Echte Superhelden tragen keinen Umhang; Danke!

Wie ich Euch bereits erzählt hatte, ist aus unserer DKMS Registrierungsaktion im April bereits der erste Spender hervorgegangen. Es war nicht unser Spender, aber das ist in diesem Fall zweitrangig. Es ist der, der bereit gewesen ist Jemanden völlig Fremden, irgendwo auf der Welt einen Teil von sich zu schenken; seine gesunden Stammzellen. Diese kleinen Zellen mit Superkräften ermöglichen einem Patienten eine Chance auf ein gesünderes Leben, eine Chance auf Heilung oder mehr Zeit mit seinen Lieben.

Wie ihr merkt spreche ich von „ihm“ und „er“. Denn inzwischen weiß ich um wen es sich handelt. Der Spender hat sich gegenüber der DKMS bereit erklärt Fotos und ein Interview zu veröffentlichen. Dies dient nicht dazu, dass er von den Massen gefeiert werden möchte, sondern soll zeigen wie „einfach“ es sein kann ein Held zu sein. Eine Stammzellspende ist nicht ohne, dessen bin ich mir bewusst. Dennoch oder gerade deshalb bin ich dankbar für diesen Menschen. Er zeigt sein Gesicht, er macht Solidarität spürbar und zeigt auch uns, dass nicht alles umsonst gewesen ist.

Daher…. darf ich vorstellen; das ist unser persönlicher Superheld Patrick, 30 Jahre alt und wohnt wie wir in der Hauptstadt.Bild2-Privat auf dem Balkon

Er trägt keinen Umhang. ist kein Arzt oder Feuerwehrmann. Er kann nicht ohne Hilfsmittel fliegen oder an Häusern hochklettern. Dennoch lieber Patrick bist du eins, ein mega-super-starker und vor allem mutiger Superheld. Du rettest womöglich ein Leben und das fast ganz nebenbei. Ich danke Dir, dass Du im April den Mut gehabt hast Dich während unserer DKMS Aktion hast registrieren zu lassen. Ich danke Dir auch dafür, dass Du Dich nach dem Anruf der DKMS weiterhin dazu entschieden hast einen Teil deiner Stammzellen zu spenden. Ich danke Dir für deinen Mut, die Mobilisierungsphase anzugehen. Ich danke Dir für deine Kraft es einfach zu tun. Ich danke Dir für dein offensichtlich großes Herz, deine Bereitschaft zu helfen und deine Solidarität.

Lieber Patrick, wir kennen uns nicht. Vielleicht treffen wir uns mal zufällig irgendwo. Ich hoffe, dass Du diese Zeilen lesen wirst, denn ich möchte dass Du weißt das, dass was Du getan hast alles Andere als selbstverständlich ist.

Unser Held hat seinen Spender nicht gefunden, wir versuchen nun das Beste daraus zu machen.20171005_215428 Aber Du schenkst auch uns Hoffnung, indem Du zeigst zu was Menschen bereit sind.

Lieber Patrick, ich schicke Dir virtuell ganz viele Dankeskarten, Umarmungen und gemalte Regenbogen- und Batmanbilder der Heldenkinder.

Patrick war gegenüber der DKMS bereit einige kleine Fragen zu beantworten. Auch ich darf dieses aufgrund einer offiziellen Pressemitteilung veröffentlichen:

