Typisch Junge, typisch Mädchen

Hier auf dem Blog, bei Instagram und auch immer öfter im echten Leben werde ich für meine tapferen Mädchen beglückwünscht. Oder mir wird gesagt, welch mutige Töchter ich habe.

Der kleine Batman wird auch unterwegs relativ oft für ein Mädchen gehalten. Selbst dann, wenn er mit Jogginghose und Batmanpulli bekleidet ist. Oft wird das dann mit den langen Haaren begründet oder seiner zarten Optik. Der kleine Heldensohn reagiert schon gar nicht mehr darauf.

Leo gab es auch mal in kurzhaarig. Diejenigen unter Euch, die uns schon länger folgen, müssten das noch kennen. Ihr habt die wachsende Mähne quasi miterlebt.P1090798

Aber schon mit kurzen Haare wurde Leo öfter für ein Mädchen gehalten. Denn schon früher war „Puppi“ einer seiner ständigen Begleiter. Da die Puppe nicht immer getragen werden wollte, fuhr sie auch hin und wieder mit einem kleinen Buggy durch die Hauptstadt. „Puppis“ Garderobe ist fast besser ausgestattet als meine. Zum Fasching ging es im Partnerlook, im Regen gibt es eine Regenjacke, wenn es kalt ist, darf der Fleeceanzug nicht fehlen. P1100348Der zweite größte Schatz vom Heldensohn ist „Lappi“, ein pink farbiges Stofftuch. Die ersten 10 Monate seines Lebens war unser Sohn ein Schreibaby. Er schrie an schlechten Tagen bis zu 16 Stunden. (das meine ich ernst). Wir waren in Schreiambulanzen, beim Kinderarzt und Osteopathen.  Der kleine Heldensohn war ein Stillkind und akzeptierte lange auch keinen Schnuller. Er nuckelte aber gern an diesen riesigen Etiketten von Klamotten. Besonders hatte es ihm dabei ein pinkes Shirt von mir angetan. Als er krabbeln konnte, holte er es sich aus dem Wäschekorb und gab es nicht mehr her.P1030752

Der Zeitpunkt des ersten Kitatages war gekommen und ich wollte nicht, dass Leo dort mit einem Top von mir umherkrabbelte, also nähte ich es um. Mit extra Etiketten. „Lappi“ war geboren und schläft noch heute im Batmanbett. Dieses Ding hatte er überall dabei, inzwischen auch samt Schnuller und da es pink ist, muss Leo ein Mädchen sein.

Emma liebte irgendwann einmal wie viele andere Kinder auch Elsa, die Eiskönigin. Sie wünschte sich Bettwäsche und Klamotten mit dieser Prinzessin. Leo himmelt Emma an, das war schon immer so. Er findet alles toll, was sie toll findet. Eine zeitlang auch Elsa und Kleider. Die Einhornbändigerin wusste davon und fragte mich eines Tages, warum sie ein Elsashirt tragen darf und ihr Bruder nicht. Ja, warum eigentlich?  Die Mischung machte es irgendwann aus. Mal Elsa, mal pink. An anderen Tagen mit Hemd und Krawatte.P1100658

Die Einhornbändigerin schenkte ihrem Bruder eines der Shirts. Wenig später bekam er sein eigenes.  Vor zwei Jahren bestand der kleine Batman darauf, als Eiskönigin zum Fasching zu gehen. An diesem Morgen verließ er mit stolz geschwellter Brust, einem blauen Glitzerkleid, Handschuhen und einer Krone das Haus.

Die Eiskönigen mögen beide nicht mehr besonders. Glitzer und Wendepailletten hingegen schon.

Der kleine Batman mag lange Haare. er möchte gern selbst welche haben. Also lässt er sie seit letztem Jahr wachsen. Und ganz ehrlich, ich finde es steht ihm wirklich gut.

