Supergirl rennt um Euer Leben; Emmas Sponsorenlauf

Gestern war es wieder soweit, Emma lief ihren Sponsorenlauf. Letztes Jahr überraschte sie uns alle mit ihrer Rundenanzahl. Vor einem Jahr lief die Einhornbändigerin 20 Runden.

Die Eltern bekommen einen Sponsorenvertrag, den sie ausfüllen können. Pro Runde spenden sie Summe x an den Förderverein der Schule. Zusätzlich vereinbarten Emma und ich letztes Jahr, dass sie 5 Euro pro Runde an einen Verein ihrer Wahl spenden darf. Ich war davon ausgegangen, dass unsere Tochter maximal 6 oder 7 Runden läuft. Das war falsch gedacht. Damals war das Thema DKMS ganz groß und sehr aktuell bei uns, da wir immer noch darauf hofften, dass Simon seinen Stammzellspender findet. Sie wollte ihr erlaufenes Geld daher an „die Menschen, die Anderen dabei helfen neues Blut zu finden“ spenden. Gemeint war die DKMS.

Vorgestern sprachen wir kurz über den Sponsorenlauf, wie aufgeregt sie sei und an wen wir dieses Jahr spenden würden. Ich sagte Emma, dass dieses Jahr nur der Förderverein der Schule dran ist, da wir selbst etwas aufpassen müssen. Aber meine Tochter wäre nicht meine Tochter, wenn sie sich damit zufrieden gegeben hätte. Unsere Heldentochter wollte spenden, sie wollte rennen, um erneut helfen zu können. Plötzlich sprach sie von den vielen Plakaten, die letztes Jahr im April überall in der Hauptstadt hingen. Die Plakate, die dazu führen sollten, dass wir „neues Blut“ für unseren Helden finden. 29955484_1640218152739542_219882791_o

Emma fragte mich, was sein würde, wenn sie einmal neues Blut braucht, oder Leo oder der Papa ihrer besten Freundin. Es wäre doch gut, wenn es das „Blut“ dann schon geben würde und nicht erst gesucht werden muss. Außerdem ist unserer Tochter des Internets mächtig, kennt inzwischen das Wort DKMS und hat von Menschen gehört, denen es aktuell so geht, wie Simon im letzten Jahr.

Für mich völlig unerwartet fragte mich die Einhornbändigerin, ob wir dieses Jahr nicht wieder dorthin spenden können. Ich willigte ein. Pro Runde gehen also 4 Euro an die DKMS

Emma hatte heute ihr Sportfest, kam zum Mittagessen kurz nach Hause, um dann wieder zum Sponsorenlauf zu fahren. Ich holte den kleinen Batman aus der Kita ab. Er kam das erste Mal mit. Sonst vermieden wir es immer, da zu viele fremde Menschen auf einem Platz ihn oft überfordern. Gestern aber kam er mit, weil ich ihn nicht woanders unterbringen wollte und zu Hause war niemand. Leo freute sich und war ganz aufgeregt.

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Zusammen standen wir an der Laufstrecke, feuerten die Heldentochter an und besorgten Getränke. Emma lief und lief, Runde für Runde. Sie sagte, dass sie ihren Rekord vom letzten Jahr toppen wolle. Die Einhornbändigerin hielt durch und lies nicht locker. Die Armbänder, die die Runden zählten, wurden immer mehr.

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Irgendwann wurde es dem kleinen Batman zu langweilig, er wollte auch laufen. Immerhin ist er schon ein Vorschulkind. Die erste Runde rannte er zusammen mit seiner Schwester, die folgenden allein.

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Er lief ganz allein. Was sich völlig harmlos anhört, ist für Leo eine riesige Leistung, immerhin standen an der Strecke viele Leute an denen er vorbei laufen musste. Aber auch er lief, Runde für Runde.

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Der Sponsorenlauf dauerte zwei Stunden. Die Einhornbändigerin lief die gesamte Zeit und schaffte atemberaubende 25 Runden. Leo lief in Summe 8 Runden in 30 Minuten. Eine Laufrunde hatte knapp 400 Meter. Unglaublich! Meine Heldenkinder, unsere Minihelden.

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Morgen überweise ich 105 Euro an die DKMS, Emma erinnerte mich vorhin, bereits im Bett liegend nochmal daran. 105 Euro entsprechen den Kosten für 3 Registrierungen. Es ist schon gruselig, wie sehr dieses Thema im Kopf der Heldentochter ist. Sie hat das letzte Jahr sehr bewusst mitbekommen, hat viel nachgefragt und so fest darauf gehofft, dass Simon seinen genetischen Zwilling findet.

 

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Geklappt hat es nicht. Es ist nicht fair, das sagen unsere Kinder immer wieder. Und dennoch, Emma hofft weiter. Sie hofft, dass es anderen Patienten besser ergeht. Sie sprach davon, was wäre wenn es sie selbst, ihren Bruder oder den Papa ihrer Freundin betrifft. Damit sagte sie ganz unbewusst etwas sehr Kluges. Treffen kann es nämlich jeden, Niemand ist geschützt davor.

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Ihr Lieben: achtet gut auf Euch, nehmt Warnsignale Eures Körpers wahr, geht zum Arzt, wenn Euch etwas komisch vorkommt. Unterstützt Patienten, redet über (Blut)krebs und lasst es kein Tabuthema bleiben. Redet über die Option einer Typisierung in einer Stammzellspenderdatei, wie die DKMS eine ist. Hochschulen, Betriebe und Vereine können Aktionen starten. Jeder 10. Patient wartet vergeblich auf seinen Stammzellspender. Unser Held war einer von Ihnen. Morgen könntet ihr diese Hilfe schon selbst benötigen.

Passt gut auf Euch auf Ihr Lieben und bleibt gesund.

2 Gedanken zu „Supergirl rennt um Euer Leben; Emmas Sponsorenlauf

  1. Emma ist einfach großartig. Sie zeigt jetzt schon, dass sie an ihrem Verlust nicht zerbrechen wird. Negative Erlebnisse in positive Energie umwandeln, ist eine bewundernswerte Leistung. So kann ein junges Mädchen ein Vorbild für Erwachsene sein. Ich verneige mich vor dir, Emma. Nicht nur wegen deiner wirklich unglaublichen sportlichen Leistung (10km! mit 10!), sondern viel mehr noch vor deinem starken Geist und deiner wundervollen Seele.

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