Interview mit dem Stammzellspender- Superhelden Patrick Bild3-förmlich

Wann und warum haben Sie sich für die DKMS registrieren lassen?
Sonntag, 23. April 2017,
Ich habe bereits den einen oder anderen Spendenaufruf in den Medien verfolgt, jedoch nicht daran teilnehmen können. Die Aktion „Ohne Papa geht es nicht“ war glücklicherweise in direkter Nachbarschaft – eine ideale Gelegenheit daran teilzunehmen. Hinter jedem Blutkrebspatienten steckt eine traurige Geschichte. Kinder, Eltern, Freunde hoffen auf eine Genesung des Patienten. Ich habe das zum Glück noch nicht in meinem Umfeld erlebt, aber sollte es einmal dazu kommen, wünschte ich mir eine größtmögliche Chance auf eine Stammzelltransplantation. Das geht nur, indem sich Menschen freiwillig dazu bereit erklären.
Was war das für ein Gefühl, als Sie erfahren haben, dass Sie als Spender in Frage kommen?
Beim ersten Anruf war ich natürlich schon sehr überrascht. Bei der Frage des Anrufers, ob ich für eine Spende auch wirklich noch bereit stehen würde, musste ich zunächst kurz überlegen, in mich hören und sagte dann: „Natürlich, sonst hätte ich mich nicht registriert“.
Wurden Sie im Vorfeld der Spende gut beraten und aufgeklärt?
Ja sehr gut – Die DKMS versorgte mich mit allerhand Informationen telefonisch, schriftlich und per E-Mail.
Welches Verfahren wurde bei Ihnen angewandt? Können Sie ein bisschen etwas über den Ablauf von dem 1. Bescheid bis hin zur Transplantation erzählen.
Bei mir kam die Stammzellenentnahme über das Blut zur Anwendung. Das ist wohl auch in 80% aller Entnahmen der Fall. Zunächst nach dem ersten Anruf musste allerdings noch einmal etwas detaillierter analysiert werden, ob genügend genetische Merkmale übereinstimmen und damit auch eine Spende infrage kommt. Das ging unkompliziert beim Hausarzt mit einer weiteren kleinen Blutentnahme. Etwa 4 Wochen später stand dann fest, die Übereinstimmung ist groß. Es folgte ein Termin zur Voruntersuchung in der Entnahmeklinik. Hier musste ich diverse Stationen von Sonografie über EKG und Blutanalyse besuchen – auch ein gutes Gefühl, einmal von Kopf bis Fuß durchgecheckt zu werden. Nach anschließender Bestätigung top-fit zu sein, erhielt ich ein Set mit diversen Spritzen und dem Mobilisationswirkstoff, um möglichst viele Stammzellen vor der Entnahme zu mobilisieren. 5 Tage vor der Entnahme spritzte ich mir die kleinen Nadeln täglich morgens und abends in das Bauchfett. Das ging bei mir recht reibungslos obwohl ich das vorher noch nie gemacht habe. Bei der darauf folgenden Entnahme wurde ich während der 5-stündigen Prozedur sehr freundlich und umfassend betreut (Lieben Gruß an Schwester Petra). Ein Fernseher auf dem Zimmer ließ die Zeit zusätzlich schnell vergehen. Nach der Entnahme hatte ich keine weiteren Beschwerden. Es gab ein leckeres Mittagessen in der Klinik und danach fuhr ich nach Hause.
Waren Sie aufgeregt?
Ein bisschen aber eigentlich nicht besonders. Ich wusste durch die vorherigen Gespräche und Informationen ganz gut, was auf mich zukommt.

Hatten Sie Schmerzen vor, während oder nach der Entnahme?
In den letzten Tagen der Mobilisationsphase habe ich die Auswirkungen der Spritzen schon gespürt. Von Schmerzen würde ich nicht sprechen. Ich bin relativ groß und kann mich daher noch gut an die Wachstumsschübe erinnern – ein Kribbeln und leichtes Drücken in den Knochen – damit würde ich es vergleichen. Hier und da auch mal Kopfschmerzen aber es ließ sich alles aushalten und war 1-2 Tage nach Absetzen der Spritzen auch wieder verschwunden. Während der Entnahme habe ich gar nichts gespürt. Bild1-im Urlaub
Wo hat die Entnahme statt gefunden?
Im Virchow-Klinikum in Berlin. Glücklicherweise wohne ich in Berlin, weshalb meine Anfahrt relativ kurz war.
Wussten Sie, für wen Sie spenden bzw. Geschlecht und Alter?
Nein das wusste ich nicht, das ist bis nach der Spende anonym. Es spielt für mich auch keine Rolle. Wenn ich mit verhältnismäßig geringem Aufwand einem anderen Menschen und seinen Angehörigen eine Chance auf Weiterleben geben kann, dann sind mir Dinge wie Geschlecht, Alter und Herkunft nicht wichtig.
Würden Sie es wieder tun?
Ja, natürlich.
Möchten Sie den Empfänger gern kennen lernen bzw. haben Sie ihn schon kennen gelernt oder Kontakt zu ihm/ihr?
Bisher besteht noch kein Kontakt – die Spende ist ja erst wenige Wochen her. Ich werde mich um einen Kontakt bemühen, auch wenn ich etwas Angst davor habe, evtl. zu erfahren, dass die Spende nicht ausreichend helfen konnte. Das kommt leider auch manchmal vor.
Was möchten Sie den Menschen in Ihrer Region sagen, um Sie zur Registrierung aufzufordern?
Ich würde es jedem empfehlen – schon für sich selbst. Das Gefühl, hier etwas Bewegendes und Gutes getan zu haben, ist ein Gefühl, aus dem man noch lange danach viel positive Energie für sich selbst zehren kann.

