Norman und sein Kunibert

Letzte Woche hatte ich ein Date. Ein Date mit Norman. Ich muss zugeben, dass ich zuvor wahnsinnig aufgeregt war. Ich „kenne“ Norman seit mindestens einem Jahr via Instagram. Ich kann nicht genau sagen warum, aber er hat zum Teil starke Ähnlichkeiten mit unsrem Helden. Ich kann wirklich nicht genau sagen, wie ich das meine. Schwer zu erklären.

Hin und wieder haben wir uns in dieser Zeit Mails geschrieben. Letzte Woche war Norman aufgrund eines anderen Termins in Berlin und fragte mich recht spontan, ob wir uns nicht treffen wollten. Ich sagte sofort zu, ohne darüber nachzudenken. Meine Aufregung stieg und ich war mir nicht sicher, ob es für Norman so das Beste ist, sich mit mir zu treffen.

Norman ist 35 Jahre alt, lebt in einer Beziehung und hat, wie auch unser Held, eine Schwäche für Cappys. Als wir uns getroffen haben, hatte er seinen Rollkoffer dabei. Bei uns im Schlafzimmer steht der Gleiche, es war Simons Handgepäckkoffer wenn er früher beruflich mit dem Flugzeug unterwegs gewesen ist. Spooky.

Wir trafen uns in einem etwas chaotischen Café, ich klammerte mich an meine riesige Kaffeetasse und war immer noch nervös. Ich war nicht aufgeregt, weil ich ihn toll fand. Ich war auch nicht aufgeregt, weil wir uns das erste Mal im echten Leben getroffen haben.

Ich war so aufgeregt, weil Norman nicht alleine zu unsrem Treffen gekommen war. Er hatte nicht nur seinen Koffer dabei, sondern auch seinen Kunibert. Es ist der gleiche Kunibert, wie der, der im Helden wohnt. Ein Multiples Myelom.

Diagnostiziert wurde das Myelom bei Norman 2016, was dann folgte war ein ähnlicher, fast identischer Behandlungsplan wie bei unserem Helden. Diverse Chemozyklen mit Bortizimib, Hochdosischemo mit autologer Transplantation (Rückgabe der eigenen Stammzellen). Die letzte war letztes Jahr im Mai. Norman bekommt im Moment die Erhaltungstherapie via Revlimid. Das hat unser Held auch bekommen, nur hat es bei ihm nicht gewirkt. Bei Norman zum Glück aber schon. Er ist in Remission; Kunibert ist im Winterschlaf und Norman symptomfrei.

Wir redeten viel über Kunibert, viele unserer Erfahrungen deckten sich. Es war ein sehr emotionales Gespräch, und ich hatte das Gefühl, dass mein Gegenüber genau wusste, wovon ich da sprach. Irgendwer von uns beiden hatte immer irgendwie glasige Augen. Ich bin mir sicher, dass unser Held sich bestens mit Norman verstanden hätte. Beide sind sich sehr ähnlich. Beide benutzen eine ähnliche Wortwahl, und beide gehen auf die gleiche Art und Weise mit ihrer Erkrankung um.

Norman engagiert sich für Yes we CAN-cer, ein inzwischen eingetragener Verein. Ein Mutmacher. Ein Unterstützer. Ich muss mir unbedingt so ein T-Shirt besorgen! Guckt doch einfach mal auf die Seite. (jaja, Werbung. unbefragt, unbezahlt, freiwillig)

Aufgrund der gleichen Diagnose wird auch auf Normen irgendwann das Thema Stammzellspende zukommen. Denn bis dato ist es die erfolgversprechendste Therapie, um das Myelom lange zurückdrängen zu können. Dieser Ansatz wir aber meist erst nach einem Rezidiv (Kunibert wacht wieder auf) verfolgt. Soweit ist es bei Norman noch nicht, und ich hoffe, dass es noch lange so bleiben wird. Fakt ist leider aber auch, dass das geschehen wird.

Unser Treffen war magisch und recht strange zugleich. Ich saß das erste Mal einem anderen Patienten mit der gleichen Diagnose gegenüber. Jemand, der genau wusste, wovon ich rede. Jemand der Nebenwirkungen kennt, den steinigen Weg zur Diagnose und die kleineren Egotrips, wenn es einem wieder besser geht. Er kennt alles. Wir kämpfen beide an einer Öffentlichkeits- und Aufklärungsfront gegen Krebs.

Wenn alles gut geht, wird Norman auch zu meiner Buchpremiere kommen. Genaueres dazu erzähle ich Euch in den nächsten Tagen.

Lieber Norman, hab vielen Dank für unser Treffen. Das war mutig. Immerhin bin ich bzw. ist unser Held nicht unbedingt ein Vorzeigebeispiel für den Verlauf von Krabbe Kunibert. Du bist unglaublich taff, und ich hoffe, dass Du Dir Deinen fast schon unbeschreiblichen Humor bewahren kannst.

Rock Dein Leben lieber Norman. Ich glaube ganz fest daran, dass Du mehr Zeit dazu hast. Viel mehr Zeit. Ich glaube fest daran, dass Dein genetischer Zwilling bereit sein wird, Dir zu helfen. Du rockst das Ding. Wenn Du das nächste Mal zur Kontrolle in die Klinik musst und Deine Blutwerte in der Hand hälst, dann zeig doch Deinem Kunibert den Mittelfinger und richte ihm aus, dass das von mir kommt.

3 Gedanken zu „Norman und sein Kunibert

  1. Als ich das Bild sah bekam ich GänsehauT. Er sieht dem Helden wirklich ähnlich. Das wichtigste ist das du ein paar schöne Stunden hattest. Ich drück ihm so die Daumen.das er seinen genetischen Zwilling findet und seinen Kunibert besiegt.
    LG Kerstin 🌟🎈🌟🎈🌟🎈🌟🎈🌟

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