Pflege Dich selbst, oder auch…Sei Achtsam und Wertschätze

Die letzten Jahre haben mir viel abverlangt auch wenn ich „nur“ die Angehörige eines Krebspatienten bin. Mir ist natürlich bewusst, dass unser Held die größeren Probleme hat, aber spurlos an mir vergingen die ganzen letzten Jahre auch nicht vorbei.
Neben dem Versuch den Alltag aufrecht zu erhalten und die Kinder aufzufangen sind viele soziale Kontakte den Bach runter gegangen. Es ist schon fazinierend, was von Außen für Erwartungen auf einen einprasseln und gleichzeitig kaum Jemand Verständnis für weniger Flexibilität hat.
Wie auch immer…während der letzten Jahre begleiten mich ehrlich gesagt vier Hauptängste.
1. Der Held wacht morgens nicht mehr auf
2. Die Kinder schaffen es nicht diese Situation zu bewältigen
3. Mein Leben, mein Ich, das was ich bin verschwindet
4. Ich werde selbst krank.20031883_873754829445149_7885805840283517203_n
Angst Nummer Eins habe ich mittlerweile gut im Griff, so denke ich. Es gibt Tage, da ist sie mehr da und Tage da ist es gut aus haltbar. Wie es den Kindern ergehen wird, ob sie mit genügend Resilienz ausgestattet sind um den worst case zu bewältigen? Ich hoffe es, bisher klappt es ganz gut. Die Zeiten, in denen unser Held nicht bei uns sein konnte waren nicht schön für die Zwei Heldenkinder, aber erträglich. Sie verzweifeln nicht oder verlieren den Boden unter den Füßen
Was mein Leben betrifft, daran nage ich tatsächlich etwas, zeitweise ziemlich doll sogar. Ich weiß zu schätzen was ich habe, ich bin dankbar für Vieles aber ich vermisse „Mich“ manchmal. Aber genau an diesem Punkt arbeite ich gerade. Ich versuche mir Stück für Stück wieder etwas zurück zu holen. Teilweise mag das egoistisch wirken, aber ich denke, dass es ein guter Weg für mich ist.
Die Angst selbst krank zu werden ist allgegenwärtig. Dabei unterscheide ich nicht zwischen physischen oder psychischen Krankheiten. Manchmal ist es nur die Angst vor Überforderung, oder es ist Angst vor der Angst selbst. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlen wird, wenn Kunibert so mächtig wird und wir dem Ende entgegenlaufen. Ich weiß nicht ob ich dem gewachsen bin.
Und ich habe Angst selbst körperlich zu erkranken. Nicht weil ich Angst um mich habe. Ich kann es mir einfach nicht leisten selbst zu erkranken. Simon ist unheilbar an Krebs erkrankt, dies hat eine stark eingeschränkte Lebenserwartung zur Folge. Er wird immer wieder im Krankenhaus sein müssen. Die Tatsache, dass es mit der Stammzelltransplantation nicht geklappt hat, macht es nicht besser.IMG-20170816-WA0008
Wenn ich ebenfalls etwas hätte, was machen unsere Kinder dann? Wer ist für sie da, wenn sie traurig sind? Wer hört sich ihren schönsten Geschichten von Superhelden und Einhörnern an. Wer geht zu Schulfesten, nimmt sie in den Arm oder lacht mit Ihnen?
Natürlich macht es Sinn (bei jedem von Euch) sich mit der FRae zu beschäftigen zu wem die KInder gehen sollen, wenn den Eltern etwas passiert. Bei uns ist es nur so, dass ich in dem Bewusstsein lebe irgendwann alleinerziehend zu sein. Ohne mich wird es schwerer. Ich darf nicht krank werden!
Ich weiß wovon ich rede. 2007 wurden mir 5 Darmpolypen entfernt. 3waren ohne Befund, 2 weitere jedoch waren riesig und trugen bösartige Zellen in sich. Die Dinger konnten restlos entfernt werden. Der PEG Scan bestätigte die Hoffnung, dass nichts gestreut hat bzw. es keine weiteren Herde gibt.