Was wünschen Sie dem Aktionspatienten?
Gute Besserung und ein langes Leben!317780_356063121155058_1203215988_n

 

Partywochenende und Influenzaseuche

Bevor ich Euch die nächsten Tage grandiose Neuigkeiten unserer DKMS Aktion schreibe und Euch vom Helden erzähle, ist Heute erstmal unser Wochenende dran.
Der kleine Batman ist im September 5 Jahre alt geworden. Am Samstag feierten wir den Geburtstag mit seinen Freunden nach. Die Einhornbändigerin hatte bereits im April Geburtstag und ist stolze 9 Jahre alt geworden. Aufgrund der Umstände und eines dauerhaften Zeitdefizits hat die große Heldentochter bisher noch nicht mit ihren Freunden feiern können. Dies wurde ebenfalls dieses Wochenende nachgeholt; Sonntag.
Ihr seht, ein Wochenende voll mit Kindergeburtstagspartys. Ich gehöre zu der Sorte Mutter, die es ihren Kindern zwar auch schön machen möchte, aber jedes Jahr froh ist wenn es überstanden zu sein scheint, das Haus noch steht, alle Kinder gesund sind und die Hunde noch leben.882882_427716633989706_1925809424_o
Wir planten, wie eigentlich immer recht kurzfristig. Daher durften die Kinder einige Freunde mehr einladen, da wir davon ausgegangen sind, dass einige absagen…Naja…ihr kennt das, werden Absagen mit einkalkuliert, sagen natürlich fast alle zu. Ein Freund vom kleinem Batman konnte nicht kommen, alle Anderen sind gekommen. Insgesamt waren es dann 9 Freunde plus dem kleinem Batman; Juhu…
Auf Wunsch gab es Feuerwehrmann Sam Muffins und Donuts vom Donutriesen. Für die Erwachsenen (danke an die Helfer!) gab es auch Donuts und Zucker-Mehlfreie Brownies. Zumindest ich fand sie ganz lecker.
Dazu jede Menge Saft. ( Saft ist hier übrigens ein Highlight, den haben wir nur selten im Haus….) Die Kinder passten tatsächlich alle an die Tafel im Wohnzimmer, allerdings mussten wir uns noch eine kleine Stühle ausleihen, danke an dieser Stelle
Apple Jack und Toffee wurden etwas separiert. Mit Hilfe eines Kaminschutzgitters baute unser Held Ihnen einen eigene Ecke. Keine Sorge, sie war groß genug. Eigentlich steht dieses Gitter vor unserem Sofa. Die Hunde wissen zwar, dass sie dort nicht drauf sollen, aber wenn wir weg sind, nunja. Nun wurden sie etwas separiert, da ich mir nicht sicher gewesen bin, ob unsere Bulldogge eventuell zu viel mitfeiern möchte und sich mitten auf den Kindertisch setzt um den Kuchen zu esssen.22555417_1486718014756224_6018846053019615116_o.jpg
Die Kinder trudelten nach und nach ein. Unser Held hatte kurz zuvor einige Fotos als Hinweise für die geplante Schatzsuche im Haus versteckt. (das Wetter draußen war bähhh). Der eigentliche Plan bestand darin, dass die Kinder sich von Hinweis zu Hinweis vorarbeiten um zum Schluss den Schlüssel für die Schatzkiste zu finden. Wiegesagt, es war der Plan… Nachdem alle Kinder aufgegessen hatten, zwängten sie sich in das kleine Zimmer vom Heldensohn, um die Batman und Playmobilsammlung zu bewundern.
Nach wenigen Minuten kam ein strahlender, kleiner Batman, samt Freunden zu uns und zeigte stolz einen Schlüßel. „Kuck mal, ich hab ihn gefunden!“ So war das nicht geplant, der Zufall wollte es aber anders. Wir behaupteten, dass dies der falsche Schlüssel sei, da Piraten auch mal falsche Fährten legen. Es klappte und die Kinder wuselten durch das Haus und suchten Hinweis für Hinweis, bis sie am Ende erneut den Schlüssel, im neuen Versteck gefunden haben. Der Schatz gefiel.
