Leichtes Gepäck

Noch nie zuvor haben wir soviel umgeräumt, aussortiert, verkauft oder weggeworfen. Wir sind weit von Minimalismus entfernt und ganz ehrlich…das wäre vermutlich nicht unsers. wir mögen es bunt, grell und laut. Allerdings war unser Haus zugestopft mit Dingen, die wir seit einer Ewigkeit nicht mehr in der Hand hatten.

Am Sonntag steht der Flohmarkt an, wir werden dort sein. Ich habe einen Stand und die Heldenkinder ihren eigenen. Unser Kellerumbau ist in Planung, ein Kletter-Tobe-Frustabbau-Projekt soll es werden, mit bunter Farbe an der Wand und vielen Möglichkeiten dem Ärger Luft zu machen. Wir haben in den letzten Wochen oft zusammen gesessen und uns beraten was genau wir wollen. Der Plan steht, am handwerklichen Geschick zur Durchführung glauben wir einfach. Anfangen mit Malern und bauen tun wir, sobald die Mittel dazu da sind.

Darum auch der Flohmarkt. Spitze Zungen könnten nun meinen, dass wir doch den Crowd Founding Pool haben. Stimmt, aber der ist dafür da unser Haus solange mitzutragen, bis ich hoffentlich aus eigener Kraft dazu in der Lage bin. An diesem Plan arbeite ich bereits. Bis dahin bin Euch Allen immer noch unendlich dankbar, dass wir diesen Spendenpool haben.40847055_461731770976755_3610612124792913920_n

Außerdem stelle ich nicht ein Kletterparadies einfach so in den Keller. Unsere Kinder sollen auch jetzt merken, dass nichts von allein kommt…

Außerdem haben sie noch nie so bereitwillig altes Spielzeug aussortiert; eine Win win Situation für alle. Mich befreit dieses Ausmisten, es sind nicht nur Dinge die wir nicht brauchen, sondern auch Erinnerungen und Emotionen, die wir ziehen lassen. Wir versuchen den Weg in ein anderes Leben zu finden. Es gibt viele Wegesgabelungen unterwegs und manchmal ist es gar nicht so einfach zu wissen wo es lang geht.

Ich habe das Gefühl, dass je schwerer unser Rucksack ist, je mehr wir aus dem alten Leben mitnehmen, desto kräfteraubender und länger wird unser Weg sein. Es gibt Dinge aus unserem alten Leben, die so federleicht sind, dass wir sie gern mitnehmen. Andere Dinge hingegen lassen wir zurück.20170826_224216

Manche Dinge hielt ich lange in der Hand bis ich mich entscheiden konnte, ob wir sie behalten oder nicht. An jedem Stück in diesem Haus hängt eine Erinnerung, nur sind es nicht immer nur gute. Wir wünschen uns dass Simon in diesen Wänden bleibt, sein Charme, sein manchmal etwas merkwürdiger Möbelgeschmack, der Geruch von Waschmittel. Aber es gibt auch Momente, da scheinen uns die Erinnerungen an unseren Helden fast zu zerdrücken, wie ein schwerer Stein, der immer weiter hinab gelassen wird. Wir lieben unseren Helden und er wird immer, wirklich immer seinen Platz bei uns haben. Wir vermissen ihn, so sehr dass es oft nicht zum Aushalten ist. Und dennoch brauchen wir Platz. Platz für Neues, Platz für Luft zum Atmen und Platz, der es uns ermöglicht nach vorn zu gehen.

Diesen Platz versuchen wir uns zu schaffen, indem wir uns von Dingen trennen, die wir nicht ins Leben 2.0 mitnehmen wollen. Es ist ein bisschen wie Koffer packen. Das Gute bleibt drin, das Wichtige sowieso. Aber alles mitnehmen geht nicht, also sortieren wir aus. Die liebsten Dinge des Helden aber bleiben.40683698_2428969120757781_8007627985479794688_n

Darum kommt der Flohmarkt gerade recht. Wir werden dort nicht nur ungeliebte Dinge los, sondern auch geliebte Dinge, die wir trotzdem nicht mit ins neue Leben nehmen wollen. Bei manchen Dingen graust es mir schon jetzt und vermutlich wird es nicht leicht sie abzugeben. Auf der Anderen Seite wollen wir auch etwas; eine Tobe-Kletter-Antifrust Spielewelt. Das wird symbolisch der erste Schritt, an der ersten Kreuzung unseres Weges.

Wir wollen schon eine kleine Strecke erreicht haben, wenn sich das Jahr zu Ende neigt. Ich befürchte nämlich dass uns der Dezember ein Stück zurückwerfen wird; abgesehen von Weihnachten stehen drei weitere wichtige Tage in diesem Monat an. Der Dezember wird kalt, er wird hart und ich glaube mit etwas leichterem Gepäck geht es sich zumindest bis dahin etwas leichter.40761963_270041717163375_8248100760546443264_n

In unserer Welt, die sich noch immer etwas anders dreht als Eure, stehen alle Zeichen auf Umbruch und Veränderung. Dies geschieht zum Teil zwangsläufig, zu einem anderem Teil aber auch gewollt. Noch wissen wir nicht wie unser Leben 2.0 aussehen wird, wir wissen auch nicht wie lang und steinig der Weg werden kann. Aber wir wollen Veränderung, denn unser altes Leben ist fort, dass was davon übrig geblieben ist erdrückt uns. Wir starten neu, jetzt. Mal mehr, mal weniger glücklich. Aber wir starten.

4 Gedanken zu „Leichtes Gepäck

  1. Ich liebe es deine Texte zu lesen! Sie berühren mich, und ziehen mich völlig in ihren Bann…
    Ihr macht das großartig!!! Es ist kein leichter Weg, niemand weiß das besser als du…aber ihr 3 zusammen, ihr packt das! Ich denke so oft an euch…
    Liebe Grüße
    Sabine

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  2. Ich hab jetzt die ganze Zeit den Song im Ohr.. denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck. Ich wünsche euch weiterhin alles, alles Gute auf dem Weg in euer Leben 2.0. Und ich finde diesen neuen Namen übrigens richtig schön! Alles Liebe, Sonja

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  3. Den Rucksack,das Gepaeck also wirst Du immer dabei haben Ines, manchmal schwer, ein anderes mal leicht, kaum spuerbar. Hatten vor 2 wo Flohmarkt, handgestrickte Pullover meiner Luise, 6 Std und nicht ein einziger ging weg. Grosse Frustration nach einem Jahr allein sein. Es ist so! Gefuehle lassen sich nicht verstecken, musste heulen. Schon das vierte mal auf Konzert gewesen ohne meine Heldin. Nur die Dunkelheit und der Regen haben meine Traenen versteckt. So geht Leben. Man denkt es kommt nicht schlimmer aber es kommt…… Und geht! Liebe Gruesse aus dem Land der Trolle!

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