Mein Päckchen, dein Päckchen, viele Päckchen

Seit einem Monat bin ich nun online. Es kam viel schneller zu Reaktionen, als ich erhofft habe. Die meisten Kommentare und Mails an mich waren sehr aufbauend oder erzählten von anderen Schicksalen. Ich freue mich über jede einzelne Reaktion, auch über die, die mich ersteinmal sprachlos machen.

Ich bekomme auch Mails, in denen ihr mir von Eurem Päckchen erzählt, ihr sagt auch dass ich die Aufmerksamkeit zu sehr auf eine Krankheit beschränke, das dies nicht gerecht sei, da es viele weitere „Monster“ gibt, die krank machen können.

Ich verstehe Euch, wirklich das tue ich. Diese reaktionen kommen via Mail, sollten sie als Kommentar in meinem Blog oder bei Facebook kommen, würde ich sie nicht zensieren.

Aber ich habe auch das Verlangen danach, mich erklären zu wollen.

Es stimmt, ich schreibe hier nur über die Krabben, über den Krebs. Das liegt nicht daran, dass ich mir der Bedeutung anderer Krankheiten nicht bewusst bin. Aber ich bin kein Medizinblog. Krebs begleitet mich schon eine ganze Weile. Mein Opa ist an Lungenkrebs gestorben, mein Vater erkrankte zwei Mal Darmkrebs und gilt jetzt als geheilt. Vor vier Jahren dann die Diagnose bei meinem Mann, mit dem Zusatz der stark reduzierten Lebenserwartung und dem Hinweis „nicht heilbar“.20150404_163714

Ihr seht als, die Krabben und ich; wir kennen uns und ich kenne Sie.

Trotzdem bin ich mir anderer Krabbeltiere bewusst. Ich habe zwei Kinder, Beide bringen ein Extra mit. Integration, Förderstatus und Ähnliches sind ein großes Thema in diesem Haus. Mein Bruder hatte einen Schlaganfall und mein Vater hat nur noch ein Bein; als Spätfolge von Diabetis. Eine meiner besten Freunde habe ich an die Magersucht und Depressionen verloren.

Ihr seht auch, einige andere Krabbeltiere sind mir bekannt. Es sind lange nicht alle; ich weiß.

Aber keines dieser Monster begleitet mich solange wie die Krabben, insbesondere Krabbe Kunibert. Sie wirkt auf mich subjektiv bedrohlicher als alles zu vor, sie ist Existenzzerstörend und wird uns den Papa rauben. Ich kenne Krabbe Kunibert inzwischen ganz gut, ich kenne ihre Behandlungsarten, ihre Folgen und ihre Prognose.p1020982Sie lässt mich manchmal verzweifeln, sie sorgt dafür dass ich überlegen muss, wie wir wichtige Dinge finanzieren können. Kunibert ist gruselig.

Ich schreibe vorrangig über Kunibert, da ich aufmerksam machen will. Nicht nur auf Kunibert, auch auf andere Krabben. Welche Möglichkeiten es gibt zu helfen. Wie wichtig es ist sich bei der DKMS zu .registrieren.

Die Extras meiner Kinder sind nicht schön, aber auch nichts bedrohliches. Sie sind einfach nur ein kleines bischen anders, sie heben sich von der Masse ab. Ich liebe sie, sie sind wundervoll, genau so wie sie sind. Nicht ihr Extra ist bedrohlich, es ist die Tatsache, dass der Papaheld ihnen weggenommen wird. Wir suchen einen Stammzellenspender, viele Andere auch. Bisher gibt es diesen nicht. Das ist bedrohlich.

Meine Freundin, meine Familie…es war nicht schön, aber es ist vorbei, daran kann ich nichts mehr ändern. Das mag sich wahnsinnig hart und gefühlskalt anhören. So ist es aber gar nicht gemeint, aber es treibt Niemanden nach vorn, wenn der Blick immer nach hinten gerichtet ist.20151223_144440 Bei Krabbe Kunibert ist das anders. Ich kann etwas tun. Ich kann versuchen mehr Menschen zu motivieren zu Unterstützerhelden zu werden, bei der DKMS, bei Vereinen, bei Aktionen…Ich bilde mir zumindest ein, etwas tun zu können.

#Ohne Papa geht es nicht

Ich möchte kämpfen, kämpfen dafür meinen Kindern ihren Papa etwas länger zulassen, Zeit mit ihm verbringen zu können.

Daher gibt es hier bisher nur Krabbe Kunibert, weil ich zu ihm den meisten Bezug habem.

Es tut mir Leid, falls es den Eindruck erweckt hat, dass mir andere Krankheiten nicht bewusst sind, oder ich sie in ihrer Gewalt minimiere. Auch möchte ich nicht, dass Ihr denkt, das „Päckchen“ unabhänig von Krankheiten weniger dramatisch sind.

Wie ich schonmal geschrieben habe trägt jeder sein Päckchen mit sich herrum. Der Umgang damit hat werder was mit Stärke noch mit Bemitleidenswert zu tun. Reselienz; jeder ist anders in der Lage mit Stress umzugehen. Und das meine ich völlig Wertfrei.

Schreibt mir weiter Eure Meinungen. Falls ihr auf euer Päckchen aufmerksam machen wollt, geht nach draußen, werdet öffentlich und sorgt damit für Aufklärung und dafür dass Päckchen, wie das Eure nicht vergessen werden. Schreibt einen Blog, oder gerne auch einen Post für meinen. Mach Aufmerksam auf das, was ihr zu tragen habt. Vieleicht wird es dann ein kleines bisschen leichter.

 

2 Gedanken zu „Mein Päckchen, dein Päckchen, viele Päckchen

  1. Hi, ich habe den Text gelesen und bin doch etwas erstaunt das du dich rechtfertigen musst. Ich verstehe das nicht wirklich, du machst auf das Thema aufmerksam weil es dich bzw.euch betrifft. Nur weil du über Krebs schreibst heißt das ja nicht das es nicht auch andere bedrohliche Krankheiten gibt aber du kannst doch nicht auf alle Aufmerksam machen.
    Und ja du bewirkst etwas, ich und mein Mann haben uns bei der DKMS registrieren lassen. Denkanstoß waren deine Worte, vor allem der Satz:“ und wenn es nur längere Zeit ist die man schenken kann.“ Ich hoffe wirklich helfen zu können. Außerdem wurde ich erst durch deinen Artikel aufgeklärt dass das alles gar nicht so kompliziert ist wie ich dachte. Ich danke Dir und möchte dir einfach sagen das du das toll machst und dich überhaupt nicht rechtfertigen musst.
    Lg Jeanette

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