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Er liebt Batman und ist fest von dessen Existenz überzeugt. Er liebt seine Feuerwehrautos und Raumschiffe. Er mag Autos und ab und zu auch seinen Fußball. Aber genauso sehr liebt er seine „Puppi“, Pferde und Pailletten. Jetzt liebt er gelb und regenbogenbunt. Dunkle Farben mag der kleine Heldensohn nur an Hosen oder wenn Batman darauf ist.

Emma mag kein pink mehr, das ist zu uncool. Als sie auf die Welt gekommen ist, war ich 23 Jahre alt. Ich sagte mir, dass ich sie nicht rosa anziehen möchte. Doch dann bekamen wir ein Hello Kitty Kleid geschenkt und ich fand sie so niedlich in dem Ding, dass es nicht dabei geblieben ist.DSC02670 Es wurde rosa in unserer kleinen Wohnung. Je älter sie wurde, desto pinker wurde es. Es gab Tage, da sah sie wie ein kleiner, pinker Bon Bon aus. Andere Farben wollte sie nicht anziehen. Trotzdem war Emma schon immer ein Kind, das auf Bäume kletterte, die steilsten Abhänge mit ihrem Minilaufrad hinunter fuhr und ständig Löcher in den Hosen hatte. Ihren Puppenwagen nutzte sie nicht zum Schieben, sondern als Roller. Immer.  Sie zog lieber ihren Handwagen hinterher. Emma fährt Skateboard, Leggings halten selten länger als einige Wochen, mit Glück Monate. Das große Mädchen schießt Pfeile mit ihrem Bogen, geht zur Feuerwehr und achtet dabei ständig darauf, dass ihre Haare auch gut sitzen.

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Unsere Kinder könnten unterschiedlicher nicht sein. Emma ist das bewegte Kind, das immer auf Adrenalin und Abenteuer aus ist. Leo ist der Vorsichtige, der lieber auf Nummer sicher geht. Unsere Kinder passen nicht in die rosa oder blaue Schublade.

Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Warum geben wir unseren Kindern schon im Babyalter vor, welche Farben und Muster angebracht sind und welche eher nicht? Warum ist das so? Warum hab ich da am Anfang auch mitgemacht?

Was ist so negativ an taffen Mädchen in der Feuerwehr, die auch noch Fußball spielen und Jungs, die eine Elsaleggings tragen und ihre Puppe im Wagen vor sich her schieben?20130425_171240

Ich finde es manchmal schon fast erschreckend wie sehr bereits Kinder in eine Richtung gepresst werden, ohne etwas dagegen tun zu können.

Es gibt Studien, die sagen, dass Jungs besonders in der Schule anders „ticken“ als Mädchen, eine andere Art zu lernen haben und daher anders behandelt werden müssen. Das streite ich auch gar nicht ab, im Gegenteil. Allerdings sollte jedes Kind die Möglichkeit haben, sich ausprobieren zu können, um sich somit selbst zu finden, bzw. die Chance darauf zu haben. Ich glaube, dass umso mehr Kinder probieren und testen dürfen, um so mehr werden sie sich ihrer selbst bewusst.DSC_1545

Die Einhornbändigerin war noch nie die „Puppenmami“. Sie hatte zwei Puppen, meistens lagen sie in irgendeiner Ecke oder es wurden ihr die Haare abgeschnitten. Stattdessen wollte sie in einen Programmierkurs für Kinder gehen. Abgesehen von Helo Kitty (und das kam ja von mir) und dieser kurzen Elsageschichte zogen alle typischen Mädchendinge an uns vorüber. Dafür kommt es jetzt. Schminkzeug, tanzen, Monsterhigh.

Meine Eltern haben früher probiert, mich von den Vorzügen der Kleider zu überzeugen. Ich trug nie eins. Ich fand Kleider furchtbar. Sie wollten, dass ich kochen lerne. Das tat ich nicht, dafür aber mein Bruder. Inzwischen bin ich 34 Jahre alt, kochen habe ich gelernt als Emma plötzlich in mein Leben gekommen ist. Kleider ziehe ich inzwischen auch ab und zu ganz gern an. High Heels allerdings nicht. ich bin immer noch eher im Team Sneaker. Auch mit Kleid. Das geht.

