“, den „Mann fürs Leben“ zu finden.
Ich kann ein wirklich sehr anstrengender Mensch sein. Meine Freunde empfanden vermutlich ähnlich. Irgendwann konnten sie es nicht mehr hören und meldeten mich auf einer Single- Plattform im Internet an. Ich belächelte dies und habe es überhaupt nicht Ernst genommen.
An diesem Abend bekam ich das dritte Mal eine E-Mail von einem Mann, der ähnlich verzweifelt gewesen sein muss wie ich. Er war auch dort angemeldet und nannte sich „Smallcrumb“. Ich fragte mich ernsthaft, welcher Mann, der eine Frau sucht sich tatsächlich und voller Ernst Krümel nennt. In seinem Profil hatte ich gelesen, dass er später einmal keine Kinder möchte. Sein Lebensplan sah also andere Dinge vor, als meiner. Ich schaute nach rechts, dort lag Emma, eingekuschelt in ihrem Babybett und nuckelnd an ihrem Schnuffeltuch. Ich ignorierte auch diese Nachricht.
Am nächsten Tag schrieb mir der Mann, mit dem seltsamen Namen erneut. Ich weiß nicht genau was es war, aber ich sah mir sein Profil noch mal genauer an. Er hatte verschiedene Fotos, die ich mir ansehen konnte. Und auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, das eine Foto fand ich wirklich nett, sehr nett. Ich guckte es immer wieder an. Er trug eine blaue Jacke, einen Ohrring und hatte etwas verwuschelte Haare. In der Hand eine Riesen Kaffeetasse und ein lächeln, ein wahnsinnig schönes Lächeln, das seines Gleichen suchte…“35628494_1719232134838143_1452238810552205312_n

In diesem Zusammenhang durchforste ich meinen gesamten Blog um so wenige Details wie möglich auszulassen. Ich wurde zum Leser meiner eigenen, unserer eigenen Geschichte. Normalerweise verhält es sich so, dass ich einen Blogpost abtippe und ihn selten gegenlese. Daher kommt ihr auch recht häufig in den Genuss meiner fantastischen Tippfehler. Ich schreibe, wie ich denke. chaotisch und ohne mir zuvor etwas zurecht gelegt zu haben.

„Simon öffnete mir die Tür. Ich trat ein in eine Wohnung, die nach Waschmittel roch. Alles war aufgeräumt, jede Menge Aktenordner und Bücher in den Regalen. An der apfelgrünen Küchenwand klebten Wandtatoos. Simon trug Hausschuhe.
Ich bin da eher der chaotische Mensch, Bücher habe ich auch, Aktenordner nicht. Bei mir herrschte eher das Schubladensystem. Die Wand in meiner Küche war weiß mit Kürbisbreiflecken über dem Herd. An meiner Wand hing ein Poster von Che Guevara. Noch vor einem Jahr wohnt ich in einer Studenten WG, die am Wochenende manchmal mehr lebte als die Bewohner. Mein Bein zierten bunte Bilder, ich studierte Politik um danach zu beschließen, dass ich doch lieber Erzieherin werden möchte.
Ich war chaotisch, ganz schön doll. Simon schien sehr strukturiert, karrierebewusst und gut organisiert. Eines aber hatten wir gemeinsam. Seine Augenbraue und meine Lippe waren gepierct. Immerhin.
Wir kochten, Spagetti Bolognese. Danach kuckten wir uns eine DVD an, der Rest ist Geschichte.
Wir trafen uns danach noch einige Male. Im Dezember fragte mich Simon ob er Emma kennenlernen darf. Einen Tag später stand er, völlig verzweifelt im Spielzeugladen und ließ sich über eine Stunde beraten, was einem 8 Monate altem Mädchen denn gefallen konnte.
Emma hatte an diesem Tag wieder Bauchweh. Sie war recht quengelig und nicht besonders gut gelaunt. Grandiose Voraussetzung für das erste Treffen mit Simon. Es klingelte, ich hielt das kleine Mädchen auf dem Arm, Simon betrat die Wohnung und lächelte. Diesmal aber anders als sonst. Wir gingen ins Wohnzimmer, setzten uns auf mein neues Kunstledersofa und redeten. Simon zeigte Emma sein Mitbringsel, ein Stoffrassel. Sie war begeistert, lutschte sofort darauf rum. Das quengeln hatte ein Ende. Simon legte seine Hand auf ihr Bein, Emma kuckte und beugte sich zu ihm hinüber.
„ich glaube Emma möchte zu Dir“, sagte ich und setzt sie einfach auf seinen Schoß. Dieses Bild werde ich nie vergessen. Beide strahlten sich an. Meine Tochter schien den Gleichen Geschmack wie ich zu haben“DSC_9362

Nun ist es schön und ich hätte nicht gedacht von meinem Blog einmal selbst profetieren zu können. Ich habe den Text über unsere Hochzeit gelesen, das nicht nur einmal. Ich las von tollen Familienwochenenden, schönen Stunden zu Zweit und ganz viel Lebensmut und Hoffnung. Ich realisierte erneut wie viele Menschen sich aufgrund Simons Geschichte haben bei der DKMS registrieren lassen. Er war ein riesengroßer Held, er bleibt für immer ein riesengroßer Held. Unser Held.36919031_1753991484695541_2506879656561475584_n

Ich habe aber meine Blogposts gelesen, die mich nachdenklich stimmten. Im Nachhinein frage ich mich, warum wir dass was da schon bald geschehen sollte nicht realisiert hatten. Selbstschutz vermutlich. wenn ich jetzt darüber schreibe und zeitgleich lese, was ich vor wenigen Wochen/ Monaten geschrieben habe ist es manchmal fast sarkastisch irgendwie. Dann aber finde ich meinen Beitrag über unser letztes Wochenende zu viert zu Hause. Simon ging es körperlich, dank reichlich Kortison und noch mehr Morphin besser als die Tage zuvor. Das war jenes Wochenende, an dem ich mich spontan dazu entschieden hatte unseren Pflaumenbaum zu stutzen, wisst ihr noch? Wir grillten sogar an diesen Tagen. Was ich damals nicht benannt hatte war das Gefühl dass an diesem Wochenende zu Hause herschte. In den Zeilen, die einmal ein Buch werden sollen habe ich es versucht.