Da die Suche etwas dauerte spielten die Kinder danach erneut etwas, die Gedanken um weitere Geburtstagsspiele hätten wir uns also sparen können. Kurz vor dem Abendbrot kam die Pinata zum Einsatz, natürlich in Form eines Feuerwehrautos. Die war so schnell geknackt, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin sie zu fotografieren.
Zum Abendessen gab es Gemüse und Obstplatten, Eier, Trauben-Würstchenspieße, Bratwürstchen, belegte Baguettescheiben und Würstchen.
Um 19 Uhr wurden alle Freunde wieder abgeholt, das Haus glich einem Schlachtfeld aber der kleine Batman fiel schon wenig später ganz müde ins Bett. Da einige von Euch gefragt haben; nein der kleine Heldensohn wird nächstes Jahr (hoffentlich) noch nicht eingeschult. Ein weiteres Jahr in der Kita tut ihm sicher noch gut, zumal er auch nur zwei Wochen zu alt ist, als es der Stichtag hier zulässt.20170826_151735 - Kopie
Am Sonntag feierte dann die Einhornbändigerin. Bei ihr sagten zwei Mädels ab, am Ende waren sie aber immer noch zu 8. Ihren Geburtstag haben wir ausgelagert, ein Kindergeburtstag zu Hause ist zu uncool, außerdem sind wir noch mit der Beseitigung der Reste von Gestern beschäftigt.
Daher ging es für das große Mädchen in die Jumphalle, eine Halle mit wenig Fußboden aber vielen Trampolinen. Die Kinder hatten dort eine Getränkeflatrate für Wasser und Saft und der Kuchen konnte mitgebracht werden. Die Einhornbändigerin wünschte sich einen Regenbogenkuchen. Ich bin nun nicht unbedingt die Meisterbäckerin und hätte auch gar nicht gewusst, wann ich das hätte umsetzen sollen. Da der kleine Bruder aber an seinem Geburtstag eine fenomenale Batmantorte mit in die Kia nehmen durfte (die hatte er von unserer Konditorei des Vertrauens geschenkt bekommen), sollte die Schwester auch nicht auf ihre Torte verzichten müssen. Ich schickte ein Wunschbild an den besagten Konditor und was soll ich sagen. Die Torte sah genauso aus wie auf dem Foto. Dementsprechend groß war die Freude der Einhornbändigerin, denn sie wusste nichts davon.20171026_100050
Übrigens, auch wenn große Einhornbändigerinnen schon zu cool für das Wort Kindergeburtstag sind (es war eine Party; ganz wichtig), Give Away Tüten müssen trotzdem sein…in ihrem Fall waren sie gefüllt mit Emojis Armbändern und Anhängern. Dazu etwas Süsszeug.
Die Kinder hüpften, überboten sich gegenseitig mit kleinen, akrobatischen Einlagen und waren nach 90 Minuten springen müde genug20171026_163348 um den Kuchen zu essen und sich auszuruhen. Die Party schien gelungen, alle waren zufrieden und glücklich, Niemand wurde verletzt.20171026_163536
In Summe war das Wochenende sehr anstrengend aber auch wirklich schön. Es ga auf beiden Partys keinene nennenswerten Zwischenfälle oder Wutausbrüche. Nur die Einhornbändigerin war sich anfangs unsicher in der Klamottenwahl. Schick sollte es aussehen, aber auch bequem genug zum springen. Es dauerte etwas, aber schlußendlich hat sie etwas in ihrem Schrank gefunden.

