Deine Entscheidung, Dein Weg vs. die Anderen

Besonders zum Jahresende gibt es immer mal wieder Momente, in denen sich man etwas vornimmt. Etwas was man schaffen möchte, ein Ziel wird gesteckt und um die Motivation zu erhöhen wird es auch dem Umfeld erzählt.

Das geschieht nicht nur zum Jahreswechsel. Als die Diagnose vom Helden gekommen ist und wir dieses Jahr auch noch geheiratet haben, kamen da die abenteuerlichsten Meinungen dazu. Als ich mit nähen angefangen habe, wurde ich oft belächelt. (zugegeben, die ersten Stücke waren…naja, ausbaufähig). Mit 16 bin ich von zu Hause ausgezogen. Im Sommer 2007 bin ich ungeplant schwanger geworden, die Beziehung stand vor dem aus und um mich herum (mit Ausnahme meiner Eltern und zwei Freunden)  schlugen sich die Menschen die Hände über den Kopf zusammen. Die Vorstellung, dass eine 23 jährige Partygängerin, die noch nicht mal mit der Uni fertig ist mit einem Mal alleinerziehende Mutter sein wird, schien für viele völlig surreal.CIMG3076 2009 hatte ich alle meine Zukunftsvisionen über Bord geworfen, habe den rest-Knopf gedrückt und beruflich von vorn begonnen. Anfang des Jahres plante ich eine große DKMS Aktion, in der Hoffnung den passenden Stammzell-Superhelden für unseren Helden zu finden. Als ich die ersten Male davon erzählt hatte, erntete ich ebenfalls viele „jaja´s“ und „aha´s“.IMG-20170423-WA0030

Ich wollte alles, es war meine Entscheidung, mein Weg den ich gehen wollte. Viele Dinge klappten, auch wenn es wirklich nicht immer einfach gewesen ist. Einige Dinge scheiterten. Mein Umfeld machte es nicht immer leichter, von „Das schaffst Du niemals“ über ein lächelndes, schweigendes Nicken war einiges dabei.

Als ich im Sommer beschlossen habe auf Zucker und Kohlenhydrate zu verzichten (an 6 Tagen die Woche) war ich am Anfang sehr zurückhaltend, als es darum ging es Anderen zu erzählen. Selbst dem Helden gegenüber war ich da anfangs eher stumm unterwegs. Irgendwann aber aber war es nicht zu übersehen, dass ich weder Brot, Nudeln noch Schokolade gegessen habe. Auch dass ich Abends in der Küche stand um mein Essen für den nächsten (Arbeits-) Tag vorzubereiten ist natürlich aufgefallen.  Ich glaube, dass auch Simon anfangs dachte, das sei eine Phase. Viele Andere wollten mich zum Kuchen essen überreden, haben meine Gründe nicht verstanden oder gesagt, dass ich es sowieso nicht durchhalten werde. Als ich dann auch noch mit Sport angefangen habe…ihr könnt es Euch sicher vorstellen.20170824_153953

Wenn ihr vorhabt einen neuen Weg zu gehen, dann zur Hölle geht ihn einfach. Es ist egal ob es darum geht sich besser zu ernähren, Sport zu treiben, mit dem Rauchen aufzuhören, sich ein neues Hobby zuzulegen oder seinen Lebensplan neu entwirft. Ihr werdet immer auf gehobene Augenbrauen und Seufzer treffen. Aber das ist nicht wichtig. Denn wenn Du einen Weg gehen willst, eine Idee hast, dann setzte alles daran diese Vorhaben auch umzusetzen, unabhängig von deinem Umfeld. (Ich setze einfach mal vorraus, dass es kein Weg sein wird, der Anderen oder Dir selbst schadet, denn sonst ist es natürlich etwas anderes)

Ich bin oft an meine Grenzen gelangt und auch gescheitert. Allerdings besteht die Aufgabe dann darin, wie ich mit dem Scheitern umgehe. Belasse ich es dabei oder versuche es erneut. Beides ist bereits passiert. Ich denke aber, dass das Weitermachen zwar der schwierigere Weg ist, aber der bessere.P1110042

