Dem Himmel ein Stück näher

Dieses Wochenende war merkwürdig irgendwie, streckenweise wollte die Zeit einfach nicht vergehen und zog sich hin wie Kaugummi.  Am Freitag habe ich unangenehme Post bekommen. Um mich abzulenken haben die Einhornbändigerin und ich nocheinmal dieses veganen Kuchen gebacken, der an Chessecake erinnert, aber eigentlich nur aus Nüssen () besteht. Sie wollte Papa 1 welchen mitbringen. Am späten Nachmittag ist sie übers Wochenende zu ihm gefahren. Da ihr öfter fragt, das Rezept habe ich aus diesem Buch hier. ()  Das ist das einzige Backbuch, welches ich tatsächlich auch benutze. Das hatte mir unser Held letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt.

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Der kleine Batman und ich machten am Abend ein kleines Lagerfeuer, der kleine Batman wünschte es sich. Ein paar Holzreste hatten wir noch, inzwischen bekommen wir es auch recht schnell an. Dazu gesellten sich die zwei besten Freunde vom Heldensohn, samt Mama und P. Aber der Wurm war drin, die Kinder waren reichlich aufgedreht und wir Erwachsenen waren alle etwas „angeschlagen“.20180914_211026.jpg

Das Feuer brannte, die Stimmung stieg. immerhin. Es gab Stockbrot () und Würstchen bzw. Veggienuggets. Später gesellten sich die Marshmallows () dazu. Die Dinger müssen endlich alle werden. Leo entzündete damit versehentlich eine Art Fackel, das klebrige Zucker-Schaum- Monster war dann etwas zu „Krossie“.20180914_210951.jpg

Um 23 Uhr war der kleine Heldensohn müde im Bett, nur um am nächsten Morgen noch vor 6 Uhr wieder aufzustehen. Am Samstag sollten nämlich die Omas kommen, der Opa, der Heldenbruder, die Heldenschwägerin und selbstverständlich auch die Kinder. Besonders der Babycousin hat es unserem Sohn sehr angetan, er liebt dieses Baby. Bevor es aber soweit war, haben wir noch Muffins gebacken, versehentlich waren die auch vegan, ich habe nämlich die Eier vergessen, dafür mit Aquafaba (Kichererbsenwasser) (*) experimentiert. Ging als Ersatz erstaunlich gut. „Echte“ Milch hab ich nie im Haus, da die hier keiner trinkt oder benötigt. Fluffig wurden die Dinger trotzdem, auch wenn sie ohne Ei, ohne Milch und nahezu ohne Zucker (wir übersehen mal die bunten Streusel) waren. Es sind alle aufgegessen worden, auch von den Kindern. Das Kichererbsenzeug schmeckte keiner raus. Einen haben wir aufgehoben, um ihn später zum Helden in den Himmel zu schicken. Der kleine Batman wollte seinem Papa und dem Opa doch Kuchen in den Himmel schicken.IMG_20180915_200102_510.jpg

Die Gäste kamen, der Opa musste sofort das Geburtstagsgeschenk aufbauen. Der Kaffee war dann kalt. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass wir gar keine „normalen“ Tassen haben, nur bedruckte mit Batman, Einhörnern und Starwars. So saß die Oma; die Heldenmama mir mit einer Storm Trooper Tasse (*) gegenüber, Simons liebstes Stück.

Auch Leos Cousinen werden nächstes Jahr eingeschult, so wie weitere Kinder unserer Straße. Irgendwann ging das Gesprächsthema in diese Richtung. Es wird anscheinend einiges geplant und ich wurde gefragt, ob ich schon wüsste wie viele Gäste ich erwarte. Nein, das wusste ich nicht. Nein ich hatte mir dazu noch wenig Gedanken gemacht, da dies einer der Tage ist, die auf unserer „Bucket List“ standen, also diesen Tag zu viert zu rocken. Das klappt nun nicht mehr. Aber natürlich sollte ich mir langsam mal darüber Gedanken machen, denn abgesehen von der Feier müssen noch andere Dinge dazu geklärt werden. Daher, danke für den Reminder! Meine Stimmung rückte kurz Richtung Erdmittelpunkt, ich konnte die heiße Lava förmlich spüren. Ich merkte, wie mein Gegenüber versuchte die Situation zu retten, obwohl es gar nicht nötig gewesen war. Weil das Thema wichtig ist und ich mich sowieso nicht davor verstecken kann. Mir tat es Leid damit eine „Überforderung“ bei den Anderen auszulösen. Beim nächsten Mal läuft es besser.IMG_20180916_110553_389.jpg

Die Kinder spielten toll zusammen. Spontan beschlossen alle noch Essen zu gehen. Es war Simons Familie, die da vor mir stand. Sie trauern auch, nicht nur ich. Eigentlich war es schön, es war gelöst. Aber irgendwie war es auch anstrengend, nicht weil mich wer genervt hat, sondern weil ich von mir selbst genervt gewesen bin. Konfus, ich weiß.

