Von Kuniberts Ferrari und Schrankmonstern

Dieses Wochenende war recht ruhig. Am Freitag schickten wir, wie jeden Freitag seit 8 Wochen Luftballons mit einem Brief in den Himmel. Es ist zu einem Ritual geworden, das besonders dem kleine, Batman hilft. Er fordert es inzwischen richtig ein. Wir setzen uns dann auf die Straße und warten bis die Ballons hinter den Wolken verschwunden sind. Oft reden wird dann über Simon, dass er sich hoffentlich über unsere Post freuen wird, ob ihm das Bild gefällt und wir ihn ganz schön arg vermissen. Nach diesem Ritual ist unser Sohn oft gelöster, es scheint sich ein Schalter umzulegen und er geht seinem Alltag wieder nach.40570011_445533352637014_3508542046614847488_n

Am Freitag wurde auch das Monster vom Sanitätshaus abgeholt. Der Klostuhl; das Ding was beim Heldenbruder zwischen lagerte, zum abholen aber wieder zu mir musste. Ein Monster auf vier Rädern, der Ferrari von Kunibert sozusagen. 40555348_226274554736176_2465019024098983936_n

Die Einhornbändigerin verbrachte das Wochenende bei Papa 1 und hat dort einen verletzten Igel gefunden. Sagte ich schonmal, dass sie häufig verletzte und kranke Tiere mit nach Hause bringt? Das ist so manches Mal recht abenteuerlich.40764719_2371742509719485_4067186965336817664_n

Am Abend stellte der kleine Heldensohn fest, dass sein Puppi, sein ständiger Begleiter unbedingt neue Klamotten braucht. Er bemerkte, dass meine Nähmaschine wiederbelebt worden ist und sagte, dass ich Puppi doch etwas nähen könnte. Da meine Nächte im Moment doch recht lang sind, erstrahlte sein wertvollster Besitz am nächsten Morgen im neuen Gewand. Diese Puppe ist so abgeliebt, mit Lippenstift „zurecht“ gemacht, dass ich sie unbedingt irgendwann einmal heimlich waschen muss.40565404_503778570085144_1155683976032026624_n

Am Samstagmittag ist unser Heldensohn erneut zu seinem besten Freund spielen gegangen, ich nutze die Zeit und tat etwas, dass ich schon lange vor mich hergeschoben hatte. Ich schlafe nach wie vor nicht in unserem Schlafzimmer, weil ich es kaum länger als einige Minuten in diesem Ram aushalte. Stattdessen benutze ich unser Bett als Klamottenablage für mich, denn den Kleiderschrank öffnen wollte ich auch nur ungern. Mir fielen nämlich immer zuerst die Heldenklamotten entgegen. Zumindest das wollte ich ändern um nicht die Gefangene in meinem eigenem Haus zu sein. Ich sortierte um. Die Heldenklamotten wanderten in Kisten, die unter dem Bett und auf dem Schrank verstaut wurden.40537120_2055266551163667_407972664204853248_n.jpg Ich fand viele Shirts, die er kaum getragen hatte, das Fußballtrikot zum Beispiel. Er trug es zwei mal in der Klinik, weil er dachte das Deutschland spielten sollte. Simon vertat sich da aber. Dann legte ich auch seine Anzugjacke in die KIste, in der Innentasche guckten noch zwei Karten von Cavewoman raus. Das hatten wir uns vor einer Ewigkeit zusammen angesehen. Das war unser erstes, richtiges Date nachdem unser Held Kunibert das erste Mal müde gemacht hatte. Unglaublich wie lang er den Anzug nicht mehr anhatte. Er wurde unserem Helden zu klein. Makaber, denn vor wenigen Wochen, wäre er viel zu groß gewesen. Naja. Ich fand eine Jacke, die noch nach ihm gerochen hat, viele Hosen und Shirts die eine Geschichte erzählt haben.40556967_1678672875576463_3877214840938299392_n.jpg

Sein Frack, der von unserer Hochzeit hängt noch im Schrank, neben meinem weißen Kleid. Das sieht nicht richtig aus, wenn sein Teil dort fehlen würde. Aber alles Andere ist nun in Kisten verstaut. Plötzlich ist viel Platz im Schrank, ich räumte meine Sachen vom Bett wieder hinein, verteilte sie überall, in fast jedes Fach, damit es nicht so leer aus sieht. Einige Fächer sind frei geblieben, dort werde ich bald die Sommersachen der Kids einlagern, dann ist der Schrank wieder voll. Alles gut.  Währenddessen hörte ich laute Musik, sang schrill mit und versuchte dem Chaos her zu werden. Ich brauchte 3,5 Stunden. Ich war 3,5 Stunden in diesem Raum, der sich Schlafzimmer nennt. Das ist Rekord! Ich hab das Atmen nicht vergessen. Ich habe nicht hyperventiliert. Ich habe überlebt. Einen Schritt weiter. Einen Schritt vor den Anderen. Gestern merkte ich, dass es geht; das Überleben. Das Leben 2.0. Ich kann das. Manchmal kann ich das.