Habt ihr Kinder? Wenn die Kleinen laufen lernen, wie oft fallen sie hin? In der Einstellung so manch Erwachsener würde das Kind sich nach drei Mal hinfallen einfach setzen und sich denken „Nö, das ist nix für mich, ich will weiter getragen werden“. Glücklicherweise läuft die Entwicklung für gewöhnlich nicht so. Die Minies stehen immer wieder auf, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Sie versuchen es immer wieder und plötzlich klappt es. Erst ganz unsicher und noch recht wacklig, aber mit der Zeit wird der Gang immer sicherer bis es einfach dazu gehört und nichts besonders mehr ist, sondern selbstverständlich.

Dieses Beispiel ist auch gut auf andere Meilensteine anwendbar.  Als ich im April 2008 zum ersten Mal Mutter geworden bin, war ich alleinerziehend. Nach kurzer Zeit war dies nichts außergewöhnliches mehr und die Skeptiker hielten sich zurück.PICT0085.JPG

Als meine Kinder die ersten selbstgenähten Klamotten getragen haben, bei denen ich gefragt wurde wo ich diese gekauft hatte (und glaubt mir, bis dahin dauerte es eine Ewigkeit) grinsten nicht die Anderen sondern ich.

Die bewusste Entscheidung für unseren Helden und demzufolge auch für Kunibert ist mittlerweile auch kein Thema mehr. Besonders diese Entscheidung war mir wichtig, aber zeitgleich auch eine der schwierigsten. Die Erwartungshaltung vom Umfeld ist enorm und ich hab nach wie vor das Gefühl unter einer Art Dauerbeobachtung zu stehen.19621360_869649979855634_5174954724047793891_o

Zum Thema DKMS Aktion. Nunja…die Planung gestallte sich anfangs recht schwer. Unterstützung bekam ich am Anfang lustigerweise hauptsächlich von Menschen, die ich gar nicht kannte. Daher…ein Hoch auf Social Media Kanäle; tausend Dank an Bea und Jessica, ihr wart von Anfang an dabei und habt mit mir geglaubt. Im Laufe der Zeit wurde der Kreis größer; tausend Dank Diana, Andre und an das DRK, insbesondere Kristin und Olaf. Irgendwann hatte ich es tatsächlich geschafft die weltbesten Schirmherrn für mein Anliegen zu gewinnen,18057997_1110111332428283_2685556314583757593_n die ersten Sponsoren meldeten positives Feedback und ein Termin plus Ort für die Aktion konnte gefunden werden. Und ganz plötzlich verflogen die skeptischen Stimmen und Augenbrauenheber, stattdessen hagelte es Unterstützungsangebote. Seltsam oder?IMG_20170424_082456

Ach und die Zuckergeschichte…da bin ich aktuell noch an dem Punkt der Rechtfertigung, der teilweisen Belustigung von Außen und ähnlichem. Interessanter Weise reden die Menschen am meisten, die sich selbst über ihre Art der Lebensführung einmal Gedanken machen sollten…nunja. Aber…der Held kuckt inzwischen die Zusammensetzung von Nahrung genauer an, bringt mir leckere Dinge mit. Es gibt liebe Menschen, die mir tolle Dinge schenken, die ich anstatt von Weizenmehl und Co. benutzen kann. Tausend Dank an Peggy!20171126_175805Ihr Lieben, egal was ihr vorhabt, was ihr Euch für das nächste Jahr vornehmen wollt… es ist nur Eure Entscheidung. Ihr könnt nicht erwarten, dass Euch Alle auf die Schulter klopfen, Euch Mut machen und sagen „Das packst Du!“. Anscheinend funktioniert die Welt so nicht. Lasst Euch nicht entmutigen, als ihr Laufen lernen wolltet hat es schließlich auch geklapptP1100658.jpg

