Abschied nehmen

Unser Wochenende war diesmal sehr durchwachsen, zum einen lag es an dem nass-kaltem Wetter, zum Anderen an der Tatsache, dass es unser gemeinsames Wochenende für die nächste Zeit gewesen sein wird.

Am Freitag ist der Held mit einem Freund unterwegs gewesen und erst spät nach Hause gekommen. Ein Männerabend. An den Freund; ich danke dir, der Held wirkte Samstagvormittag wesentlich freudiger. Die Auszeit, das Ablenken tat ihm  gut.P1090696

Am Samstag bin ich mit meiner Mama im Shoppingcenter meines Vertrauens unterwegs gewesen. Ein Dank auch an Dich, die Einhornbändigerin hat neue Schuhe, der Batman ebenfalls. Ein Paar Klamotten gab es auch on top. Vielen, vielen Dank.

Trotz des Wetters, durfte das draußen Spielen nicht fehlen. Wir wohnen perfekt, um auch aus kleinen Ausflügen etwas tolles machen zu können.P1100573

Am Abend ist die Einhornbändigerin zu ihrer Freundin gegangen und hat auch dort übernachtet. Ein Dank auch an Dich liebe Mama von der Freundin. Als der Batman ins Bett gegangen ist, wollten wir uns eigentlich einen schönen Abend machen. Aber es gelang nicht so recht, zich Dinge im Kopf, Angst in den Gliedern. Es fühlt sich komisch an und noch so unwahr. Wir waren mehr beschäftigt mit uns selbst als miteinander.P1100571

Am späten Vormittag des heutigen Tages kam die Einhornbändigerin zurück, sie hatte sich mit ihrer Freundin gestritten. Sie sind nun keine Freunde mehr und das Tochterkind möchte nun ´nie wieder mit ihr spielen. 20 Minuten später sind sie zusammen Inlineskates gefahren…

Der kleine Batman spielte ebenfalls mit seinen Freunden und versuchte währenddessen seine Müdigkeit zu verleugnen. Auch heute endete seine Nacht um 5 Uhr, ich habe bestimmt 7 Tassen Kaffee getrunken.

Nebenbei haben wir angefangen Klamotten, Gummistiefel und Co für den Batman heraus zu suchen, denn für ihn geht es am Mittwoch auf Gruppenfahrt mit der Kitagruppe. Zwei Nächte wird er weg sein, aber mitnehmen wird er seinen halben Kleiderschrank. Schließlich muss er doch für alles vorbereitet sein. Der kleine Batman ist wahnsinnig aufgeregt und ich hoffe, dass alles gut gehen wird. Es wird seine Premiere.

Eigentlich hatten der Held und ich vor, diese Tage für uns zu nutzen. Denn die große Schwester wird zeitgleich bei Papa 1 sein und somit wären wir zwei Abende Kinderlos gewesen. Kino, Theater und ähnliches war der Plan. Nun haben wir umgeplant, der Held gibt Krabbe Kunibert seine Kampfansagé und geht zur Hochdosischemo in die Klinik. Ich bin allein zuhause, pendel zwischen Job, Klinik und Zuhause. Immerhin hab ich so die Möglichkeit den Helden zu besuchen. Kinderlos únd zusammen sind wir dann auch, nur der Ort ist ein anderer als gedacht. Vielleicht trinken wir einen leckeren Klinikkaffee zusammen, das ist doch auch was.romance-2004799_1280

Bis zur Kitafahrt  müssen noch alle  Sachen vom Batman beschriftet werden, wirklich alle. Der kleine Bruder wollte bereits einen Namensaufkleber auf die Bulldogge kleben, der Hund soll nämlich auch mit, und die Schwester, und sein Bett und alles Andere eigentlich auch.P1100645.jpg

Dem Held geht es Heute nicht gut. In ihm wächst die Angst vor den nächsten Wochen. Die Tatsache, dass wir wissen, was da auf uns zu kommt macht es nicht besser. Ich habe vorhin sogar einige Tränchen gesehen. Er leidet. Er hat Angst und sagt, dass er uns vermissen wird. Mir fällt es schwer unseren Helden so zu sehen, ich versuche es so gut es geht „abzufedern“, gelingen tut das nicht immer.P1100258

Wir haben heute mit den Kindern gesprochen. Der Papa muss am Mittwoch für längere Zeit ins Krankenhaus, damit die Ärzte sein kaputtes Blut etwas reparieren können. Der Held wird nicht da sein wenn der kleine Batman von der Gruppenfahrt wieder kommt, auch nicht wenn der Osterhase uns besucht und vermutlich auch noch nicht wenn die Einhornbändigerin Geburtstag hat. Beide Kinder haben Krankenhauserfahrung und fingen an dem Papa viel Glück zu wünschen, dass das Essen besser sein wird als damals bei Ihnen. Die Einhornbändigerin warnte ihn besonders vor dem Kartoffelbrei, der Batman vor dem grünen Wackelpudding. Sie waren sich einig, Essen im Krankenhaus ist mies.