Die Einhornbändigerin sieht sich Schminktutorials auf Youtube an. Sie übt erst an ihrem Bruder, dann an mir und zum Schluss an sich selbst. Trotz diverser blutiger Knie, wird sie ein Teenagermädchen, das sich besser schminken kann, als dass es mir lieb ist.

Der kleine Batman zieht inzwischen kaum noch Kleider an, aber ab und zu freut er sich, wenn seine Schwester ihm etwas zu klein gewordenes abgibt.  Stattdessen werden die blauen Flecken auch auf seinen Beinen immer mehr, weil er jetzt klettert, auch auf Bäume. Die Hosen sind inzwischen auch schnell an den Knien durchgewetzt. Und im Matsch spielen ist sowieso das Größte.20171203_121733

Es kann nicht am fehlenden männlichen Einfluss gelegen haben, denn den gab es bis vor wenigen Monaten noch. Und Simon war seine „männliche Erscheinung“ immer sehr wichtig. Es ist einfach Leo, er probiert sich aus. In jede Richtung. Und wenn er dafür ab und zu für ein Mädchen gehalten wird, dann ist dem eben so. Leo ist ein Junge. Leo weiß, dass er ein Junge ist. Er wurde im Übrigen nie geärgert deswegen. Jeder kannte Leo so.

„Ich bin ein Mann, ich liebe Batman. Puppi aber auch“

5 Gedanken zu „Typisch Junge, typisch Mädchen

  1. Liebe Ines,
    ich weiß gar nicht, wie ich auf euren blog gestoßen bin, freu mich aber nach jedem Wochenende die neuen „stories“ zu lesen. Ihr seid etwas ganz besonderes, jeder für sich, mit allen Ecken und Kanten, Ideen und Emotionen. Das „Unperfekte“ ist genau das, was mir an euch gefällt, keine Scheinwelt, die ihr abbildet, sondern das pure Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Bleibt so, wie ihr seid!!!

  2. … Und ganz nebenbei bringt Leo anderen Kindern (und Eltern) genau das bei. Spätestens seit der rosanen Batman Legging und dem Elsa Jersey Kleid sind meine Jungs davon überzeugt, dass es sowas wie „Jungsfarben“ gar nicht gibt. Und das ist super.

  3. Hallo Ines! Ich habe zwei Jungs mit sehr langen Haaren. Der große 15 Jahre hatte mit 4 Jahren beschlossen lange Haare haben zu wollen. Und so wuchsen sie. Es gab immer mal blöde Sprüche ,dass er aber auch mal zum Frisör müsste. Wir haben es immer überhört! Als der kleine dann auf der Welt war ,ist das mit den Haaren so ein selbstläufer gewesen. Schwupps waren die Haare lang. Er wird oft für ein Mädchen gehalten ,da er auch irgendwie wie eins aussieht mit seiner zierlichen Statur. Aber das macht nichts .Damit kommen alle klar. Ist ja nichts schlimmes ein Mädchen zu sein!😉Der große wurde einmal ausgelacht von einem Vater (alleialleinerziehend) der die Karre seines Sohnes schob ,weil er seinen Bären mit dem Puppenbuggy in die Kita schoben hat. Der kleine hat jetzt einen Haarreifen damit er besser essen kann ,wenn er keinen Zopf hat. Wollte ihn auch mit in die Schule nehmen. Da gab es auch zwei ,drei Kinder die das nicht verstehen konnten,aber ich hatte ihn drauf vorbereitet und er sagte das jeder ob Mädchen oder Junge das tragen darf was er möchte und dann war Ruhe. Ist manchmal garnicht so einfach aus den „festen Regeln auszubrechen!

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