Das Monster unter dem Bett

Wenn ich genau darüber nachdenke, leben wir recht spießig. Wir bedienen so einige Klischees und könnten nach außen recht konservativ wirken. Denn was hinter den Kulissen geschieht, sieht kaum Jemand.

Wir haben zwei Kinder,zwei Hunde und wohnen am Rand der Großstadt. Um uns herrum gibt es sehr viel grün, viel Feld, für Berliner Verhältnisse wenig Verkehr. schlafen tun wir in der angemieteten Doppelhaushälfte, jedes der Kinder hat ein Zimmer und wir Alle einen Garten. Glücklicher Weise sind die Mietpreise hier deutlich geringer als in der Innenstadt.

Im echten Leben ist der Held der Besserverdiener, er hat längere Arbeitszeiten und bessere Aufstiegschancen. Ich denke, er sieht sich gern in der Rolle des Versorgers. Sagen tut er es nicht, aber hin und wieder höre ich es zwischen seinen Zeilen.

Aber auch sonst ist der Held der Hüter und Beschützer der Familie. Er baut, schiebt Möbel und trägt schwere Dinge durch das Haus, wenn einer von uns anderen Veränderungen brauchen. Er fährt das Familienauto, ich habe nämlich keinen Führerschein.

Der Held vertreibt auch Nachts um drei die Monster unter den Kinderbetten, vertreibt Motten aus dem Zimmer der Einhornbändigerin und fängt summsende Mücken aus dem Reich vom kleinem Batman, da er sonst nicht schlafen kann.DSCF3234

Kein anderer kann so grandiose Dinge aus Lego bauen. Niemand verleiht den Barbies und Elfen eine wundervollere Stimme.

Er kocht, wenn ich nicht da bin. Meistens essen es die Kinder nicht, aber er versucht es jedes Mal ganz tapfer erneut.

Ohne Ihn würde hier kein Bilderrahmen an der Wand hängen oder ein Loch gebohrt werden. Ich suche mehrmals täglich irgendwas, er weiß immer, wirklich immer wo es ist.

Er sagt, er mag die Hunde nicht, aber die Kiste mit den Leckerlies ist ständig leer.

Der Held möchte gern das Klischee eines „echten Mannes“ bedienen. Stark, Tapfer und mutig sein. Nichts kann ihn erschüttern. Manchmal denke ich, dass er nicht nur das Bedürfnis hat seine schützende Hand über die Kinder zu legen, sondern auch über mich.

Wir reden nicht häufig über Geld, wir haben insgesamt Drei Konten. Ein gemeinsames und dann jeder seins. Der held ist sehr Freiheitsliebend, beschützen möchte er dennoch. Ich weiß inzwischen, dass er mit seinen Heldeneltern gesprochen hat, ob sie mich im worst Case, beim Sieg der Krabbe Kunibert, finanziell eine Zeit lang unterstützen können. Damit soll gesichert sein, dass die Kinder und nicht sofort aus diesem Haus ausziehen müssen, sondern zwei-drei Monate Zeit haben. Auch scheint er interfamilär besprochen zu haben, wer sich um die Kinder kümmert wenn er nicht mehr da ist und mir etwas passieren wird.

Die Gedanken gruseln mich, Aber er möchte alles versorgt wissen. Er ist ein Mann, dem finanzielle Absicherung, ein gewisser Status und Kraft sehr wichtig gewesen sind. Er würde aller Monster dieser welt vertreiben, damit es den Kindern gut geht.

Und nun ist es so, dass das Monster Kunibert heißt, im Helden wohnt und nicht mehr ausziehen wird. Der Held kämpft sehr damit, hofft das beste und kalkuliert mit dem Schlimmsten. Er weiß, dass er irgendwann gehen wird, er weiß dass er uns zurücklassen wird und er weiß auch, dass er Uns vor dem, was dann kommt nicht mehr schützen kann.

Aber, was dem Helden nicht bewusst ist, wir sind auch mutig. Mutig genug um den Monstern unter den Betten entgegenzutreten. Meine Kinder haben letzten Sommer bereits die ersten Mücken allein gefangen. Wir werden in eine kleinere Wohnung ziehen, mit einem tollen grünem Hof und Spielplatz vor der Tür. Lego bauen werde ich lernen und Barbies stimme bekomme ich auch hin.

Aber noch müssen wir Alle etwas üben. Der Held daran seine Aufgaben abzugeben und wir Anderen daran, diese zu übernehmen. Es wird funktionieren, ganz bestimmt. Aber bitte lieber Kunibert, noch sind wir nicht soweit.20130615_164400

Der Held, der eigentlich alle Monster bekämpfen will, kämpft nun gegen etwas ganz Großes. Der unsichtbarer Gegner ist nicht besiegbar aber es ist möglich ihn müde zu machen. Nur das ist es, woran der Held denken sollte.

Es fällt ihm schwer dieses Beschützer-Männer-Ding abzulegen und an mich weiter zureichen. Er hängt sehr an Klischees, an Rollenbildern. Kunibert hindert ihn daran, der Jenige zu sein, der er gern sein möchte.

Zum Thema Rollenbilder hat unser Held allerdings den besten Lehrer. Unser Sohn, der am liebsten elsa heißen möchte ist heute voller stolz im Kleidchen mit uns zu Ikea gefahren. Der Held findet das nicht seltsam, schließlich ist es der kleine Batman.

Aber bei sich selbst, fällt das Umdenken schwer.

Lieber Held, wir alle sind stark, mutig und tapfer. Wir vertreiben alle Monster unter deinem Bett, wir verjagen jede einzelnde Mücke in deiner Nähe, Mama wird Löcher in die wand bohren und ein regal aufbauen. Bitte mach dir keine Sorgen, du musst uns nicht beschützen. Beschütze im Moment nur Dich, verteidige dich gegen Kunibert. Werde wieder kräftiger, schicke die Krabbe schlafen. Dann versorechen wir dir auch, dass wir dir ein paar Monster übrig lassen, die du in einigen Monaten für uns vertreiben musst.

Lieber Held, bleib bei uns, solange wie Du Kraft dazu hast. Geht dir irgendwann die Puste aus, mach dir keine Sorgen, bisdahin haben wir alles von dir gelernt. Mach dir keine sorgen, uns wird es gut gehen. Bitte unterschätze uns Nicht.IMG_20130516_114518

Du bist immernoch ein Held, du kämpfst nicht mehr gegen die Monster unter dem Bett und kämpfst darum das Monster in Dir Müde zu machen. Dank Dir und deiner Geschichte gibt es neue Typisierungen bei der DKMS, du rettest nicht nur die Kinder vor Alpträumen sondern vielleicht anderen Menschen das Leben. wir haben nie mehr zu dir nach oben geschaut, du gehst so tapfer durch alle Behandlungen. Gib nicht auf.  Ein größeres Monster stand dir noch nie gegenüber, es ist okay wenn Dich das müde macht.

„Echte Männer“ sind immer stark und immer mutig. Und genau das ist unser Held, mehr als je zuvor.

Lasst unseren Helden noch etwas länger heldenhaft sein, lasst euch typisieren, spendet. Alles zählt. Jeder kann helfen.Uns. Und vielen, vielen Anderen.

#OhnePapaGehtEsNicht

 

 

Ein Gedanke zu „Das Monster unter dem Bett

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