Wir haben ihnen auch erzählt dass es passieren kann, das ihre Freunde sie auf Papa ansprechen. Bald werden Bilder vom Helden, unabhängig von diesem Blog, im Internet  zu sehen sein.  Im Zuge der Vorbereitung auf die DKMS Typisierungsaktion wird es Werbung geben, Werbung auch mit Fotos.Weiterhin sind Flyer geplant, die auf die geplante Typisierungsaktion hinweisen sollen. Mögliche Reaktionen gegenüber den Kindern können wir nicht ausschließen. Wir wollen, dass sie vorbereitet sind.

Ich habe den Kindern gesagt, dass Papa bald etwas neues Blut von einem anderen Menschen braucht, damit sein Blut wieder „gesúnd“ werden kann. Diesen Menschen müssen wir suchen.

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Das Gespräch war weniger beklemmend als ich befürchtet habe. Die Einhornbändigerin und auch der Batman meinten, dass der Papa schonmal im Krankenhaus gewesen ist, sie das kennen und solange ich dabin kann nichts passieren. Außerdem können wir dann Dinge machen, die Papa nicht so gerne sieht. Zum Beispiel Abendbrot am Sofatisch.

Wenn die Einhornbändigerin von anderen Kindern in ihrer Schule angesprochen wird, weiß sie nun was sie sagen kann. Krabbe Kunibert heißt Krebs, Papa braucht anderes Blut zum gesund werden. Dass das multiple Myelom nicht heilbar ist, wissen die Kinder nicht. Das es viele Risiken während der Behandlung gibt, wissen sie auch nicht. Sie kennen Chemozwerge, die dem Papa helfen, Sie wissen dass die Zwerge ihn müde machen, dass die Haare verschwinden und er etwas anders aussehen wird (Aufschwemmungen im Gesicht durch das Kortison z.B). Ich denke, dass das genug Informationen für kleine Menschén sind.

Wir witzelten noch etwas über das Foto, welches ihr auch noch sehen werdet. Wir lächelten darüber, wie witzig und glücklich wir darauf aussehen.

Der Batman beendete das Gespräch mit den Worten „kann ich jetzt Fernsehn?“ Ich mag seine pragmatische Sicht der Dinge.P1100658.jpg

Am späten Nachmittag sind wir mit den Heldeneltern, dem Bruder und Schwägerin des Helden samt Kindern Essen gegangen. Denn bevor der gemeine Klinik Kartoffelbrei und der fiese grüne Wackelpudding kommt, soll noch einmal lecker gegessen werden.

Bis auf die Tatsache, dass sich einige Gäste über unsere Kinder und deren zwei Cousinen beschwert haben war es wirklich schön. Die Kinder waren ihnen zu laut, sie seien unerzogen. Der Bruder vom Helden hat ein Kommentar dazu fallen lassen, welches mich wirklich zum schmunzeln gebracht hat. Da lerne ich tatsächlich noch andere Seiten an ihm kennen. Daher auch ein Danke an Dich lieber Bruder vom Helden.

Die Kinder liegen nun satt und müde im Bett. Es war ein schönes Wochenende. Was uns Samstag Abend nicht gelingen wollte, klappte dafür heute ganz gut. Wir verabschieden uns auf Zeit. Es wird sich nicht schön anfühlen, aber wir wissen, dass alles gut wird. Unser Held ist stark, er schafft diese Behandlung und kommt damit unserem Traum näher. Mehr Zeit als Familie, Urlaub, weiterhin zusammen morgens aufwachen können. #OhnePapaGehtEsNicht20151220_224918

Lieber Held, falls du diese Zeilen lesen solltest; ein besonderes Danke an Dich. Danke, dass du nicht aufgibst, danke dass du nicht den Mut verlierst. Danke, dass du da bist. Wir rocken die nächsten Monate. Zuerst den ersten großen Schritt, im Sommer dann den Zweiten. Wir sind stolz auf Dich.IMG_3726