Zeilen An Dich

„Hallo liebes, erstes Leben,

Ich weiß nicht warum, aber heute vermisse ich Dich besonders. Vielleicht liegt es an dem reginerischen, dauernebligen Wetter da draußen und der fehlenden Sonne. Denn weißt Du, etwas Sonne wäre jetzt ganu prima.

Heute ist einer der Tage, der keinen Mut zulässt, auch keinen Willen sich der Krabbe in den Weg zu stellen. Heute ist einer der Tage, an denen es mir schwer fällt aufzustehen und dem Leben 2.0  entgegenzutreten.

Ich weiß du hast Dir nicht ausgesucht uns verlassen zu müssen. Vermisst Du uns auch manchmal ein wenig?

Ich fühle mich heute überfordert, die Welt rast an mir vorbei und ich scheine nicht hinter her zu kommen, so sehr ich es auch versuche. Mir ist kalt, auch wenn die Heizung an ist, ich friere so. Ich vermisse die Wärme heute besonders, die du uns gegeben hast. Ich vermisse den Helden, so wie er zu deiner Zeit gewesen ist.cancer-389921_1280

Du bist nun schon fast 4,5 Jahre verschwunden und ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, dass du wieder zurückkommen magst. Auch wenn es nur kurz für einen Besuch ist.

Dein Nachfolger, das Leben 2.0 ist kein Biest, wirklich nicht. Es stellt uns nur vor völlig neue Aufgaben und Herrausforderungen. Es ist mir immer noch so unbekannt. Manchmal habe ich das Gefühl deinem Nachfolger nicht immer gewachsen zu sein. Heute ist einer dieser Momente. Ich fühle keine trauer oder Verzweiflung, ich fühle mich einfach nur zu langsam. Es scheint so viel zu sein und ich komme einfach nicht hinterher.

Dann aber gibt es auch Tage, an denen ich Schritt halten kann und manchmal bin ich sogar eine Nasenspitze vorraus. Ich fühle mich dem, was geschieht gewachsen, blicke nach vorn und denke „jetzt erst recht“.

Liebes, altes Leben, Herrausfoprderungen sind etwas großartiges, sie geben mir die Chance zu wachsen, über meinen Tellerrand zu sehen und meine bisherige Planung zu hinterfragen. Aber neue Herrausforderungen zeigen mir auch meine eigenen Grenzen auf. Oft schaffe ich es darüber hinaus zu gehen, aber an Tagen wie dem Heutigen, wachse ich nicht, ich schrumpfe.

Ich vermisse dich so sehr, geliebtes altes Leben. Ich vermisse die Ziele, die ich mir zusammen mit Dir aufbauen wollte. Ich vermisse die Sicherheit, die ich oft mit Dir hatte. Ich vermisse es, dass du mir gezeigt hast, wie stark ich sein kann und vor allem vermisse ich deine Zuversicht und die Wärme, die es immer gegeben hat.

Vielleicht magst du mich/uns noch einmal besuchen kommen, vielleicht bringst du als Gastgeschenk etwas dieser Gefühle mit. ich würde mich sehr freuen.

Ich scheue mich nicht vor dem Leben 2.0, ich habe nur sehr, sehr großen Respekt davor. etwas Mut, aus der Zeit mit dir würde mir gut tun. Vielleicht überlegst Du es Dir einmal.

Morgen wird bestimmt wieder ein besserer Tag. Aber ich hätte gerne Reserven aus deiner Zeit, auf die ich bei Bedarf zurückgreifen kann.

Liebes, erstes Leben eines habt ihr Beide allerdings gemeinsam. Auch bei Dir gibt es keinen Garant dafür, dass alles immer problemarm verlaufen wäre. Der Verlauf von Euch Beiden ist unklar.

Ich mag Tage wie den Heutigen nicht. Sie zeigen  Seiten an mir, die ich nicht leiden kann. Denn ich kann das Gefühl, welches ich habe gar nicht fassen. Und ohne es fassen zu können, kann ich es nicht bearbeiten. Verstehst Du wie ich das meine?

Wie haben wir Zwei das früher immer gelöst, kannst Du Dich noch erinnern? Falls ja, verrate es mir doch, ich habe es nämlich vergessen

Ich hoffe fest darauf, deinem Nachfolger einmal so vertrauen zu können, wie ich dir vertraut habe. Glaubst du dass das möglich sein wird? Du bleibst unvergessen liebes, altes Leben, aber ich verspreche Dir, dem Leben 2.0 auch eine Chance zu geben.“

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Zeilen An Dich

  1. Ach, das hast Du Dir aber schön von der Seele geschrieben. Geht mir manchmal auch so. Hast Du ne Chance, mal ein Wochenende, vielleicht auch nur eine Nacht, mal nur was für Dich zu tun? Ich gönne mir viel zu selten Yoga-Wellness-Wochenenden, das tut soooo gut, mal aufzutanken…fühl Dich mal lieb gedrückt!

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  2. Oh mein Gott, ich sitze hier auf der Arbeit und dein Text hat mich wirklich zum Weinen gebracht, hast du es doch wieder so schön und rührend formuliert. Ich verstehe genau wie du dich fühlst. Ich war selbst Krebspatientin, darf mich heute als gesund bezeichnen. Dennoch wird mich die Krankheit und die Angst einer Neuerkrankung mein Leben lang begleiten. Ich kenne solche Tage, das Gute an ihenen ist, sie gehn vorbei. ❤

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