Ich bin der Überzeugung, dass der Mensch ein Produkt seiner Erfahrungen ist. Und manchmal ist es gar nicht so einfach alte Muster abzustreifen und den Mut für Neues zu haben. Es ist nicht leicht, den Berg, den man vor sich sieht anzugehen. Aber eins sei Euch versprochen, wenn es geklappt hat, fühlt es sich großartig an. Der einzig wahre Held in Euerm Leben seid nur ihr selbst, nur ihr könnt Euer Leben voran bringen. Die Verantwortung liegt nur bei Euch, nicht bei den Anderen, die Euch möglicher Weise belächeln. Das Umfeld kann wie ein riesiger stein sein, der den Weg schwerer und unbequemer macht, aber es trägt nicht die Verantwortung dafür, wenn ihr aufgebt noch bevor ihr eigentlich gestartet seid.

Let´s Rock ihr Lieben!

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Schule oder nicht Schule; das ist hier NICHT die Frage

Die Einhornbändigerin ist krank; Kehlkopfentzündung inklusive Kruppanfällen. Ich dachte ja eigentlich, dass diese Kruppgeschichte eigentlich eher etwas ist, was kleinere Kinder betrifft. Falsch gedacht, letztes Jahr hatte sie eines Nachts ihren ersten Anfall, seit Donnerstag hatte sie nahezu täglich einen. Inzwischen ist es besser, aber die große Heldentochter bleibt dennoch zu Hause und ich mit ihr.

Damit es nicht zu langweilig wird, darf der Heldensohn auch daheim bleiben und wir machen es uns gemütlich. Zwischendurch habe ich tatsächlich Zeit Euch etwas zu schreiben…Luxus!P1000830

Ich bin Fachkraft für Integration und betreue in der Kita, in der ich arbeite die Kinder mit Besonderheiten. Fast schon ist es ironisch, dass unsere Heldenkinder beide auch einen Integrationsstatus haben, also kleine Besonderheiten, ein kleines Päckchen mitbringen. Die Einhornbändigerin hat Epilepsie, war lange nicht Anfallfrei und wurde daher als Integrationskind mit Anfallsleiden eingeschult. Sie hat eine super tolle Schulhelferin, eine 1:1 Betreuung bei Ausflügen und während des Schwimmunterrichts. Dazu kommt die Tatsache, dass die starken Medikamente, die sie lange Zeit nehmen musste nicht unbedingt von Vorteil gewesen sind, was das Thema lernen angeht. Die Heldentochter wurde dennoch 2014 regulär eingeschult, in eine Regelklasse, aber mit der besagten Schulhelferin, die im Notfall eingreifen konnte. Die Einhornbändigerin war zum Zeitpunkt der Einschulung 6 Jahre und 4 Monate alt. Sie besucht eine JÜL (Jahrgangs übergreifendes Lernen) Klasse in der Kinder von der 1. bis zur 3. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Von Anfang an wurde mit der Schule kommunizi ert, dass die Heldentochter für diese drei Schuljahre insgesamt 4 Jahre Zeit bekommt. Sie wiederholte also nicht, sondern lernte fortlaufend mit etwas mehr Zeit. Das klappte/klappt ganz gut und war in ihrem Fall die richtige Entscheidung. Wie es ab nächsten Jahr weitergeht, ist zumindest für mich noch unklar.IMG579

Der kleine Batman ist im September bereits 5 Jahre alt geworden. Da alle Kinder, die bis zum 30.9.18 Sechs Jahre alt werden schulpflichtig sind, gehört der Heldensohn auch dazu. Zumindest eigentlich. Wäre der kleine Batman nur zwei Wochen jünger, würde er automatisch noch ein Jahr mehr Zeit bekommen.

