turbulente Tage

Ihr Lieben, wie ihr bereits wisst, befindet sich unser Held seit Freitag in der Klinik. Nichts desto trotz versuchten der kleine Batman und ich das Beste aus der Situation zu machen.

Am Freitag ist unser Held mit dem Taxi in die Klinik gefahren, es stellt sich schnell heraus, dass er dort bleiben wird. Zuhause erzählte ich dies dem kleinem Batman. Ich rechnete mit viel Geschrei, einem völlig aufgelöstem Kind. Bereits die letzten zwei Tage, war der Heldensohn ruhiger und anhänglicher als sonst. Der Zustand des Helden ist auch dem Batman nicht verborgen geblieben. Am Donnerstagabend meinte der tapfere Junge, fast schon beiläufig „Du Papa, du darfst nie wieder ins Krankenhaus gehen, bis du tot bist, okay?“

Als ich ihm erzählt habe, dass der Papa erstmal nicht nach Hause kommen wird, da er im Krankenhaus bleiben muss, weinte er aber… ich sagte ihm auch, dass die Ärzte dort besser auf unseren Helden aufpassen können, dass dort Untersuchungen gemacht werden, die es hoffentlich bald möglich machen dass es dem Papa wieder besser geht. Dann erinnerte ich ihn an die Wasserperlen, die wir schon längst machen wollten und an ein Legoauto, was noch aufgebaut werden möchte.35645509_1718201628274527_3133566112906608640_n

Dieses Ablenken klappte recht gut und unser Batman ließ sich deutlich besser trösten als sonst. Er ist traurig, keine Frage, aber er scheint inzwischen fast routiniert zu sein und es besser zu verkraften wenn der Papa nicht bei uns sein kann.

Der kleine Heldensohn baute sein Auto zusammen und freute sich über das Ergebnis.  Am frühen Abend kam kurz eine Nachbarin vorbei. Ich bin inzwischen nämlich stolze Besitzerin eines Boxsacks, nur muss dieses 25 Kg Teil auch aufgehängt werden. ich traute mir nicht zu, die Löcher für die Aufhängung selbst in die Decke zu bohren. Sie aber hat einen Mann, der das fantastisch kann. Eigentlich ist sie auch nur vorbeigekommen um sich die Aufhängung anzusehen, damit klar ist welche Schrauben dazu benötigt werden.

Zeitgleich (und ich hab keine Ahnung warum eigentlich) ist unser „Hundeschutzzaun“ vor dem Sofa (die Hunde vergessen in unserer Abwesenheit, dass sie dort nicht drauf dürfen…) in seine Einzelteile zerfallen. Ich versuchte kurz diese Stäbe wieder zu sortieren, während Nachbarin C. losging um ihren Mann zu holen.33384817_1693326890762001_828959087906521088_n

Mal ganz davon abgesehen, dass ich an diesem Abend sowieso völlig neben mir stand und mich am liebsten irgendwo vergraben hätte um zu verstehen, wie Ernst die Situation mit unserem Helden ist,  hatte ich keine Ahnung warum sie jetzt ihren Mann holt.

Kurze Zeit später waren beide zurück, plus Nachbarin D. Für mich total ungewöhnlich, dass da mit einem Mal Menschen in unserem Haus stehen, während ich am liebsten laut heulen würde.

Zusammen bauten sie diesen Zaun ab, der kleine Heldensohn holte seinen Werkzeugkoffer aus dem Zimmer und „reparierte“ mit. Dieser Zaun war so ein belangloses Ding, so unnötiger Aufwand für alle Beteiligten irgendwie. Auf der einen Seite hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass diese Menschen an einem Freitagabend in meiner Wohnung handwerkeln und ich nur völlig überfordert daneben stehe, auf der anderen Seite war ich, auch wenn ich es nur ungern zugebe, wahnsinnig dankkbar in diesem Moment nicht allein zu sein. Dem Batman erging es anscheinend ähnlich. Er sprang gut gelaunt und lachend, bewaffnet mit klugen Ratschlägen im Wohnzimmer umher, flirtete mit D. und C. und fand die ganze Situation wahnsinnig spannend und Situationsauflockernd. Dieser Zaun war der Retter des Tages! Danke an die lieben Menschen, die sich ihm gewidmet haben.35549956_1719232031504820_1004241234446778368_n

Zum Abendbrot gab es das Wunschessen vom Heldensohn. Danach waren noch die Wasserperlen dran. Eigentlich dienen die zu Dekozwecken oder um Blumen frisch zu halten. Bei uns ist es Spielzeug; zum experemtieren, zum tasten, zum umherfüllen. Manchmal baden auch die Playmobilmenschen darin. Diese Perlen sind sehr vielseitig. Damit sie am Samstag fertig sind, haben wir sie nun mit Wasser angesetzt. Das Ergebnis ist quietsche bunt.35520901_1718202781607745_421442098256936960_n

Am Samstagmorgen wurde uns der Zaun zurückgebracht, frisch geleimt und stabil. nach anfänglichen Schwierigkeiten, steht das Ding auch wieder an seinem Platz. Danach wurde mein Boxsack angehängt, super Ding. Hab ich eigentlich schon Danke gesagt? In meinem ersten Leben war ich in einem, nein in zwei Kickboxvereinen. Durch den zweiten Verein auch auf Wettkampfebene. Allerdings ist davon nicht viel übrig geblieben, aber vielleicht kommt es ja zurück.