Den Abend verbrachte ich auf dem Sofa und machte mir Gedanken, was mit meinem Blog geschehen soll. 40648544_293363737935727_3651787971964698624_n

Heute bauten der kleine Batman und ich endlich ein Legoding zu Ende, irgendein Riese von Batman. Der Heldensohn ist glücklich, also bin ich es auch. Wir haben Brot gebacken, damit die Frühstücksbüchsen für die Kita wieder gefüllt werden können. 40573118_1509753645792715_2511841512019460096_nAm Montag gibt es immer etwas kleines Süßes mit hinein, als guten Wochenstart quasi. 40538919_2057714780965598_7863025541954142208_n

Das Bad schrie mich auch an, dass es geputzt werden wollte, genau so wie der Boden im Wohnzimmer.  Das Haus ist wieder sauber, super. Wir sortierten noch etwas das Flohmarktzeug für nächste Woche. Am nächsten Sonntag findet ihr uns auf dem Flohmarkt in Berlin/Karow. Wer uns treffen möchte und vielleicht sogar etwas kaufen mag, kommt vorbei. Alle Einnahmen fließen in unser Kellerprojekt, das mit der Kletterwand und dem Trampolin; ihr wisst schon. Wir sind die mit dem vielen Spielzeug, einer 10 jährigen, die aufgeregt an ihrem Stand steht und einem fast sechsjährigen, der vermutlich nach 30 MInuten alles total unfair und langweilig findet. Daher, falls ihr kommt, bringt Kaffee mit und Schokolade 🙂

Kurz vor der Badewanne spielten wir ein paar Brettspiele. Der kleine Batman hat gewonnen, er ist einfach schneller als ich.40603778_258024241711492_5522465921244856320_n

Ein Flieger musste auch noch kurz über die STraßen hinweg wehen.40652878_1887985008176913_8487004197512806400_n

Und nun eine Frage an Euch. Gibt es etwas, was ihr von uns wissen wollt. Ich bekam einige Nachrichten von Lesern, die mehr über Kunibert und die Stammzellspende wissen wollten, andere interessieren sich für mehr Infos zur Trauerarbeit mit Kindern oder was genau auf einen zukommt, wenn ein Lieblingsmensch in den Himmel zieht. Die Bürokratischen Dinge, die da recht schnell zu bestreiten sind, sind nicht zu unterschätzen. Wieder Andere würden sich über Rezepte freuen, von Dingen, die hie immer mal wieder abgebildet sind, über Ideen für die Organisation des Alltags mit Kindern etc. Ich weiß nicht so recht, was genau ihr wollt, mögt ihr mir helfen und dazu etwas sagen. Ich bin nicht der typische Familienblog, der von Zauberäpfeln und Windelfreiheit schreibt. Ein Familienblog sind wir auch, nur eben anders irgendwie. Also ihr Lieben, habt ihr Fragen an uns? Was interessiert Euch?

 

12 Gedanken zu „Von Kuniberts Ferrari und Schrankmonstern

  1. Ich würde es gut finden, wenn du schreibst wie es dir geht. Den Kindern. Kurz, so schreibst wie bisher …
    Schreib, was dir wichtig ist, auf dem Herzen liegt und an der Seele nagt.
    Rezepte, sachliche Themen kann man ja als Info anfügen oder separat bearbeiten, oder?
    Viel Kraft 🍀

    1. Ja, finde ich auch. Es ist so faszinierend, traurig, beeindruckend,… zugleich, wie ihr gemeinsam euer Schicksal bewältigt. Du machst bestimmt vielen Menschen Mut, denn auch wenn man sieht, wie schwer es für euch alle ist – es geht weiter. Irgendwie. Du zeigst einem, dass man trotz des Schmerzes nicht aufgeben darf und kann. Das alles finde ich sehr beeindruckend. Mehr als zB Rezepte oder dgl..
      Ich habe sehr, sehr großen Respekt vor dir und wünsche dir weiterhin, dass Simon dir und deinen Kindern ganz viel Kraft in euren Herzschlag legt. ❤️
      Ganz liebe Grüße aus Österreich.