Die Kinder sammelten vor dem Restaurant einige Kastanien, der kleine Batman freute sich, dass er wieder solang aufbleiben durfte, bis es dunkel geworden ist.

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Um 22 Uhr war er im Bett und schlief sofort ein.

Heute Morgen zog sich dann etwas hin. Ich bin aufgestanden und  hatte das Gefühl von Enge in der Brust. Ich setzte mich kurz in den Garten und versuchte so tief es irgendwie geht zu Atmen. Es half. Der erste Kaffee auch. Der Zweite noch etwas mehr.

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Trotzdem verging die Zeit nicht. Ich schlug dem keinem Heldensohn vor auf das Feld zu gehen. Ich wollte raus, damit uns die Wände nicht erdrücken. Wochenenden sind manchmal recht schwierig. Wir schnappten uns den neuen Drachen, ()  diesmal in Fledermausoptik. Es gab nämlich zwei zum Geburtstag. Das Taschenmesser, ein Topf, die Lupe und der Abenteuergürtel ()  mussten auch mit. Alle paar Meter blieb der kleine Heldensohn stehen um etwas „Verdächtiges“ zu untersuchen.

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Auf dem Feld ließen wir zuerst den Drachen in den Himmel steigen. Das klappte erstaunlich gut, trotz wenig Wind.

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Danach sind wir zum Lieblingsplatz von Leo gegangen, er kletterte die Treppen hoch und meinte, dass er Papa jetzt ganz nah ist. Er wühlte in seinen Jackentaschen und zog die Kastanien raus, die wir auf dem Weg gefunden hatten. Mit seinem Taschenmesser (*) schnitze der kleine Batman die Schale ab und untersuchte alles ganz genau.

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Er sammelte Gräser und Blüten um eine Suppe zu kochen oder er ließ sich einfach den Hügel runterrollen. Beim Schnitzen kam es aber, wie es kommen musste, er schnitt sich in den Finger. Laut Aussagen des Heldensohnes war es eine „wirklich tiefe Fleischeswunde“, ich sah einen Kratzer. Aber gut, wie wir alles wissen, die Sicht der Dinge ist oft unterschiedlich. Ich hatte natürlich kein Pflaster dabei, darum musste das Flatterband vom Drachen herhalten. Klappte gut und die „weltschlimmsten Schmerzen“ wurden sofort besser.

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Auf dem Rückweg sind wir wieder an einem Apfelbaum vorbeigelaufen und versuchten uns Einen zu angeln. Es dauerte etwas, aber irgendwann konnte ich einen kleinen Apfel greifen. Der Heldensohn freute sich über seine Wegzehrung. Er liebt Äpfel.

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zurück zu Hause haben wir ein paar Luftballons  ()  gefüllt um unseren Helden endlich etwas von den Muffins ()  in den Himmel schicken zu können.IMG_20180916_160918_1.jpg Leo hofft, dass sie unterwegs nicht von den Vögeln gegessen werden. ich bin guter Dinge.

 

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Später spielten wir noch etwas Fußball, bevor ich das Brot für die kommende Woche gebacken habe. Zum Abendbrot gab es Vollkornspagetti mit Gemüse. Ich muss Morgen unbedingt einkaufen.

Heute Abend werde ich mich nochmal mit der blöden Post vom Freitag auseinander setzen und überlegen was ich damit nun mache. Es ist Post aus der Charite, da ist noch etwas von Simon eingelagert. Dinge von ihm, die weder er noch ich in Zukunft brauchen werden. Ich könnte den Vertrag einfach kündigen, das würde Geld sparen. Aber dann würden die letzten, irgendwie noch lebendigen Überbleibsel vom Helden im medizinischen Abfall landen.  Das bekomm ich grade noch nicht hin. Ich brauche es nicht, aber es lebt. Und über Leben zu entscheiden; das tat ich bereits vor 10 Wochen und 3 Tagen. Für ein weiteres Mal fühle ich mich noch nicht bereit.

(Dieser Beitrag enthällt Affiliate- Links, also Werbung. Ich habe sie Euch mit (*) gekennzeichnet.)

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Ein Gedanke zu „Dem Himmel ein Stück näher

  1. Ein gelungenes Wochenende, bis auf ein paar Kleinigkeiten. Das Messer sieht schon richtig gefährlich aus in der kleinen Hand des Heldensohn. Mir würde das Herz stehen bleiben, beim direkten Anblick. Hatte ich mal wieder eine Chance, nicht dabei gewesen zu sein. Zum Glück hattest Du Verbandmaterial, wenn auch improvisiert, aber immerhin.
    Du hast deutlich die Trauer der anderen gespürt und warst machtlos, das zerrt an den eigenen Nerven. Es ist unsagbar anstrengend. Ich kann mit Dir fühlen. Es sind zwei Ebenen, auch wenn es um die ein und die selbe Person geht.
    Es geht um Respekt, Annahme und Verständnis, nicht zuletzt um Verlust. Das Miteinander ist durch den Tod gestört und darf neu gestaltet werden.
    Alle haben Deinen Helden geliebt
    Hilde

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