Kunibert und sein Geburtstag

Das erste Mal ist Kunibert am 17.6.2012 in unser Haus eingezogen. Wobei das stimmt nicht ganz. Aufgrund seiner Größe, wird er vermutlich schon im Helden gewohnt haben, als wir am 14.12. 2008 zusammen gekommen sind. Aber erfahren haben wir erst im Jahr von der Batmangeburt von ihm. Was dann alles folgte, wisst ihr bereits.

Am 8.12.2016 wurden dem kleinen Batman die Mandeln und Polypen entfernt. Für diese OP musste er einige Tage in der Klinik bleiben. Zum Glück wusste er nicht was ihn erwartet, ich erinnere mich mit großen Schrecken an meine Mandelop. 

Einen Tag später, Leo hatte immer noch Halsweh und mochte das Klinikessen nicht. Simon musste zu einem Termin in „seine“ Klinik. Aufgrund der starken Schmerzen und diverser Knubbel und Beulen am Heldenkörper wussten wir bereits was los war noch bevor es der Arzt ausgesprochen hatte.

Jetzt sind weitere zwei Jahre vergangen. Wenn ich so manchen Blogbeitrag vom letzten Jahr hier lese, lache ich mich manchmal selbst aus. Vor wenigen Tagen fragte ich eine gute Freundin, zu welchem Zeitpunkt für sie klar war, dass unser Held 2018 nicht überleben wird. Sie schwieg. Ich fragte erneut nach. Sie meinte, dass es sich bereits im April diesen Jahres abzeichnete. Unser Held baute immer weiter ab, das Hirn ließ nach und keine Therapieversuche schlugen an.

Ganz ehrlich… Simon verstarb in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Ab dem Montag zuvor durchkroch mich langsam das Gefühl. dass es eventuell schwierig werden könnte. Zuvor hatte ich meine Augen verschlossen. Ganz fest verschlossen.

Vor zwei Jahren änderte sich unser Leben erneut, nur dass es dieses Mal nicht wirklich besser wurde. Letztes Jahr hatten wir Glück, Simon war für kurze Zeit symptomfrei und wir konnten Dinge tun, die wir unbedingt noch tun wollten. Aufregende Dinge um Erinnerungen zu sammeln. Es war toll. Es war großartig und trotzdem hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass es wie eine „Henkersmahlzeit“ war. Das Beste zum Schluss, in unsrem Fall stimmte dieser Spruch

Nun ist bald Weihnachten und ich versuche es den Minihelden so schön wie möglich zu machen. Während ich versuche den Dezember irgendwie hinter mich zu bringen, sind unsere Kinder voller Vorfreude. Dabei soll es bleiben und ich habe mir einen To Do Zettel geschrieben. Auf dem stehen ganz normale Dinge wie Plätzchen backen, dem Nikolaus Kekse hinstellen um diese später zu verkrümeln so dass der Heldensohn glaubt, dass der bärtige Mann tatsächlich auch dagewesen ist. Das Haus schmücken, Weihnachtslieder anhören und auf dem Weihnachtsmarkt gehen sind auch einige Punkte. Ich schreibe dies auf um es nicht zu vergessen. 

Manchmal weiß ich gar nicht wo hin mit mir. Es fühlt sich immer noch nicht echt an. Hin und wieder versuche ich mir einzureden, dass Simon und ich uns gestritten und getrennt haben und er daher nicht jeden Moment zur Tür reinkommen kann. Das klappt natürlich nicht. Stattdessen denke ich an diesen 9.Dezember 2016, der Tag an dem Kunibert beschlossen hatte nicht mehr müde werden zu wollen.

Als die Rezidiv Diagnose kam waren unser Held und ich im ersten Moment geschockt. Dann aber feierten wir das friedlichste Weihnachten, dass wir je hatten. Wir wussten dass die kommenden Monate hart und emotional belastend werden. Aber wir gingen auch davon aus, dass alles gut werden wird. „Letztes Mal klappte es gut, die Therapien halfen. Warum sollte es dieses Mal anders sein“ und „jetzt wird es kurz blöd, nur damit es danach umso besser wird“ , waren Sätze, die wir uns immer wieder gegenseitig sagten. Es war schon fast wie ein Mantra. 

Ich denke an Kunibert. Ich denke daran, was er meinen Kindern und mir genommen hat. Ich denke aber auch daran, dass unsere Minihelden nun die Chance haben ein Leben ohne einen an Krebs erkrankten Elternteil kennen zu lernen.

Heute vor zwei Jahren wussten wir das Kunibert erneut seine spitzen Scheren schwingt. Dennoch habe ich zu keinem Zeitpunkt damit gerechnet, dass sich unser Held schon bald mit seinen riesengroßen, wunderschönen Flügeln auf den Weg in den Himmel macht. Heute vor einem Jahr habe ich auch nicht damit gerechnet. Heute vor 6 Monaten auch nicht. Heute vor 5 Monaten war es bereits Gewissheit.

Happy F**king Birthday Kunibert

3 Gedanken zu „Kunibert und sein Geburtstag

  1. Da kann man eigentlich nicht gefällt mir drücken 🤔aber hey….Ihr rockt den Dezember 🤝ganz bestimmt🎅….Deine Kinder werden es genießen und du vielleicht den ein oder anderen Moment vergessen was für ein blöder Monat das ist 💪
    🎈🎈🎈🎈🎈🎈

  2. Alles Gute für den Rest-Dezember. Ich drücke mich gerade um die Anschaffung eines Weihnachtsbaums, den unsere Mädels dringend erwarten. Morgen werde ich ihn wohl aussuchen.
    Ja, Eure Kinder werden jetzt ein Leben ohne Angst vor dem Tod ihres Vaters zu haben. Aber der Tod von ihm hat ihnen auch ein großes Stück Kindheit genommen. Unsere Mädels sind nach dem absolut überraschenden Tod ihres Vaters zwar irgendwo normal-nach aussen hin vielleicht- aber auch innerlich nach einem Jahr noch ein Riesenstück von normal entfernt. Zumindest jetzt ist ihnen ein ganz großes Stück Kindheit genommen worden.

    1. Wir leben ja jetzt schon 9 Jahre mit dem Multiplen Myelom, hier ist mein Mann erkrankt, und mittlerweile ist unser kleinstes Kind 16 Jahre alt. Und das war ab da ganz gewiss keine schöne Kindheit. Es war nicht mal eine Kindheit. Mit all dem Kummer, alt genug zu verstehen, dass es immer nur schlimmer wird und nie mehr gut. Wenn mein Mann die Wahl gehabt hätte, er hätte uns allen diese 9 Jahre erspart. Und da ist eine große Ambivalenz, weil es auch für uns eine Erlösung wäre.

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