Eigentlich war es wirklich toll, eigentlich. Am Samstag, nach der Party des kleinen Batman bin ich um 20 Uhr abends auf dem Sofa eingeschlafen. Das ist schon sehr untypisch für mich. Am Sonntag hatte ich etwas Schulterschmerzen und musste daher auch die morgendliche Jogginigrunde abbrechen. Kurz bevor es zur Party der Einhornbändigerin losging fühlte ich mich etwas fiebrieg und irgendwie unwohl. Iboprofen sollte es richten.

In der Jumphalle bekam ich den Schüttelfrost meines Lebens. Eigentlich zitterte ich fast durchgehend. Söäter zuhause zeigte das Thermometer 40,5 Grad an… Am Montag hat mich mein bester Freund zum Arzt gefahren, ich konnte nicht mehr wirklich laufen, fieberte weiterhin über 40 Grad und hatte wahnsinnig Kreislaufprobleme und Schmerzen in der linken Schulter und in den Knien.

Der Abstrich bestätigte den Verdacht der Ärztin…Juppi Influenza; echte Grippe.20171025_165927 Seitdem bin ich eine Virenschleuder; in einem Haus in dem ebenfalls ein Immungeschwächter Krebspatient und zwei Kinder wohnen ist das quasi ein Jackpot. Ich fasse alles nur noch mit einmal Handschuhen an, versuche mich, so weit es geht von Allen fernzuhalten. Bisher hat sich Niemand (auch keiner der Partygäste) angesteckt.

Abgesehen von meiner Schulter geht es mir inzwischen auch schon wieder besser. Fieber ist runter, Kreislauf besser ich bin nur noch etwas langsam in Allem. Naja…das reicht dann auch für dieses Jahr.

Heldenupdate; darum machen wir das

Lange haben wir davon erzählt, wir waren zuversichtlich und recht optimistisch. Wir wissen bereits seit einiger Zeit dass Kunibert zurück ist und das Zeitfenster für eine Stammzelltransplantation nun geschlossen ist. Damit öffnete sich die Tür der Erhaltungstherapie. Nach ewigen hin und her, nach Abwegen des Risikos, der Vorteile, der Blutwerte und ähnlichem sollte die Erhaltungstherapie letzte Woche Freitag starten. Der Held wurde immer nervöser, die Stimmungsschwankungen nehmen in letzter Zeit auch wieder mehr zu.

Der Beipackzettel ist riesig. Da unser Held ein Kopfmensch ist, also er sich häufig selbst im Weg steht, Dinge die niedergeschrieben sind schnell an nimmt, haben wir vereinbart dass nicht er den Beipackzettel liest, sondern ich. Sollten komische Dinge eintreten, sage ich es ihm.20171005_220019

Die Erhaltungstherapie setzt sich aus mehreren Medikamenten zusammen. Zu aller Erst aus Revlimid, dies ist das hoffentliche Zaubermittel, welches Kunibert dazu bringt langsamer zu wachsen und dem Helden mehr qualitative Überlebenszeit schenken soll. Dies nimmt er ab sofort täglich am Abend ein. Dazu gibt es einmal täglich ASS, ein Blutverdünner, der Thrombosen vorbeugen soll. Das Medikament zur Erhaltung sorgt dafür, dass das Immunsystem eventuell wieder etwas herunter fährt und der Held möglicher Weise wieder anfälliger für diverse Keime und Bakterien ist. Daher bekommt er zusätzlich zwei verschiedene Antibiosen um ihn etwas abzuschirmen.

Das alles führt dazu, dass unser Held bis zu 6 Tabletten täglich nehmen muss.

Wiegesagt, war der Start für letzte Woche Freitag geplant. Aber wie sollte es anders sein…Simon plagte ein gemeiner Männerschnupfen und die Onkologin hat den Start der Behandlung um eine Woche geschoben. Sicherheitshalber…20171005_215547

Gestern hat er die erste Tablette genommen, er hat es richtig zelebriert und musste sich überwinden dieses Mittel zu nehmen.

Wir wussten lange dass es irgendwann geschehen wird. In der Theorie haben wir uns alles optimistisch ausgemalt. Nun, in der Praxis sieht es alles etwas anders aus. Simon fällt es schwer diese Behandlung zu aktzeptieren und hat Angst vor Nebenwirkungen. Ich habe auch mehr Probleme damit als gedacht, mehr dazu gibt es in einem gesondertem Post.