„Dieses Wochenende war etwas ganz besonderes. Simon war nach seiner Bluttransfusion recht fit und für seine Verhältnisse auch ordentlich mobil, so das wir sogar erneut grillen konnten. In den letzten Jahren hatten wir das viel zu selten gemacht und uns daher vorgenommen häufiger den Grill anzuwerfen. Unser Vorhaben schien tatsächlich zu klappen. Dieses Wochenende war etwas ganz besonderes, weil die Kinder sehr, sehr friedlich gewesen sind. Kein streit, keine Zickereien. Nichts. Simons Hirn hielt auch durch, abgesehen von den Nächten war nichts nennenswertes geschehen. Wir verbrachten an diesen Zwei Tagen viel Zeit zusammen. Der Ausflug zum See war ohne Simon, aber ich schickte ihm viele Fotos, am Abend erzählten unsere Kinder davon. Unser Haus war lebendig an diesem Wochenende, lebendig und gefüllt mit Lebensfreude. Alle zusammen haben wir uns alte Fotos angesehen, unsere Hochzeitsfotos, Fotos von den Kindern kurz nach der Geburt, Fotos von den ersten Dates von Simon und mir. Und natürlich haben wir unseren Kindern auch das Foto gezeigt in das ich mich unsterblich verliebt hatte. Das Bild mit dem Fotolächeln, der blauen Jacke und einer riesigen Kaffeetasse. Oh wie sehr ich dieses Foto liebe.
An diesem Wochenende herschte eine ganz spezielle Aura in unserem Haus. Es mag komisch klingen, es war aber so. Es fühlte sich sich so unbeschreiblich warm und schön an. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht im Ansatz erahnt hatten war die Tatsache, dass es unser letztes Wochenende zu Viert, gewesen sein wird. Es waren die letzten Tage, an denen Emma ihren Momo-Papa gesehen hatte. Unsere Tochter ist am Mittwoch zu ihrem Papa 1 gegangen um den Montag drauf zur Klassenfahrt zu fahren. Und als hätte ich es geahnt, war meine Stimmung wenige Tage später auf dem Tiefpunkt.“35026748_1709952362432787_7470926823472234496_n

Wir wussten nicht, dass es unser letztes Wochenende zu Hause sein wird, vermutlich war das auch richtig so. Simon und ich haben an diesem Wochenende das letzte, wirklich schöne Foto von uns gemacht. Wir lachten viel an diesen Tagen, wirklich richtig viel.

Ich lese, immer mehr vertiefe ich mich in meinen Blog und frage mich ob wir manche Dinge hätten anders machen können. Wir schlief schon seit geraumer Zeit nicht mehr in einem Bett zusammen. Das hatte verschiedene Gründe.

„Die Nebenwirkungen der Chemotherapie zeigten sich. Unser Held musste sich tagsüber öfter hinlegen um sich auszuruhen. Seine Füße zitterten oft. Nachts konnte er oft nicht schlafen und wenn doch hatte er Alpträume und schlug um sich. Letzteres führte eines Nachts dazu, dass ich an Drei Nächten in Folge etwas abbekommen hatte. Ich schrie auf, mehr aus Schreck als aus Schmerz. Ein blauer Fleck wurde es , mehr aber nicht. Simon wusste danach nichts davon, sein schlechtes Gewissen aber stieg stetig an. Dazu war er tagsüber recht unzufrieden und grummelig. Wir entschieden, dass ich erneut auf dem Sofa schlafen werde, als Selbstschutz für mich und als Selbstschutz für ihn vor einem schlechten Gewissen.
Es gab Nächtezuvor in denen die Kinderr zu uns ins Bett gekrochen sind, das wäre zu diesem Zeitpunkt aber mehr als ungünstig gewesen. Ich redete mit den Zweien. Ich erzählte ihnen, dass Kunibert im Moment wieder sehr stark ist und der Papa gut und viel schlafen muss, damit die Chemoritter helfen können. Außerdem sei das Sofa sowieso viel toller und bequemer und die Hunde fühlen sich nicht so allein. Für Leo war diese Begründung warum ich nun unten schlafe schlüssig. Emma hingegen hinterfragte das. “Der Papa von meiner Freundin hat auch immer auf dem Sofa geschlafen, dann ist er irgendwann ausgezogen und sie sieht ihn nicht mehr. Willst Du auch ausziehen” Ich hätte gern ja gerufen, aber nicht weil ich die Kinder und Simon zurücklassen wollte, sondern Kunibert. Ich wollte unser altes Leben zurück.“

Dafür ärgere ich mich. Ich werde nun nie wieder die Chance haben, neben Simon einschlafen zu können. Ich denke, wir hätten damals eine bessere Lösung finden können und müssen. Besser für die Gedanken der Heldenkinder und auch besser für uns. Simon sagte immer, dass er mich vermisst wenn er schlafen geht. Ich bereue zu tiefst, dem trotzdem nicht nachgegangen zu sein.  mein schlechtes Gewissen ist schier grenzenlos.34636662_1706114106149946_4566825020596158464_n

Was mir aber aufgefallen ist, was ich besser hätte nicht tun sollen war folgender Satz „Kämpfe wenn du noch kannst, wir brauch Dich noch ein wenig“. Für diese Worte würde ich mich am liebsten Ohrfeigen, weil sie vor allem eins gewesen sind; Egoistisch. Nicht mehr, nicht weniger.