Für uns ist schon länger klar, dass es dem Heldensohn sicher gut tun würde, noch ein weiteres Jahr in der Kita zu verbringen. Auch er ist ein Integrationskind. Der Heldensohn war ein Schreibaby, er schrie die ersten 9 Monate seines Lebens quasi durch. Danach hatte er wenig Lust auf Bewegung, zeigte wenig Interesse an seinem Umfeld. Veränderungen machen ihm noch Heute Angst und fremde Menschen häufig auch. Eine Zeit lang befand sich daher in Heilpädagogischer Behandlung, die Diagnostik zum Thema Autismus wurde eingeleitet aber erstmal wieder „auf Eis gelegt“. Der kleine Heldensohn zeigte plötzlich große Fortschritte, er begann zu sprechen, wurde zugänglicher für die Umwelt und zeigte Emotionen. Er wurde mutiger und selbstsicherer.20171216_202517

Dennoch ist er bis Heute ein sehr sensibles Kind, sehr aktiv aber trotzdem sensibel.Auf Kindergeburtstagen, auf die er eingeladen wurde bleibt er fast nie, er möchte, kann sich aber nicht überwinden. Urlaub, neue Umgebungen…alles ist anfangs oft ein großes Abenteuer. Die Sprachentwichklung wird nun zeitnah von einer Logopädin unterstützt. Ich denke, dass der ganze Trubel während der Schwangerschaft und Geburt daran nicht ganz unbeteiligt ist.IMG1158 (2)

Wir haben einen Antrag auf Rückstellung der Schulpflicht gestellt und haben dabei das Glück dass sowohl die Schule als auch die Kita uns in diesem Vorhaben unterstütz haben. Die Kita hat eine Stellungnahme für das Schulamt geschrieben, die Schule, die Leo bereits kurz kennenlernen durfte hat ebenfalls die Empfehlung ausgesprochen.

Die Schuleingangsuntersuchung…ja…die hat der kleine Batman nahezu komplett verweigert. vor etwa einer Woche hatten wir dann den ersehnten Brief auf dem Tisch zu liegen. Der kleine Heldensohn wird zurückgestellt; Hallo Einschulung 2019 🙂 Auch er wird eine Regelklasse im Jül-Prinzip besuchen, ob ein Schulhelfer nötig sein wird ist derzeitig noch unklar.20171102_135121

Ich habe inzwischen nur noch wenig Lust diese Entscheidung zu rechtfertigen bzw. zu erklären. Ich denke, dass die Rückstellung in unserem Fall die einzig richtige Entscheidung gewesen ist. Ebenso bin ich der Überzeugung, dass beide Heldenkinder in einer Regelschule gut aufgehoben sind, auch wenn dies nicht immer einfach ist bzw. sein wird.

Wir leben in einer Leistungsorientierten Gesellschaft. Passt ein Mensch aufgrund verschiedener Dinge nicht in dieses Raster, wird er schnell aussortiert. Ich finde es zum Teil sehr bedenklich, dass Eltern bereits über das zukünftige Gymnasium ihrer 3 Jahre alten Kinder sprechen. Auch wenn es manchmal anders scheint…auch wir fördern unsere Kinder und unterstützen sie. Im Falle vom kleinem Batman ist das allerdings Interessen orientiert. Ich habe ihm nicht gezeigt, wie ein Strichmännchen oder Kopffüßler gemalt wird. Ich habe ihm nicht beigebracht seinen Namen zu schreiben oder Zahlen zu erkennen.

Dafür erkennt er sämtlich Automarken aus gefühlten 30 Meter Entfernung, er weiß wieso ein Vulkan ausbricht und das Fleisch nicht auf Bäumen wächst. Er fängt an die Uhr zu verstehen und einiges anderes. Zählen klappt übrigens auch prima, Zahlen erkennen bis 25 und einsetzen bis 20 ebenfalls. Zeigen unsere Kinder Interesse in einem Gebiet unterstützen wir sie, aber eben nur dann wenn sie es zeigen.IMG_2159

Die Einhornbändigerin ist bereits in der Schule, sie lernt selbstverständlich auch Dinge, die sie weniger toll findet. Üben für ein Diktat ist mein aktueller Favorit… Aber auch Sie hat ihre Vorlieben, ist vielleicht in manchen Dingen keine perfekte Vorzeigeschülerin. Dafür hat sie ihre „Fachgebiete“, in denen sie mir noch etwas erklären kann.