Dazu gehört unser Held nun faktisch zu den 20% der Patienten weltweit, die vergeblich auf ihren Stammzellspender gewartet haben. In unserem Fall gibt es immerhin eine Alternativbehandlung. Die ist zwar nicht die Beste Wahl und stiehlt uns eventuell wichtige Dinge, aber es gibt sie. Andere Patienten haben dieses „Glück“ nicht.

Unsere Kinder werden womöglich ohne ihren Papahelden erwachsen werden. So etwas ist nicht gerecht und absolut inakzeptabel. Jedes Kind sollte Zeit mit seinen Eltern verbringen können, sie sollten mit ihren Eltern aufwachsen, durch Pfützen springen und Schneemänner bauen. Den Heldenkindern blieb bisher vieles verwehrt und auch in Zukunft werden immer mal wieder Dinge anders geschehen als in anderen Familien. Natürlich bin ich dankbar für jeden Tag, aber gerecht finde ich es dennoch nicht.P1100762

Wiegesagt, sind unsere Kinder, unser Held nur wenige von viel zu vielen. Ihr Lieben, schenkt anderen Familien Glück, Hoffnung und Kraft. Registriert Euch bei der DKMS, unterstützt sie mit spenden. Für uns hat es nicht gereicht, vielleicht aber bist genau Du ein Lebensretter für einen anderen Helden.

Keep on rockin, zum Leben retten Bedarf es keinen Umhang, einen Dr. Titel und auch kein Feuerwehrauto; nur etwas Mut. Bist Du schon dabei?20171005_215428

 

galaktisch-grandioser-Alltag im Regen

Brückentag, eigentlich ein Grund zur Freude, denn im Normalfall haben wir alle an diesem Tag frei. So aber nicht dieses Jahr. Unser Held steigt im Moment via Hamburger Model wieder in den Job ein und ich hätte Heute eigentlich zur Fortbildung gewollt/gemusst. Nachmittags hatte unser Held einen Termin bei der Onkologin. Zum Einen hat er seine Monatliche Zometainfusion bekommen (Das Knochenaufbau-Zaubermittel), zum Anderen wurde ihm Heute Revlimid, das Medikament zur Erhaltung verschrieben. Wie zu erwarteten war dies nicht in der Apotheke vorrätig und musste bestellt werden. Simon startet am Freitag mit dem ersten Zyklus. Zusätzlich bekommt er täglich Blutverdünner, da das Medikament zur Erhaltung Thrombosen verursachen kann. Aufgrund des Medikaments wird Simon wieder anfälliger für Krankheitserreger sein, daher bekommt er alle zwei Tage noch zwei verschiedene Antibiotika. Näheres dazu erzähle ich Euch im nächsten Heldenupdate.IMG-20170816-WA0008

Dass unsere Heldenkinder krank sind erzählte ich bereits im letzten Post. Das Fieber ist verschwunden, etwas erhöht ist die Temperatur noch, aber deutlich besser. Ursprünglich war geplant, dass beide Kinder heute zum besten Freund des kleinen Batman gehen und dort betreut werden. Denn Kita und Schule haben zu. Da nun aber beide immer noch kränkeln und die Mama des besten Freundes auch angeschlagen ist, bin ich Heute zu Hause geblieben.

Ich mag es nicht wenn unsere Kinder krank sind, ich leide meistens mit. Husten und Magen Darm sind besonders schlimm. Aber mindestens genauso anstrengend sind halb kranke Kinder. Also Heldenkinder, die noch etwas erhöhte Temperatur haben (unter 39 Grad), etwas Schnupfen haben oder ähnliches….es ihnen aber ansonsten gut geht. Und besonders Schlimm ist es dann, wenn es regnet und stürmt.

Die Laune der Heldenkinder war am Vormittag bereits Dauergelangweilt. Sie stritten, tobten laut, wirklich sehr laut durch das Haus und mein Kopf begann zu schmerzen.

Während aus dem einem Zimmer „Bibi und Tina“ Jungs gegen Mädchen als Dauerschleifensong lief, selbstverständlich in voller Lautstärke, schallte aus dem anderem Zimmer irgendeine „hippe“ CD, deren Songs ich nicht kenne, die aber bestimmt in den Charts sind.