Es dauerte seine Zeit bis ich es geschaffte hatte ihn los zu lassen, bis ich ihm sagen konnte dass es okay sei, wenn er müde geworden ist. Das Niemand sauer auf ihn sein wird und ich ihm wünsche, dass er endlich schmerzfrei sein darf. Das tut mir so unendlich Leid, so sehr dass ich Euch bald etwas mehr zu diesem „kämpfe wenn Du kannst“ schreiben werde. Geliebter Held dort oben, bitte Verzeih mir diesen Egotrip. Ich dachte immer, ich wäre vorbereitet, als es soweit war musste ich feststellen das dem nicht so ist. Das war nicht einfach, bzw. Ist es auch immer noch nicht.

Und nun schreibe ich. Es soll ein Buch werden. Über Simon, über uns und über Kunibert. Ich hab keine Ahnung ob das was wird, ob das was ich da mache ausreicht. Ich weiß nicht ob ein Verlag es ausreichend findet und ob es überhaupt Jemanden interessiert. Ich schreibe trotzdem. Für uns, weil es Simon sich gewünscht hat. Ich schreibe für die Kinder, die es vielleicht später einmal lesen können um zu verstehen wer Kunibert wirklich gewesen ist. Ich schreibe für mich, weil es hilft und weil ich damit nicht das Gefühl habe nur stupide rumzusitzen und nichts mehr machen kann um Simon zu helfen.

Ich schreibe, ich lese und ich versuche zu verstehen.

 

Heute ist Dienstag

Heute ist Dienstag. Heute vor vier Wochen wurde selbst mir bewusst, was in naher Zukunft passieren wird. Heute vor vier Wochen habe ich das letzte Mal mit Engelszungen auf unseren Helden eingeredet, dass er doch vielleicht auch anderen Besuch außer mir zu ihm lassen soll.

Heute ist Dienstag, aber ein anderer Dienstag als der vor 4 Wochen. Heute ist es so wahnsinnig heiß, dass der kleine Batman am liebsten den ganzen Tag im Pool verbringen möchte.37956621_1785430241551665_5687483538329305088_n

 

Vorher bauten wir ein Zelt im Garten und legten eine Wasser-Matsch-Pampenspur im Sandasten. Eis gibt es immer noch jede Menge, allerdings aus unserem Kühlschrank, wir müssen unbedingt mal wieder zur Eisdiele gehen.

 

Vor vier Wochen hauchte unser Held durch seine Sauerstoffmaske, dass er mit dem Arzt die Entlassung besprechen möchte. Heute lebe ich mit dem Bewusstsein dass Simon nie wieder über Entlassungsgespräche nachdenken muss. Das tröstet. Wirklich.

Im Moment räume ich immer noch viel im Haus hin und her. Die meiste Deko aus dem Wohnzimmer musste weichen, die Lego Raumschiffe allerdings nicht. Vielleicht setzte ich mich die Tage mal ins Schlafzimmer und räume da etwas rum, der Raum sieht immer schlimmer aus. Ein Staubsauger würde ihm gut tun. mal sehen. Vielleicht bekomme ich das hin. Das Sofa ist mir im Moment noch lieber zum Schlafen.35628428_1718201454941211_402609066095935488_n

In den Nächten verbringe ich viel Zeit am Computer und schreibe an dem, was mal ein Buch werden soll. Ich schreibe über einen Mann, der 2008 unter dem Pseudonym Small Crumb auf Brautschau gewesen ist. Ich schreibe davon wie aus einem Mann, der sich Krümel nannte und eigentlich nie Kinder haben wollte unser Held geworden ist. Ich schreibe auch darüber wie Kunibert bei uns eingezogen ist, was diese Krabbe mitsich brachte und uns vor ganz neue Aufgaben stellte. Ich werde auch über das Leben danach schreiben, über unser Jetzt. Keine Sorge,  das viele Eis mit bunten Streuseln wird nicht vergessen.30623623_1648937998534224_9218192052892729344_o

Simon ist in Sicherheit. Das was ich hätte ihm nie geben können hat er nun allein geschafft. Er sitzt dort oben, auf einer Zuckerwattewolke. Vermutlich wird es dort etwas windiger sein. Die Hitze, die zur Zeit über der Hauptstadt schwillt hätte er ganz sicher nicht gemocht. Seine wichtigsten Dinge liegen in der Erinnerungskapsel, die Urne mit dem Ginkoblatt. Zum Glück hat er Socken mitgenommen und sein Lieblingscappi. Ohne diese Dinge ging schon früher gar nichts.32585750_1684062431688447_8260811926712352768_n

Im April war ich in einer Beratungsstelle, da das Heldenhirn langsam anfing ein Eigenleben zu führen. Ich wollte wissen wie ich nun am besten mit Simon umgehen sollte, was war noch er, was war Kunibert. In diesem Kontext prophezeite mir die nette Dame dort, dass wir uns darauf einstellen sollten, dass unser soziales Umfeld möglicher weise bald ein Anderes sein wird, als das was wir kennen. Wir konnten uns damals noch gar nicht so recht vorstellen was damit gemeint war. Keine zwei Wochen später aber wussten wir es dann. Daher an dieser Stelle ein besonderes Danke an die Jenigen unter Euch die geblieben sind. es sind nicht viele, aber ihr wart bzw. seid unsere Felsen. Es gab Menschen, die wir immer seltener gesehen haben. Es gab Menschen, die uns nicht aushalten konnten bzw. immer noch nicht aushalten können.