Der Heldensohn schreibt inzwischen übrigens auch seinen Namen; oft Spiegelverkehrt und auf dem ganzen Blatt verteilt 🙂 aber er erkennt woanders auch die Buchstaben, die in seinem Namen vorkommen.

Wir möchten das Beste für unsere Kinder, Bildung ist uns kein Fremdwort. Der Held und ich haben beide Abitur, eine Uni kenne ich auch. Dennoch fördern wir weiterhin interessenorientiert, zumindest so weit es das „echte Leben“ zulässt. (Schule)20150527_164104

Ich möchte dass unsere Kinder eine Zukunft in Zufriedenheit verbringen können, ohne Sorgen und elementare Ängste. Aber wer, wenn nicht wir,  wissen dass es soviel mehr gibt als ein 1er Abi und einen Masterstudiumgang.

Ich hoffe für beide Kinder auf einen regulären Schulabschluß, wir fordern, dass sie immer ihr Bestes geben, sich anstrengen und nicht aufgeben. Die Einhornbändigerin lernt im Moment das Lernen, ihr wird bewusst, dass es Dinge gibt, die gemacht werden müssen auch wenn sie anstrengend und langweilig sind. Beide Kinder haben verstanden, dass man selbst etwas dafür tun muss um „besser“ zu werden und das nichts von allein kommt. Das Resultat, die Noten, die dabei herauskommen sind für uns zweitrangig. Und trotzdem…die Leistungen der Einhornbändierin in der Schule werden immer besser. Oder vielleicht nicht trotzdem sondern genau deswegen; wer weiß… IMG_20160904_180136