Zwischendurch gab es Frühstück, Dinkel-Kokosmehlpfannkuchen. Die mag der Heldensohn am liebsten, die Einhornbändigerin dafür überhaupt nicht. Da sie dieses Wochenende aber bei Papa 1 verweilte, hatte der Heldensohn Glück. Ich versuchte noch etwas Chaos im Haus zu beseitigen, zumindest in der Küche. Unser Haus ist eigentlich immer leicht chaotisch, allerdings suchte ich irgendwas zur Ablenkung, jede Minute schien sich in die Länge zu ziehen.35496469_1718202071607816_1644872448874643456_n

Gegen Mittag wurde er von der Mama seines besten Freundes abgeholt, dort wollte er gern spielen und eigentlich auch übernachten.

Ich bin dann in die Klinik gefahren. Obwohl, ich wurde tatsächlich gefahren, ans andere Ende der Stadt. Der Weg ist wirklich Wahnsinn… Liebste C. hab vielen Dank dafür!

Wie der Besuch dort lief, erzählte ich Euch gestern im Heldenupdate. Der Weg zurück nach Hause war lang, 90 Minuten um genau zu sein. Aber ich brauchte diese Zeit. Dass was ich zuvor gesehen und gespürt habe ließ mich erschaudern. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich mit dem worst Case gerechnet hatte, jede Minute hätte mein Telefon klingeln können; die Klinik ist dran und sagt mir dass ich unverzüglich kommen soll. Mir war übel, ich hatte Bauchweh und war so hoffnungslos überfordert, dass es mich fast zerrissen hat. Ich bin eine S-Bahn Station früher ausgestiegen, habe auch den Bus ignoriert und bin nach Hause gelaufen. 60 Minuten einfach nur gehen, mit Musik auf meinen Ohren. Abschallten.35481876_1718202291607794_6610618825106784256_n

Zuhause bin ich mit den Hunden rausgegangen und habe mir Abends Pizza und Eis bestellt. Das Böse, mit Zucker und Weißmehl…

Gegen 22.15 Uhr bekam ich einen Anruf, dass der kleine Heldensohn zu Hause schlafen möchte, weil er mich so, so lieb hat. Aber morgen möchte er gern wieder mit seinen Freunden spielen. Kein Problem, der kleine Batman wurde mir nach Hause gebracht und schlief schon bald darauf seelig in seinem Bett.

Am Sonntag, nachdem der Heldensohn wieder zu seinen Freunden gegangen war, machte ich mich auf den weg in die Klinik. Da sich unser Held zwischenzeitlich gemeldet hatte, wusste ich dass es ihm etwas besser ging. Nach ca. 1,5 stunden Besuch war unser Held müde und ich machte mich auf den Heimweg. Zuhause spielten der Heldensohn und ich noch etwas, um dann Abends mit Knabberzeug einen DVD Abend zu machen; Bibi und Tina sei Dank. Am Abend wurde ich von den besagten Nachbarn noch mit Spargel und Kirchen versorgt, mein Abendbrot war gesichert.

Gegen 21 Uhr ist der kleine Heldensohn ins Bett gegangen, ich hatte ganz vergessen wie lang dieser Film geht…Da wir Heute einen Termin im SPZ haben, also einen Arzttermin um 11 musste der kleine Batman nicht so zeitig ins Bett.  Ich bereitete noch einige Unterlagen für diesen Termin vor, und packte den Koffer der Einhornbändigerin, die heute zur Klassenfahrt fährt. Gegen 23.30 konnte ich essen und bin dann irgendwann ins Bett gegangen.35463506_1718202004941156_2639439196472737792_n

Heute sind der kleine Batman und ich mit der S-Bahn zum Arzt gefahren. Doch noch kurz zuvor erreichten mich Nachrichten aus der Klinik, die meine Bauchschmerzen haben zurückkommen lassen. so richtig bäh, dazu mehr, wenn ich genaueres weiß.