Und es gibt Euch, die die da waren und es immer noch sind. Ihr, die ihr Euch nun mein gejammer anhört, unabhängig von der Uhrzeit. Ihr, die ihr uns damals wie völlig normale Menschen behandelt habt und nicht nur Kunibert gesehen habt. Ich brauche keine Handvoll um Euch zu zählen, aber ihr seid Schätze!

Es gab sie noch, Menschen die spontan vor der Tür standen um ihn zu einem Kaffee mitzunehmen, einfach so. Simon konnte durchatmen, über mich (durchaus berechtigter Weise) meckern und sah mal etwas anderes. Ich konnte ebenfalls durchatmen, da ich die Verantwortung für unseren Helden kurz abgeben konnte.

Nun ist es so wie es ist. Auch ich ärgere mich über Momente, in denen ich unfair gewesen bin. Momente, die ich hätte besser zu ihm sein können.

Die Kinder und ich ordnen unser Leben neu. Irgendwann, irgendwie wird es klappen. Bis es soweit ist, räume ich weiter in unserem Haus umher und versuche mein Dauerhaftes Globusgefühl im Hals zu bekämpfen.

Im September werden die Einhornbändigerin und ich auf einen Flohmarkt gehen, von dem Erlös wollen wir eine Kletterwand für den jetzt freien Keller besorgen. Ein Anti-Frust-Auspowerraum quasi. Falls ihr in der Nähe von uns wohnt, kommt gern vorbei und shoppt fleißig bei uns. Es ist fast wie Ballast abwerfen sich von vielen Dingen zu trennen. Von Simon habe ich bisher nichts weggeräumt. Von mir gibt es hier auch jede Menge. Ich hatte noch einige Star Wars Dinge in der Hinterhand, die ich ihm gelegentlich schenken wollte. Diese Dinge hat er nie gesehen, geschweige denn berührt. Daher dürfen auch sie weichen.

Vielleicht fahren wir diese Woche nochmal zum See. Die Eisdiele aber besuchen wir ganz bestimmt. Irgendwas was bei der Hitze gut tut.

 

Die Heldenkinder überlegen bereits was sie zu Papas Abschiedsparty tragen werden. Glitzer wollen Beide und irgendwas mit Star Wars, weil Simon sich darüber bestimmt freuen wird, wenn er durch die Lücken zwischen den Wolken durchsehen wird. Der kleine batmaman ist sich ganz sicher, dass unser Held zusehen wird, darum hat er sich ein Lied für die Beisetzung gewünscht dass er mitsingen kann. Ganz laut, ganz schrill…ganz der Papa eben.

 

Heute ist Dienstag. Heute ist der letzte Dienstag im Juli, der Monat in dem Kunibert verloren hat. F**k Of Kunibert. Morgen startet der erste Monat, indem alle Tage ohne Kunibert sein werden. Aber eben auch ohne Simon.

Mach Dir den August da oben schick mein Held, wir denken an Dich

#luftballonsfürsimon

 

 

 

 

 

Gefühlskarussell

Am Donnerstag waren der Heldenbruder, der kleine Batman und ich im Friedwald. Wir haben den Heldenbaum gesucht und zum Glück auch gefunden.

Geworden ist es eine ca. 150 Jahre alte Buche, mächtig, stark und wunderschön. Es ist ein Familienbaum mit 14 Plätzen darunter. Meinen Platz habe ich bereits reserviert, die der Lieblingsmenschen folgen noch.  Der kleine Batman war ganz fasziniert von diesem Wald. 37949229_1782496778511678_5197653994373120000_nAlles wirkte friedlich, durch die Baumwipfel pressten sich die Sonnenstrahlen. Der Heldenbaum wurde förmlich angestrahlt. Die Wurzeln sind mit Moos bewachsen. Direkt neben Simons Baum steht ein alter Baumstumpf, der auch von Moos umzingelt ist. Er sieht fast aus wie ein kleiner Hocker.37979085_1782496601845029_119966459576188928_n

Ich faste den Baum an, ganz oft. es war fast so, als könnte ich Simon berühren. ein magischer Ort, ich denke dass wir ein neues Ausflugsziel haben. Der kleine Heldensohn plante schon das erste Picknick, einen Hügel um im Winter dort mit dem Schlitten hinunter zu fahren hat er auch gefunden.37946363_1782496321845057_7600627590201606144_n

Wir haben uns sofort alle in diesen Baum verliebt. Ich kann gar nicht genau sagen warum. Allerdings lag er über dem Budget, dass aber spielte keine Rolle in diesem Moment. Ich kalkulierte noch vor Ort mehrfach alle Kosten durch und sagte zu. Ich/ wir wollten diesen Baum. Simon soll seinen Baum bekommen und keine Notlösung.38018518_1782495328511823_387680983840718848_n

Simons Geheimkapsel, die Urne trägt ein Ginkoblatt und ist biologisch abbaubar. In etwas zwei Jahren wird sie verschwunden sein. Die Heldenasche wird dann zu einer Art Nährstoff für den Baum. Mein geliebter Mann wird also ein Teil des Baumes. Und Bäume werden alt, sehr alt. Ich bin mir sicher, dass er jedes Unwetter überstehen wird. Das ist tröstlich irgendwie.37944217_1782496425178380_7647448901301043200_n

Es war ein wirklich schöner Moment, wenn auch sehr merkwürdig irgendwie. Zuhause plane ich die Musik für Simons Abschiedsparty, die Gäste und alles andere was dazu gehört. 37966010_1782496121845077_1920760618026008576_n

Der kleine Batman trug an diesem Tag übrigens ein T-Shirt von Simon. Aus einer Männer L wurde eine Kindergröße 122… Danke liebste Zauberin fürs umnähen.