CT Auswertung, Kontrolltermin und ein wenig Familie

Ihr Lieben, es wird ruhig auf unserem Blog. Dies hat verschiedene Gründe. Allem vorran steht der Faktor Zeit. Vollzeitjob, zwei Kinder und die Vorweihnachtszeit zollen ihren Tribut. Dazu kommt die Tatsache, dass ich mich am Abend zunehmend rausziehe um etwas sportlich zu sein…
Der Wunsch nach dem berühmten „Abschallten“ ist nach wie vor da und festigt sich. Zuhause ist die Stimmung hin und wieder recht angespannt, Weihnachtsstress, der Wunsch nach Veränderung und die Gedanken an Kunibert sind manchmal viel mehr als das, was wir zu tragen in der Lage sind.
Unser Held hatte vor kurzer Zeit ein Kontroll CT, da er unter unklaren Rückenschmerzen litt und nachgesehen werden sollte, ob die Medikamente das tun was sie sollen.20171005_215928 Mich machen diese Art von Terminen ja immer etwas nervös, den Helden vermutlich noch viel mehr. Aber es gibt Entwarnung. Die Bilder zeigen keine neuen Läsionen (keine neuen, bzw. weiteren Schäden an den Knochen der Wirbelsäule und Becken), der Befund ist unverändert. Nichts besser, aber eben auch nicht schlechter. Die Rückenschmerzen sind inzwischen auch wieder weg, woher auch immer sie gekommen waren. Vermutlich eine Verspannung, wie sie Jeder einmal hat.
Die Blutwerte zeigen sich ebenfalls nur wenig verändert. Kunibert ist da, tristet sein „Leben“ aber nach wie vor eher niedrigschwellig und lässt sich Zeit beim wachsen.
Mit anderen Worten; bisher tun die Medikamente das, was sie tun sollen. Zometa hilft den Knochen dabei an Stablität zu gewinnen und Revlimid hilft dem Helden dabei Kunibert klein zu halten. Zusätzlich gibt es weiterhin ASS zur Blutverdünnung und zwei verschiedene Antibiosen. Eigentlich dachten wir, dass die Antibiosen nur am Anfang mit verabreicht werden, bis klar ist wie das Immunsystem auf die Erhaltungstherapie reagiert. Dem ist nicht so. Die zwei zusätzlichen Medikamente werden, wie auch Revlimid (Erhaltungsmedikament) und ASS dauerhaft genommen, täglich, bis sie nicht mehr wirken. Damit soll der Heldenkörper trotz herruntergefahrenem Immunsystem vor etwaigen Infektionen geschützt werden. Abgesehen von einem fiesen Männerschnupfen klappt dies bisher auch ganz gut.
Ansonsten mag, zumindest bei mir, noch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen. Die Heldenkinder hingegen sind schon voller Spannung und Vorfreude. Nie stehen sie morgens um 5.30Uhr so einfach auf, wie in dieser Zeit. Der Adventskalender lockt mehr als das warme Bett. Die Wunschzettel sind schon längst in Himmelpfort angekommen, wobei der kleine Batman die Existenz des bärtigen, alten Mannes in rot-weißem Gewand bezweifelt. Die Einhornbändigerin sagt, dass sie an ihn glaubt. Der Held und ich sind uns unsicher ob dem wirklich so ist oder ob sie dies nur sagt, weil sie uns den „Elternzauber“ bewahren möchte; wer weiß…P1100103
In der Hauptstadt ist es bitterkalt. Als am Wochenende die ersten Schneeflocken vom Himmel gefallen sind gab es bei uns kein Halten mehr. Die zwei Heldenkinder liefen am Samstagmorgen bereits um 8Uhr morgens, noch halb im Schlafanzug, laut jubelnd durch die Straße und freuten sich. Liebe Nachbarn, es tut mir Leid, falls ihr noch geschlafen haben solltet.
Ansonsten lockte es den kleinen Batman und mich aufs Feld. 20171203_113020Trotz eisigen Temperaturen, wobei….eigentlich genau deswegen. Die riesigen Pfützen auf dem Feld sind zu kleinen Seen gewachsen. Alle hatten eine dünne Eisschicht auf ihrer Oberfläche, die immer ganz toll knackt wenn man drauftritt. Der Heldensohn und ich unterzogen unseren Winterschuhen an diesem Tag den Härtetest20171203_115217. Während alle Anderen Spaziergänger, teilweise mit sehr abenteuerlich wirkenden Verrenkungen versucht haben einen trockenen Weg zu finden, sind wir einfach durch die Eis-Wasser-Matsche-Landschaft gelaufen. Zumindest der kleine Batman stand teilweise fast Knietief im Wasser…20171203_121855
Unterwegs machten wir noch einen kleinen Stop am Lieblingshügel. Dort gibt es viele kleine Verstecke, Löcher und Abhänge. Genau der richtige Ort um das mitgenommene Feuerwehrauto auszupacken um zusammen den „Berg“ hinunter zu rollen.20171203_114842