Nach einer kurzen Ausnahmesituation war alles wieder auf Alltag gestimmt und bisher ist es auch so geblieben.
Niemand von uns weiß was morgen passieren wird, ich auch nicht. Aber krank werden, das darf ich nicht.
Aber manchmal ist es auch so, dass einem Ängste auch einen anderen Weg aufzeigen können, manchmal vielleicht auch einen besseren. Wir leben trotz unserer Situation recht ungesund und nicht besonders sportlich.
Um mich besser zu fühlen, um etwas gegen das Monster Angst unternehmen zu können wollte ich etwas dafür tun. Ich kann nichts gegen das Schicksal machen, aber ich kann versuchen zumindest gesünder zu leben. Denn so kann ich das Risiko gewisser Dinge einfach vermindern. (auch wenn ich es nur glaube, es hilft)20170729_185036 - Kopie
In den letzten 3 Wochen habe ich meine Ernährung umgestellt, verzichte auf Industriezucker und allem wo es drin enthalten ist. Ich versuche mich Low Carb und vor allem bewusster zu ernähren. Abgesehen von dem häufigen Heißhunger auf Schokolade klappt es bisher ganz gut. Schokolade ist nämlich leider verboten. Jeder der mich kennt weiß, wie schwer mir das fällt. Ich suche im Moment nach alternativen 
Vor Allem aber bewege ich mich mehr, die Gassitouren mit dem großen Hund sind nun Abends mind. 7-8 Km lang, wenn der kleine Hund mitkommt etwa 3km. Vorgestern war ich zu einer Probestunde bei MRS.Sporty. Das ist kein Fitnessstudio, wie ihr es Euch vorstellt. Es ist eine Art Zirkeltrainig. Die Übungen werden auf mich abgestimmt du durch eine Trainerin überwacht. Heute wurde das erste Mal mein Körper vermessen, inklusive Körperfettbetimmung und Ehrlich…das Erebnis ist besser als ich dachte…In 6 Wochen dann erneut, ich bin gespannt. Ich versuche so oft es geht dorthin zu gehen.
An den anderen Tage gehe ich joggen, naja ich versuche es. Gestern brauchte ich für 4km etwa 36 Minuten, es ist also noch ausbaufähig. Joggen und lange Gassitouren passieren für gewöhnlich in der Zeit wenn die Kinder bereits im Bett sind.
Ich fühle mich besser. Befreiter irgendwie und ich habe das Gefühl etwas für mich zu tun und ganz nebenbei etwas gegen die Angst in meinem Kopf, die Angst selbst zu erkranken zu unternehmen.Ines_Simon_snapshot2go_295
Diese Angst bestimmt mich nicht, sie steuert mein Leben nicht und ich will dass es so bleibt. Nur ich kann etwas gegen komische Gefühle tun, Niemand sonst. Ich möchte selbstbestimmt sein und mich fitter fühlen.
Ich glaube, dass ich noch nie so auf meine Ernährung geachtet habe. In Masse esse ich mehr als zuvor, nur andere Dinge. Die Bewegung tut mir wirklich gut, ich merke dass ich mental fitter und freier bin. Ich kann besser atmen und genießen.
Und das Beste…Den Helden habe ich schon fast etwas angesteckt. Er isst das Essen mit, allerdings mit seinen eigenen Beilagen und er geht ebenfalls joggen. Nicht schnell, nicht weit aber er tut es. In Anbetracht der Tatsache, wie es ihm noch vor einigen Monaten gin ist dies eine enorme Leistung.
Bewegung hält den Körper fit. In einem fitten Körper lebt doch auch der fitte Geist, oder?.P1100707
Es mag sein, dass es nur eine vorrübergehende Phase ist, aber im Moment fühle ich mich ganz gut dabei. Ich liefere mich meinen Ängsten nicht aus, ich habe für mich einen Weg gefunden mit ihnen umgehen zu können. Und gerade klappt das ganz gut.
Aber meine Schoki….die fehlt mir dann doch. Habt ihr Ideen für Alternativen? Ich bin für alle Ideen offen