Der Heldensohn meinte zu Hause, dass der Wald aussehen würde wie ein Zauberwald in dem Einhörner wohnen. „Vielleicht haben wir Glück und Papas Baum wird von einem besucht“ Ja, wer weiß, möglich ist alles.

Zuhause bastelte ich an der Bildcollage, die während der Beisetzung zu sehen sein wird.37943247_1782496911844998_7432290079361466368_n Immer wieder kuckte ich mir alte Fotos an, heute vor einem Jahr zum Beispiel waren wir im Urlaub an der Ostsee und haben den Erdbeerhof besucht. der kleine Batman grillte Marshmallows , Simon und ich haben Kuchen gegessen und zusammen sind wir alle Traktor gefahren.  Dieses Jahr wollten wir das wiederholen, naja. Dann machen wir es zu Dritt, aber nicht zu zeitnah, das pack ich nicht.20170808_131545.jpg

Wenn ich mir diese Fotos ansehe vermisse ich, ich muss oft lächeln, aber ich vermisse. Oft gehe ich danach zu unserem Boxsack, da klebt die letzte Auswertung der Lambda Leichtketten, also Kunibert dran. Ich schlage auf dieses Mistding ein, als gäbe es keinen Morgen.

Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen, stattdessen wuselte ich im Haus umher und räumte im Keller rum. Auch sonst scheine ich gerade eine Art Nestbautrieb zu haben. Der Keller ist bald fertig, da soll irgendwann später eine Tobeecke rein. Ich muss nur noch Wen finden, der sowas bauen kann. Die Eihornbändigerin hat einen neuen Schreibtisch bekommen und der kleine Batman heute ein neues Hochbett, ein richtig hohes, so passt auch in das Minizimmer ein Schreibtisch rein. Second Hand sei Dank ist das möglich. Ich sortiere Deko aus, allerdings nur meine. Manchmal finde ich dabei Schätze, wie diese hier. DAnke, liebster Held, dass Du mich noch immer zum Grinsen bringen kannst. An die Jenigen, die Simon kennen, wie alt war er da circa?37915568_1782504615177561_8370752085783740416_n

Irgendwie versuche ich das Haus zu verändern, ohne mich dabei von Simons Dingen zu trennen. Seine Bücher stehen im Wohnzimmerregal, seine Star Wars Dinge auch. Seine Klamotten liegen im Schrank, seine Schuhe stehen im Flur. Seine Jacken hängen am Haken. Im Schlafzimmer liegt seine Decke immernoch genauso zrückgeschlagen, wie an dem letzten Morgen als er hier bei uns aufgestanden ist. Daneben liegt eine Chipstüte, warum auch immer. Aber sie liegt immer noch da. Seine Zahnbürste steht neben meiner und ab und zu schütte ich etwas von seinem Duschgel unter die laufende Duschbrause, damit das Haus nach ihm riecht.

Der kleine Batman wird jeden Abend sehnsüchtig. Tagsüber ist er zur Zeit sehr überdreht, es ist schwierig ihn zu bremsen.20130416_171721

Immer wenn ich ein schönes Foto von ihm mache oder ein Foto von den Veränderungen im Haus bin ich kurz davor es Simon aufs Handy zu schicken. Dann aber schreit mich mein Hirn an „Du bist ja irre, das bringt doch nichts“ und ich tu es nicht. Noch immer habe ich nicht realisiert was da eigentlich geschehen ist.

Ich sehe mir unser letztes gemeinsames Foto an. Wir haben es am Vormittag vom 1. Juli gemacht. Drei Tage später lag Simon im künstlichen Koma.37969512_1782505831844106_3732343833107628032_n

Simon fehlt immer und überall. Beim Frühstück bleibt ein Platz leer, Wenn die Hundehaare als Knäule durch das Wohnzimmer rollen, fehlt der gequälte Gesichtsausdruck. Es fehlt das Lachen, wenn ich ständig auf der Suche nach etwas bin und es fehlt der warme Körper abends auf dem Sofa. Über Tag schaffen wir es hin und wieder recht gut uns abzulenken, aber sobald es Abends wird…naja, what ever.

Ich habe großen Respekt vor der Beisetzung. Noch knapp zwei Wochen, dann ist es soweit. Ich fürchte mich und gleichzeitig glaube ich, dass es ganz schön werden wird. Ich hoffe, dass ich alles so vorbereite, wie es Simon sich gewünscht hat. Ich versuche unser Leben wieder ins Rollen zu bringen, denn ich bin mir sicher, dass er sich auch das wünschte.34636662_1706114106149946_4566825020596158464_n

Heute telefonierte ich mit der Heldenmama, wir redeten kurz über Simon. Nach wie vor bin ich dankbar, dass der Heldenkopf am Ende nicht mehr so klar gewesen ist. Für mich war das sehr anstrengend, aber für Simon eigentlich das beste was ihm hätte passieren können. Er ahnte nicht was da auf ihn zukommen wird. Zwei Tage vor seinem Sieg über Kunibert, vor seinem Tod sagte er noch, dass er morgen mit dem Arzt über die Entlassung sprechen wird. Er hatte oft Angst in den letzten Wochen, aber nicht vor dem Tod. Er hat ihn nicht kommen sehen, da bin ich mir recht sicher.