An Alle…ihr dürft weiter atmen…Zuhause angekommen sind wir tatsächlich mit warmen Füßen, trockenen Beinen und einem nicht kaputten Feuerwehrauto. Die Schuhe und der Schneeanzug des Batman haben den Test bestanden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich gute und oft auch hochpreisige Wintersachen wirklich lohnen, da ich sonst mehrfach einkaufen durfte oder immer etwas kalt oder nass war. Da wir nicht unbedingt im Geld schwimmen, werden die Klamotten bereits im Sommer gekauft, denn da sind sie bedeutend günstiger. Der Schneeanzug und auch die Schuhe vom Batman sind übrigens beide vom online-Auktionshaus, also Second Hand. Ja auch die Schuhe… allerdings sind diese ungetragen. Diese wurden gar nicht getragen, sind nicht durchgelaufen und die Sohle zeigt nicht mal einen minimalen Abrieb, rein gar nix. Dafür sind sie bezahlbar und absolut wasserdicht und warm. Ein Hoch auf die Marke mit der Hundepfote als Logo… Wer Second Hand nicht mag…shoppt eure Wintersachen im Sommer, bei 30 Grad werden Preise für Winterschuhe, Jacken und Schneeanzüge ordentlich gesenkt20171203_113106
Aber ich weiche ab…
Trotz dieser Wasser-Matsch-Feldtouren sind unsere Kinder bisher seltener krank als so manch Andere. Ich bin mir aber sicher, dass auch das noch auf uns zukommen wird.
Die Einhornbändigerin hat seit Samstagabend nun endlich ihre Lila Haare. 20171209_191559Naja, der untere Teil ist Lila. Sie fühlt sich nun wie ein Teenager. Sie meint sie sähe aus wie eine coole Sängerin. Ihre favorisierte Farbe, bezogen auf Kleidung ist im Moment ein dunkles Lila, dunkles rot oder schwarz. Ihr Lieblingskleid ist allerdings hellgrau, das stellt eine Ausnahme dar. Das Haus wird nicht ohne Ketten und Labello verlassen. Zuhause ist dann aber die Playmobilecke der liebste Ort. 
Die Einhornbändigerin liebt die ganze Weihnachtsdeko im Haus, während ich mich jeden Tag aufs neue Frage woher das alles kommt. 20171203_154702Morgens ist sie fast neugieriger was der Held auch in seinem Kalender für eine Überraschung versteckt hat, als der Held selbst.20171203_154627
In jedem Fenster leuchtet etwas. Glitzer in jedem Raum und der Baum steht auch schon, wenn auch bisher ungeschmückt.20171203_154640
Am Abend des 5. Dezember bestand sie darauf dem Nikolaus einen Keks und etwas Milch hinzustellen. Das machen wir schließlich immer so, nicht dass er sonst noch zu erschöpft ist nach dem langen Weg. Am Nikolausmorgen sind die Kinder dann glücklich, wenn sie den leeren Teller sehen auf dem nur einige Krümel übrig geblieben sind, das Glas mit Milch ist bis auf einen Schluck auch geleert. Der kleine Batman überlegt dann immer wieviele Schlüssel der Nikolaus wohl haben muss und dass das alles gar nicht sein kann weil es keine richtige Erklärung dafür gibt. Die Theorie mit dem Schornstein ist ihm zu suspekt, denn er hat Freunde die in einem Haus ohne Schornstein wohnen und da käme der Nikolaus auch. Außerdem sieht er auf Bildern dick aus und überhaupt passt Niemand in einen Schornstein, und falls es doch Jemand versucht wäre das zu gefährlich und würde im Krankenhaus enden.
Der kleine rationale Batman ist nicht von der Wahrhaftigkeit des bärtigen Mannes zu überzeugen, aber er glaubt an den echten Batman, der seiner Meinung nach in Afrika wohnt. Vielleicht sollte ich den „echten Batman“ mal kontaktieren, vielleicht bringt er dann die Geschenke.
Der zweite Advent ist um, Weihnachten naht, der Geburtstag des Helden ebenso. 20170824_192032Ich hoffe, dass noch etwas mehr Weihnachtsstimmung beim Helden und mir einzieht. Eigentlich sind wir nur froh dass dieses Jahr fast geschafft ist, auf der anderen Seite sind wir mental und körperlich so erschöpft. Das letzte Jahr hat uns einiges abverlangt.
Vor genau musste der Heldensohn zur Mandelop in die Klinik, zeitgleich kam die Nachricht, dass Kunibert zurück ist. Die Zeit scheint seit diesem Moment einen Sportwagen zu besitzen und an uns vorbeizurasen, zumindest ich habe immer mal wieder Probleme Schritt zu halten.
Bald hat unser Held seinen nächsten großen Termin in der Charite, mit dem Chefarzt der Transplantationsabteilung. Im Grunde geht es darum zu besprechen wie unser Held seine Medikamente verträgt, welche Nebenwirkungen es gibt, große Blutauswertung und eventuell prognostisch in die Zukunft zu sehen. Die Frage, wie lange Revlimid wirken wird, kann uns aber auch der beste Professor nicht verraten. Aber ich werde es Euch berichten.