Rückblick

6Je länger die Vorbereitungen für unsere DKMS Regstrierungsaktion laufen, desto häufiger beschäftige ich mich mit Krabbe Kunibert.

Vorher war das Krabbentier auch immer mal wieder Thema und in unseren Köpfen sowieso vorhanden. Aber ich habe nicht mehrfach täglich unsere Geschichte erzählt, E-Mails zu Kunibert geschrieben und andere Menschen gebeten uns zu helfen dieses Tier müde zu machen.

Seit Dezember 2016 bin ich mehr mit Kunibert konfrontiert als je zuvor, die letzten drei Wochen steigerten dies noch einmal. Zum Teil verdränge ich dies und rede mir ein, dass ich unser nächstes Kitafest plane. Wenn ich unsere Geschichte erzähle, ist es mittlerweile so, dass ich mit hin und wieder vorstelle, ich rede von Anderen.

Aber es gibt genug Momente, in denen mir deutlich bewusst wird, dass es um unseren Helden geht, wir kein Kitafest planen und alles ganz real ist.

Teile unserer Geschichte sind und bleiben kaum aushaltbar. Andere Bruchstücke werden erträglicher und mit manchen schließe ich Frieden.

Unsere Lebensplanung hat sich komplett verändert, der Wunsch nach einem dritten Kind ist nicht vertretbar, wir leben anders als die Durchschnittsfamilie. Und all das ist okay so wie es ist. Wir machen viele Abstriche, aber gewinnen auch wirklich viel.

Wir lernen Menschen kennen, die uns sonst vermutlich nie begegnet wären, wir lernen das zu schätzen was wir haben, wir lernen dass unsere Grenzen deutlich höher liegen, als wir es erahnt haben. Trotz Kunibert sind wir flexibler geworden und weniger „festgefahren“IMG-20170326-WA0016

Wir wissen, dass die nächste Monate und auch die Zeit nach der Transplantation unser Leben auf den Kopf stellen wird. Aber seit 2012 lernen wir mit Veränderungen umzugehen. Wir blenden Kunibert nicht aus, machen ihn aber auch nicht mächtiger als er ist. Wir ziehen Zukunftspläne weiter nach vorn, weil ungewiss ist, wielange unsere Zukunft ist.  Das ist der Punkt , der Angst macht. Es ist nicht in die Ungewissheit, sondern der Gedanke daran, dass ein Verfahren, welches zur Heilung des multiplen Myeloms führen kann erst zu spät entdeckt wird.

Es macht mir wirklich Angst, aber es lähmt mich nicht. Wenn es das tun würde, wäre ich vermutlich nicht in der Lage morgens aufzustehen. Ich verdränge diesen Gedanken auch nicht, sondern versuche damit leben zu lernen.

Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose haben wir die Prognose verdrängt. Das Ergebnis war der harte Schlag, als Kunibert zurückkehrte. In diesem Gefühlschaos möchte ich nicht erneut landen.

Dieses häufige thematisieren hilft auch ein wenig, weil ich so auch begreife wie wahr das alles ist. Ich hab mir unser Leben anders vorgestellt, aber unser jetziges ist auch alles andere als bemitleidenswert, es ist nur anders und manchmal etwas schwieriger.

Wir lernen nicht nur mit Kunibert zu leben, wir lernen auch dass es viele andere tolle Dinge gibt, unabhängig von der Krabbe.

Aktuelles Ziel ist unsere Hochzeit noch vor der Stammzelltransplantation. Wir wissen nicht, wie es dem Helden während und nach der Transplantation gesundheitlich gehen wird. Daher lieber gleich, wozu länger warten. Jetzt muss uns nur noch das Standesamt einen Termin ermöglichen, ich bin gespannt. p1010870

Rückblickend betrachtet waren die letzten Monate sehr anstrengend, für unseren Helden mehr als für uns. Die Monate waren zerrend und manchmal haben sie uns fast verzweifeln lassen. Aber wir merken, dass sich der Erdball weiterdreht und ein Versinken im Selbstmitleid Niemandem hilft. Im Dezember kam die Gewissheit, dass Kunibert zurück ist, im Dezember haben wir beschlossen uns diesem Tier in den Weg zu stellen.

Simon hat Krebs, aber der Krebs hat nicht ihn!

Ohne Papa geht es nicht!

3 Gedanken zu „Rückblick

  1. Ich weiß das das für euch nicht von Bedeutung ist, aber eure Situation lehrt mich soviel neues im Leben! Wichtigkeit und Unwichtigkeit definiere ich in letzter Zeit oft anders als gewohnt. Ich wünsche euch das ihr bald einen Termin für eure Hochzeit bekommt. Und ich wünsche euch trotzallem ein Fest das ihr nicht vergeßt.
    Und als allererstes wünsch ich euch ein schönes Osterfest mit hoffentlich vielen gemeinsamen Momenten!

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