Es gibt Tage, an denen ich liebe Menschen um mich habe. Es gibt Tage an denen wir lachen, es gibt Momente, besonders die an denen ich etwas zusammen baue, und ich fast erleichtert bin, dass sich Simon dieses Drama in mehreren Akten nicht mit ansehen muss.

Bald kommt die Einhornbändigerin wieder nach Hause, endlich. Es wird Zeit. Wir sind dann endlich wieder vollständig. Wir drei hier unten35270212_1726715707423119_6774692421264474112_n und unser Himmelsheld dort oben, zwischen den Wolken.

Rock den Himmel mein Held. ich lieb Dich.

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Lieber Papa…

Heute war ein toller Tag und ich wollte Dir unbedingt davon erzählen. Ich war Heute nicht in der Kita sondern bin mit Mama in den Tierpark gefahren. Erinnerst Du Dich noch daran, dass sie immer gesagt hat, dass sie sowas gar nicht leiden kann. Aber ich wollte unbedingt und wir sind gefahren. Auf dem Hinweg sind wir ganz viel mit der Straßenbahn gefahren, das haben wir schon lange nicht mehr gemacht.37750685_1776161689145187_5244318676605206528_n.jpg

Irgendwann sind wir ausgestiegen. Am Eingang haben wir uns mit einer Frau und ihren zwei Mädchen getroffen, ich habe ständig ihren Namen vergessen, ach warte; Eva heißt sie. Eines ihrer Mädels meinten, dass deren Mama in ihrer Kita immer die „Wetterfee“ genannt wird, keine Ahnung was die damit gemeint hat.

Eva wollte uns letztes Jahr helfen für Dich neues Blut zu finden, oder? Geklappt hat es leider trotzdem nicht, wieso nicht?37849321_1776158809145475_4386861574451625984_n

Auf meiner Eintrittskarte ist eine Giraffe zu sehen. Wir haben doch früher oft „ich kenne ein Tier, dass…“ gespielt und ich habe fast immer die Giraffe genommen, weißt Du noch? Mama hat mir auch erzählt, dass wir an unserem ersten, gemeinsamen Papatag hier im Tierpark gewesen sind. Ich habe noch im Kinderwagen gesessen und es hat wohl die ganze Zeit geregnet.

Heute aber war es schön und ganz schön heiß. Zum Glück gab es dort einen Wasserspielplatz, der war ganz doll super. Ich bin total nass geworden. Danach habe ich mit den Mädchen auf dem Spielplatz gespielt und ich hatte gar keine Angst. Eigentlich mag ich doch so viele Kinder auf einmal nicht, aber heute war ich mutig, ganz ehrlich. 37765307_1776161219145234_6840589872558768128_n.jpg

Dann waren wir Ziegen füttern, ich hatte meine eigene Packung Futter. Auch das habe ich mich getraut, obwohl die ganz schön gierig gewesen sind. Keine hat mich umgelaufen.

 

Zum Mittagessen gab es Nudeln. Zum Nachtisch Eis, sogar mit Smarties. Das ist ja noch besser als Streusel! Ich hab heute soviel gegessen, Du weißt ja, ich habe immer Hunger. In meinen Bauch passt viel rein, außerdem möchte ich „Muckis wie Batman“ haben.37750583_1776161565811866_3261853362949193728_n

Mit der Parkeisenbahn sind wir auch gefahren und haben viele Tiere gesehen. Am besten fand ich die Flamingos, die waren nämlich Rosa. Und den Eisbären haben wir auch gesehen, der aber hat mir Leid getan, es ist ihm bestimmt viel zu warm gewesen.37771101_1776160949145261_427994818191294464_n

Immer wieder habe ich nach oben gesehen, der Himmel war ganz blau. Du hattest ganz viel Platz mir zuzusehen. Irgendwann fliegen wir mal mit einem Flugzeug, dann bin ich Dir ein bisschen näher und Du kannst uns besser sehen. Du hast nämlich Deine Brille hier unten vergessen, dann ist doch Deine „Sehkraft“ nicht so gut. Ich hoffe trotzdem, dass Du mich heute sehen konntest, denn ich war wirklich so mutig. Ganz doll. Vielleicht bist Du sogar ein wenig stolz auf mich.37779599_1776161589145197_8113283047090028544_n

Lieber Papa, ich vermisse Dich ganz schrecklich. Gestern Abend war es besonders schlimm. Mama und ich haben dann eine Nachricht auf der Mailbox abgehört, weil ich gesagt habe, dass ich gar nicht mehr weiß wie sich Deine Stimme angehört hat. Im Keller habe ich Regina Regenbogen gefunden und ein paar andere Kuscheltiere von Dir. Die waren Dir immer ganz doll wichtig und sie sollten nicht in unseren Zimmern schlafen.

Lieber Papa, aber jetzt tun sie das. Emma und Ich passen auch ganz doll auf sie auf, versprochen.