Ich beschloss spontan, mich mit meiner Lieblingsbeschäftigung (Ironie off) zu beschäftigen und mähte den Rasen. 20171002_110738Die zwei Kranken haben derweil ein paar Vitamine gegessen.20171002_181228.jpg Der kleine Batman hat danach sein Haustier auf Zeit „Schnecki“ mit frischen Blättern versorgt. (es ist keine Schnecke zu Schade gekommen, es geht ihr gut und sie genießt ab Morgen wieder ihre Freiheit)20171002_110724

Oft backen wir, wenn die Kinder krank zu Hause sind. So auch Heute. Dies rettet zumindest kurz die Stimmung. Diesmal sollten es American Cookies werden. Die Kinder waren außer sich vor Freude. Zutaten hatten wir alle im Haus. Also bereiteten wir den Teig vor, die Einhornbändigerin zeigte ihrem Bruder wie daraus kleine Bälle geformt und dann platt gedrückt werden.20171002_144457 Auch wenn ich die Kekse nicht essen werde (Zucker und Mehl, ihr wisst schon…), ich liebe den Duft von frischen, noch warmen Keksen im Haus. Die Heldenkinder finden, dass die Cookies ultra-galaktisch lecker geworden sind. Unser Held freut sich bestimmt auch, wenn er später nach Hause kommt.20171002_155013

Da wir aber viel zu viele von den Schokicookies übrig haben, brachte der kleine Batman seiner neuen Lieblingsnachbarin auch welche vorbei. Es war fast wie eine Art Wiedergutmachung. Denn gestern tippte der kleine Batman auf ihren Bauch und fragte ob sie ein Baby im Bauch habe. Aber Nein, sie ist nicht schwanger. Ups… Das muss der kleine Heldensohn von mir geerbt haben, den Hang in Fettnäpfchen zu treten.

Zwischenzeitlich brach die Wolkendecke auf und ich fragte die Kinder ob wir kurz einkaufen wollen. Die Zwei mit dem Fahrrad, ich zu Fuß. Ich hab keinen Führerschein, daher war Auto keine Option und Bus wollte ich nicht. Wie sollte es auch anders sein, nach 400 Metern schüttete es wie aus Eimern. Die Kinder und ich sind trotzdem weiter, umkehren wollte der Heldennachwuchs nämlich nicht.20171002_181156.jpg

Der Korb war schnell voll, der Nachtisch für heute Abend war auch gesichert und es ging zurück durch den Regen nach Hause.

Der kleine Batman wollte nun basteln; 20171002_164405.jpgeinen Burger und ich sollte ihm beim Kreise ausschneiden helfen. Viele Kreise, ganz viele Kreise…20171002_164355

Nachdem die Einhornbändigerin erneut die CD gehört hat, von der ich nicht eine Band kenne bastelte, bzw. malte sie mit. 20171002_174427.jpg20171002_181009.jpg

Nachdem der Termin bei der Onkologin ewig gedauert hatte, kam der Held nur kurz nach Hause um sich umzuziehen. Denn am Abend ist er noch mit Kollegen zum Essen verabredet.

Der Batman und die Einhornbändigerin genossen Abends ihre Kartoffelsuppe und den geshoppten Nachtisch. Für mich gab es Hähnchenbrust mit Zucchini.20171002_185642.jpg

Ich hoffe nun, dass die Temperatur der Zwei morgen wieder gänzlich im Normbereich ist und die Heldentochter am Mittwoch wieder in die Schule kann. Der kleine Batman hat Glück, seine Kita ist die ganze Woche geschlossen. Er darf dann bei seinem besten Freund spielen, wenn die Mama bis dahin wieder fit genug ist.

Morgen warten Berge von zu klein gewordenen Kinderklamotten auf mich. Ich bin ein großer Fan von Second Hand, wir verkaufen und kaufen häufig im Onlineauktionshaus. Da mir neue Kindersachen oft einfach zu teuer sind.

Merkt ihr was? Ich schreibe hier über ganz alltägliche Dinge, Dinge, die bei Jedem von Euch auch geschehen. Grandios oder? Ich meine das ernst. Ich finde das galaktisch grandios.