Wir waren einige Zeit unterwegs. Der Heldensohn mag Züge jeglicher Art, daher war dies nicht sonderlich problematisch. Der Termin lief gut, er zeigte was er tolles kann und was er alles gelernt hatte. Danach haben wir uns noch en paar Erdbeeren gekauft und der Miniheld entdeckte den Laden mit dem goldenem M… da wir sehr selten dort sind, ist dies für den Batman fast ein Heiligtum… Also gut, er hatte gewonnen und in meinem Kopf schwirrte noch der Anruf. Zwischendurch versuchte ich immer wieder Kontakt mit der Klinik herzustellen, was sich allerdings als recht schwierig erwiesen hat. zum k***en sowas.

Der kleine Batman durfte sich noch eine Zeitung aussuchen und entschied sich für Lego. Das Extra, das Männchen baute er auf der Stelle zusammen. Auf dem Boden sitzend, im Bahnhof. Die Leute sahen mich alle ganz merkwürdig an35552118_1719232118171478_3940035519395659776_n

Morgen fahre ich zu unserem Helden, sobald der kleine Batman in der Kita ist. Ich habe Angst vor dem, was mich da erwartet. Hoffentlich meldet sich die Ärztin später noch einmal.

Edit: ich schicke diesen Post nur online, weil er schon fast fertig gewesen ist. Ich zeige ihn Euch, weil ich mir selbst gerade etwas alltägliches zeigen möchte, obwohl ich gerade vor Sorge fast wahnsinnig werde.

7 Gedanken zu „turbulente Tage

  1. Ach verdammt. Was für eine Dreckssituation!!!
    Dass man dann mit dieser Angst im Bauch auch immer noch funktionieren können muss. .. Eigentlich geht das gar nicht. Ich bin im normalen Alltag schon manchmal überfordert , mich meinem Sohn widmen zu müssen , wenn Clemens und ich gerade Streit haben. Ich will das dann lösen oder für mich sein oder laufen gehen. …
    Stattdessen muß ich dann Autos über den Teppich schieben und mich in ein Spiel vertiefen.
    Du schaffst es irgendwie sogar in dieser Horror Situation, es Euch schön zu machen.
    Und so zu schreiben , dass man es so gern liest. Auch bei diesem schweren Thema. Behalte das bitte immer bei. Von mir aus schreib irgendwann mal über das Pflastern von Gartenwegen. Ich lese das!
    🙂
    Bei der Erzählung über die Traurigkeit Deines Sohnes hatte ich Tränen in den Augen. Wenn man die nur vor dem Verlust schützen könnte. ..

    Ich denk an Euch!

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  2. Liebe Ines,

    so schlimm und unerträglich diese Situation auch ist, so sehr hoffe und wünsche ich dir das du ganz viele liebe Menschen um dich herum hast.
    Nimm die Hilfe an, auch wenn es Freitag Abend ist. Du befindest dich in einer Ausnahmesituation, da spielt das keine Rolle.
    Man steht sich manchmal selbst im Weg.
    Ich selbst musste dieses Hilfe annehmen erst lernen und ich bin froh über jede Minute die Freunde, Bekannte oder Nachbarn für mich da waren bzw. sind.
    Ich drücke euch ganz fest.
    Susan

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  3. Liebe Ines 💕 Wie oft ich dir schon schrieb . Du bist unglaublich stark . Ich bewundere dich und ziehe den Hut vor Dir … Deiner Stärke und deinem Mut 💕 Wenn ich lese was du schreibst weine ich immer . Du hast uns von euren träumen und Plänen erzählt . Von einem Leben mit deinem Mann und deinen Kindern . Du lässt uns teilhaben an euer Leben . Es tut mir so sehr leid was du gerade durchmachst . Wenn du mir deine Adresse schickst. Dann schicke ich Dir ein AUFMUNTER Päckchen 💕 ich umarme Dich und wünsche Dir von den Ärzten Gute Nachrichten 💕

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  4. Liebe Ines,
    Es ist so furchtbar, was Ihr gerade durchmachen müsst und ich denke sehr oft an Euch. Ich habe auch vor wenigen Jahren meine Mutter verloren und kenne das Gefühl, wenn einem schon schlecht ist vor Angst, wenn das Telefon klingelt und wenn man jeden Morgen hofft, dass das ganze einfach nur ein schlechter Traum war, von dem man endlich aufwachen möge.
    Nur ich war in dieser Situation schon erwachsen und hatte noch keine Kinder. Du musst stark für Dich und die Kinder sein. Ich habe unheimlichen Respekt vor Dir und der Entscheidung, über Deine Gefühle zu schreiben. Mir fällt es selbst jetzt, 5 Jahre danach, noch schwer darüber zu sprechen oder zu schreiben. Ich wünsche Euch ganz viel Kraft in dieser schweren Zeit. Irgendwann wird auch für Euch die Sonne wieder scheinen!

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