Irgendwann wurde es Zeit wieder nach Hause zu fahren, obwohl ich doch lieber noch geblieben wäre. Diesmal sind wir mit der U-Bahn gefahren, dann noch mit einer anderen U-Bahn und zum Schluß noch mit der S-Bahn.  Kurz bevor wir in die S-Bahn eingestiegen sind, habe ich dieses große Foto an der Wand gesehen. Ich sagte zu Mama „Kuck mal, die wollten doch für Papa gesundes Blut finden, wieso hat das nicht geklappt?“. Mama hat gesagt, dass das manchmal nicht so einfach ist, weil es nicht genug Menschen gibt, die da mitmachen. Wieso denn nicht? Ich hab ihr gesagt, dass ich hoffe dass andere Papas dann hoffentlich ihr Blut finden. War das okay so? Du hast doch bestimmt genug Freunde daoben gefunden, oder?37789997_1776160992478590_1242491230793760768_n

Das war ganz toll, ich mag das ja, wie Du weißt. Am Ende hat uns P. abgeholt, damit wir nicht mit dem ollen Schienersatzverkehr fahren müssen. Mit ihr und ihrem Sohn ging es dann noch zum Pommesladen, supercool oder? Diesmal hat es sogar sofort geklappt, dass ich keinen Ketchup bekommen habe. Meine Tomatenallergie ist nämlich immer noch nicht besser geworden. Es war total lecker, besser als das gesunde Zeug von Mama, aber psst verrate es ihr nicht.

Auf dem Heimweg habe ich noch ganz viel Quatsch mit dem Sohn von P. im Auto gemacht. Wir mussten so viel lachen.

 

Lieber Papa, heute war ein toller Tag, auch wenn ich bei jeder Lücke zwischen den Wolken an Dich denken muss. Danke, dass Du immer auf uns aufpasst. Morgen fahren wir in den „Frieden-Wald“ (Friedwald) und suchen den schönsten Baum aus. Mama hat mir erzählt, dass unter diesen Baum dann eine Erinnerungskapsel von Dir kommt. Dort drin sind die wichtigsten Dinge von Dir. Hast Du auch an Deinen Darth Vader aus Kuschelstoff gedacht? Mama meinte ja. dann stimmt das sicher. Dein Geheimversteck für den Himmel hatte ich Dir ja schon ganz bunt angemalt, ist es angekommen? Dann feiern wir Deine Abschiedsfeier, mit unserer Familie und vielen Freunden. Wir vergraben Deine Kapsel und denken an Dich. Das ist dann so ähnlich wie die Kapsel, die wir einmal zusammen auf dem Feld verbuddelt haben, da waren doch auch wichtige Dinge drin; Batmanlego und Bilder. Ich glaube dass ich traurig sein werde auf Deiner Party, aber ich glaube auch, dass es schön wird.

Morgen wird der Ostseeopa an seinem Kunibert operiert. Drück ihm die Daumen, ja? Die Oma braucht ihn noch etwas hier unten, sie ist doch sonst ganz allein.

Lieber Papa, ich muss gleich ins Bett obwohl ich doch überhaupt nicht müde bin. Hoffentlich gibt es morgen wieder viele Wolkenlücken, damit Du uns beim Baum aussuchen helfen kannst. Schlaf gut Papa, ich hab Dich lieb.

Dein kleiner Batman Leo

 

Brenn Kunibert, brenn; unser Wochenende

Unsere letzten Tage waren recht voll. Der kleine Batman und Ich sind nach wie vor allein zu Hause, die Einhornbändigerin verweilt noch bei der Oma in Bayern. Am Samstag haben wir in den Keller ausgemistet, und wir haben einen riesigen Keller. Verpackungsmüll, alte Klamotten, noch ältere Unterlagen und Spielzeug, zich Küchensachen, alles musste weichen. 37680748_1773852859376070_5561678573225377792_n

An die Herzstücke des Helden bin ich nicht dran gegangen, auch wenn ich sie vermutlich nie anfassen werde. Der Schrank mit den Motorradsachen und unseren Helmen blieb verschlossen, Sämtliche STar Wars Dinge und tausende von Büchern bleiben selbstverständlich auch. Den Keller zu entrümpeln hatten Simon und ich uns schon länger vorgenommen. Aber in den letzten vielen Monaten fehlte die Kraft dazu, darum also jetzt.

Zum Glück hatte ich tatkräftige Unterstützung, so dass es wir es tatsächlich geschafft haben fast alles weg zubekommen. Drei Wagenladungen und 8 Stunden später hatten wir es gerockt. 37692600_1773853136042709_6897346740093976576_n

Zur Belohnung gab es dann ein Rieseneis mit Extrastreuseln.

 

Am Sonntag sind der kleine Batman und ich plus einer Freundin samt Tochter in einen Indoorspielplatz gefahren. Das trotz guten Wetters, aber dann sind diese Indoorsachen immer so wunderbar leer. Der kleine Batman hatte keinen guten Tag und fand alles irgendwie doof. Es gibt diese Tage, heute scheint auch einer zu sein. Als wir aber dort angekommen sind, stieg die Stimmung. Das Bällebad und das Airhockey richteten das Problem.

 

Am Sonntagabend habe ich mich in den Garten gesetzt, in einen der zwei Schaukelstühle. Ich wusste dass ich morgen meinen ersten Geburtstag seit knapp 10 Jahren ohne unseren Helden feiern werde. Das war nicht gut, das war nicht richtig, das konnte einfach nicht richtig sein. Es fühlte sich so leer an. Ich sah in den Himmel. Auch wenn ich weiß, dass es Simon nun besser geht und er nicht mehr leiden muss, wir müssen uns erst an diese neue Situation gewöhnen, bzw. zu nächst einmal realisieren.