4 Gedanken zu „Pflege Dich selbst, oder auch…Sei Achtsam und Wertschätze

  1. Tipp: esse einfach Schokolade mit mehr als 73% Kakao-Anteil. Davon isst Du automatisch weniger und der Heisshunger bleibt aus. Ist ausserdem gesund. Nachdem ich Krebs bekomme habe, habe ich u.a. meine Ernährung komplett umgestellt. Krebs ernährt sich von Zucker (nicht nur von raffiniertem Zucker, auch Rohrohrzucker etc) – also vermeiden.

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  2. Ich versuche auch den raffinierten Zucker zu vermeiden, ohne Rohrzucker schaffe ich nicht. Was mir ein bisschen geholfen hat Trockenfrüchte, allen voran Rosinen, Nüsse und Dosenpfirsische. Alles Gute und schönes Wochenende!

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  3. Auf dich und die Kinder auch ein besonderes Augenmerk zu legen, ist nur mehr als notwendig. Bei uns (mein Mann hat auch ein MM) hat es letztes Jahr unserer Tochter den Boden unter den Füssen weggezogen. Als mein Mann erkrankte, war sie auch erst sieben und selbst schon seit 4 Jahren an Rheuma erkrankt. Sie musste ein Medikament nehmen, das auch in der Chemotherapie eingesetzt wird, zwar niedriger dosiert, aber mit den gleichen Nebenwirkungen. Nun wurde ihr genau in der Zeit bewusst, wie beschissen es ihr mit den Medikamenten und ihrer Erkrankung geht, aber sie konnte es uns nicht sagen, wahrscheinlich um uns zu schützen.Meinem Mann ging es bei Diagnosestellung sehr schlecht (MRSA,Lungenentzündung, künstliches Koma, Multiorganversagen, multiple Wirbeleinbrüche, massive Gewichtsabnahme), das hat sie wohl auch abgehalten. Meinem Mann wurde 2009 noch ein Flyer in die Hand gegeben, mit Angeboten für Kinder krebskranker Eltern (Psycho-Onkologen). DAs wollten wir in Anspruch nehmen, sollten wir Veränderungen bei unserem Kind wahrnehmen. Auch laut der Lehrer war dies nicht der Fall. Im Nachhinein hätten wir aber genau da Hilfe suchen sollen. Denn wie kann es im Kinderleben „normal“ zugehen, wenn der Papa dem Tod viel näher ist, als dem Leben und man selbst auch so beeinträchtigt ist. Nun gibt es das Angebot der Charitˋe leider nicht mehr. Neben nachgewiesenen Lebensmittelunverträglichkeiten, Migräne und immer stärker werdenden Nebenwirkungen der Medikamente (die dann von meinem Kind verweigert wurden) wurde ihr dann vom Gastroenterologen nahe gelegt, sich zu überlegen, eine Therapie in einer psychiatrischen Tagesklinik zu machen, um Bauchweh etc. loszuwerden. Und das hat meine Tochter (damals 13) tatsächlich gemacht, ganz freiwillig. 3 Monate war sie dort, einschließlich der gesamten Sommerferien. Auch ich musste da jede Woche zum Gespräch (eigentlich beide Eltern, aber mein Mann schaffte es nicht). Das waren wirklich schwere Gespräche, aber sie haben mir geholfen, mir nun auch in einer Psychotherapie Hilfe zu suchen. Mittlerweile gehen wir alle drei, jeder zu seinem/ihrem Therapeuten und es tut gut, auch über Dinge sprechen zu können, für die unsere Mitmenschen wahrscheinlich kein Verständnis hätten und meine Ängste/Gedanken nicht bewertet werden. Obwohl ich sagen muss, ich hab da bisher keine schlechten Erfahrungen mit meinen Freunden/Familie gemacht. Ich hab am Anfang gar nicht erst sowas gesagt, aber vor kurzem hab ich mal ganz leicht meine Maske angehoben und nur Verständnis bei meinem Umfeld erlebt. Puh, das ist doch ganz schön lang geworden. Mit meinen heutigen Erfahrungen würde ich nicht bis zum worste case warten, um zu schauen, wie resilient ihr seid.
    Mein Mann ist nach jahrelanger Erhaltungstherapie nun in Remission. Und das, obwohl die Ärzte ihn schon nicht mehr aus dem künstlichen Koma zurück erwarteten. Das war 2009! Gib also nie die Hoffnung auf.

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