  2. Hallo Ines, ich würde mich auch freuen einfach ab und zu von euch zu lesen. Wie es euch geht, was ihr so macht, wie euer Alltag so ist. Ich würde mich auch freuen euren Abenteuerkeller fertig zu sehen? Habt ihr noch beide Hunde? Und mich interessiert tatsächlich der Bürokratismus den du bewältigen mußtest! Aber auch Rezepte oder Kreatives find ich ok. Aber eigentlich möchte ich nur gern wissen wie es euch geht…..Ganz liebe Grüße!Peggy

  3. Hallo Ines. Ich finde es gut so, wie du es bisher machst. Wie ihr das Leben 2.0 so meistert, wie du den Kindern mit ihrer Trauer helfen kannst, was du gegen deine Ängste machst, usw.
    Die bürokratischen Hürden sind ebenfalls interessant.
    Aber „normale“ Familienblogs mit Rezepten und Werbung gibt es viele. Bleib einfach Du. So ehrlich, authentisch und emotional. 😘
    Ich lese jeden Tag jede Nachricht bei Facebook und Instagram von euch und freu mich über jedes Lächeln der Kinder auf dem Weg in euer „neues“ Leben. Ihr seid einem ganz schön ans Herz gewachsen, alle 4, und ich habe schon einige Tränen mit euch vergossen.
    Danke für deine Offenheit und den Mut, deine Sorgen und Probleme mit uns zu teilen. Schade, dass ihr soweit weg wohnt. Wäre gerne zum Flohmarkt gekommen. Liebe Grüße

  4. Liebe Supermama,

    Ganz viel Kraft wünsche ich Euch weiterhin. Du atmest und überlebst das großartig. Um Deine Fragen zu beantworten: Jedes Deiner vorgeschlagenen Themen würde passen, also warum lässt Du diese nicht einfach mal in Deine Blog Beiträge mit einfließen? Alles Liebe für Euch Erdenhelden <3

  5. Aktuell würde mich brennend interessieren, was das für ein Spiel ist, das ihr auf dem Bild hier spielt. 😁
    Ansonsten lese ich gerne deine Gedanken, deine Alltagsgeschichten, wie es dir bzw euch geht… Ich denke viel an euch. 💛

  6. Hallo Du Liebe. Ich lese Deinen Block seit Juli. Wir sind auf dem gleichen Weg unterwegs… diesem besonderen… diesem ….
    Deine Gedanken, so wie Du sie schreibst, besser hätte ich nicht ausdrücken können, wie ich mich fühle. Wir kennen uns nicht, und trotzdem ist es eine gleiche Ebene. Geh einfach DEINEN Weg weiter und schreibe nicht das, was andere lesen möchten, sondern, wenn Du möchtest, bringe Deine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck. Weiterhin viel Kraft. Andrea

  7. Hallo Ines,
    Du hast eine sehr einnehmende und angenehme Art zu schreiben, mag das Thema auch noch so traurig und hoffnungslos sein. Ich ziehe alle Hüte vor Dir, wie Du es schaffst für Deine Kinder den Alltag zu bewältigen und sie aufzufangen – auch wenn es Dir jetzt vielleicht nicht so erscheint, aber darauf kannst Du richtig stolz sein!
    Ich würde gerne weiter so von Dir hören, wie Du jetzt schreibst, wie ihr euren Alltag meistert, die Höhen, die Tiefen – was das Leben halt so mit sich bringt.
    Und ja, das Thema Trauerarbeit mit Kindern würde mich darüber hinaus interessieren – bei uns ist es zwar „nur“ die Oma, die gegen Kunibert kämpft, aber da mein Sohn eine sehr enge Beziehnung zu ihr hat, wird es sicher auch nicht ganz leicht für ihn.

    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft, um jeden einzelnen Tag zu meistern, Du machst das großartig!

    Liebe Grüße, Sonja

  8. Liebe Ines, schreibe einfach so weiter wie bisher. Von dir , deinen Gefühlen, den Kindern! Du bist ein wichtiger Teil geworden und euer Weg ins neue Leben ist spannend genug! Du hast mal geschrieben, dass es dir gut tut zu schreiben! Dann schreib! Wir sind da.
    So gern wäre ich zu eurem Flohmarkt gekommen , aber ausgerechnet an dem Tag haben wir schon was vor!
    Ich drücke euch alle!

  9. Liebe Ines.
    Lass alles so wie es ist.
    Immer wieder zu lesen wie Du/wie Ihr Euch den Weg zurück in ein halbwegs normales Leben kämpft berührt uns glaube ich alle mehr als alles andere.
    Ausserdem geht es darum was Du in erster Linie schreiben willst…und das bisherige fühlt und liest sich authentisch.
    Ich denke oft an Euch und wenn ich dann Deinen Blog lese weiss ich dass Ihr auf dem richtigen Weg seid
    Fühl Dich gedrückt unbekannterweise

  10. Liebe Ines!
    Ich mag deinen Blog und deinen Schreibstil sehr. Daher fände ich ein bisschen Alltags-/Tagebuch bloggen wie bisher sehr schön.
    LG,
    Melanie

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