Später hörte ich Vollbeat „forevvigt“, das ist der Song, zu dem wir vor einem Jahr im Standesamt geheiratet haben.IMG-20170620-WA0039

Am Montag wachte ich auf und es fühlte sich ganz okay an. Simon hing sonst immer eine Girlande auf, mit einer 25 drauf. Ich werde generell nicht älter als 25, und das seit neun Jahren. Dieses Jahr aber hing keine Girlande im Wohnzimmer und es stand auch keine Krone auf dem Tisch. Als ich den Batman geweckt hatte und ihn für die Kita fertig gemacht habe, sind wir losgegangen. Draußen an der Tür hing dann aber eine Girlande an der Tür.

 

Nachdem ich die Kita wieder verlassen habe bin ich zusammen mit einer Freundin einen Kaffee trinken gefahren, ganz nett war es da; mit Blick auf den See. Kuchen hab ich auch bekommen.37741182_1773969576031065_3584675135119949824_n.jpg

Danach war ich Zuhause, allein und hätte mich am liebsten in einem Loch vergraben. Ich habe alle Telefonanrufe und Klingelversuche ignoriert. Ich habe Musik mit Kopfhörern gehört, teilweise laut mitgesungen, teilweise nicht.

Um 14 Uhr wurde die Musik auf meinen Ohren besonders laut. Simon sollte um diese Zeit verbrannt werden, bzw. das was Kunibert von ihm übrig gelassen hat. Vor Allem aber wird Krabbe Kunibert brennen, der Grund dafür dass die letzten Jahre so gewesen sind. Der Grund für die viel zu vielen Klinikaufenthalte und der Grund dafür warum ich auf unseren Mutter Kind Kur Antrag Alleinerziehend und verwitwet ankreuzen musste. Der Grund warum der kleine Batman schon bald seinen Geburtstag ohne Papa feiern wird und die Einhornbändigerin Simon ihr bestes Zeugnis nicht mehr zeigen konnte.

Um 18 Uhr stand D. vor der Tür, mit einer Flasche Orangensaft für Erwachsene. Zusammen mit dem kleinem Batman versuchten  wir das Feuer in der Feuerschale zu entfachen. Das war recht hindernissreich und dadurch tatsächlich recht lustig. Der kleine Batman hüpfte ganz aufgeregt um diese Feuerschale, mit einem stock in der Hand und einem überdimensional großen Marshmallow.

Das Wunder geschah, das Feuer brannte. Zwei Nachbarn plus eine Freundin und später noch eine weitere kamen hinzu. Der Batman „grillte“ Würstchen, Brötchen und Marshmallows. 37757588_1773970466030976_7329437458142068736_n

Alle brachten etwas Kunibertartiges mit. Der kleine Batman zog sich noch schnell das richtige Outfit an um gleich im Anschluß Kunibert zu verbrennen. Das Feuer brannte Lichterloh, die Flammen umzingelten dieses Krabbentier und verwandelten es in Staub. Nichts von diesem Monster sollte übrig bleiben. Gar nichts. Das Feuer wurde riesig und wirbelte in alle Richtungen. Auf Nimmer wiedersehen Kunibert, Du Drecksding.37762235_1773970052697684_6135117240510447616_n

Ich habe vor der Feuerschale gesessen und wurde wehmütig. Ich dachte an die letzten 6 Jahre, fragte mich ob ich alles richtig gemacht hatte und dachte kurz, dass diese Jahre verschenkt gewesen sind.37705092_1773851206042902_4079272307523059712_n Auf der anderen Seite war gerade das letzte Jahr, unser Jahr. Wir konnten heiraten, waren im Urlaub und sogar im Disneyland. Wir  haben Geocashing für uns entdeckt und feierten unser Leben. Keines der Jahre, seit dem ich geboren wurde war so lebenswert und grandios wie das letzte. Ich bin froh und unendlich dankbar, dass wir das so erleben durften. Unser Held konnte noch so viel erleben, unsere Kinder konnten Erinnerungen sammeln, die Ihnen dank vieler Fotos keiner mehr nehmen kann. 37833258_1773970116031011_8014983095499358208_n

Kunibert hat gebrannt, hell und grell. Nichts von diesen Zellen ist übrig geblieben. Niemals mehr soll dieses Krabbentier in unser Haus einziehen.37827010_1773969839364372_7524437370041532416_n

Wir vermissen unseren Helden, sehr. Ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen, dass es jemals wieder anders wird. Ich weiß nicht, wann und ob mein Hirn wieder funktionieren wird. Manchmal glaube ich, dass Simon es mitgenommen hat und mir stattdessen seins dagelassen hat.37736682_1773970186031004_3923224961564540928_n

Später am Abend kamen noch der Heldenbruder samt Familie dazu. die Kinder standen erneut um das Feuer und freuten sich. Simon hätte diesen Abend vermutlich wieder mit dem Wort „Freakshow“ kommentiert, denn irgendwie war es auch eine.37734065_1773969459364410_3048127599797600256_n

Und trotzdem war es schön, auf eine sehr merkwürdige Art und Weise, aber es war schön. Danke ihr Lieben für diesen Tag und besonders Abend. Der kleine Batman ist um kurz vor 24 Uhr müde ins Bett gefallen und hat tief geschlafen.

Heute darf er zu Hause bleiben. Später schicken wir noch einen Ballon in den Himmel, denn heute ist unser 13. kleiner Hochzeitstag, 13 Monate Wir. Wir wollten die 25 schaffen, also schaffen wir die auch. Du dass wir nun an unterschiedlichen Orten „feiern“ werden.

Ich Denk an Dich mein Held, Rock den Himmel.

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