Lieber Papa, danke für den Schnee

Mein lieber Papa,

Weihnachten ist jetzt vorbei. Hast Du es auch gefeiert? In dieser Zeit habe ich Dich besonders vermisst. Ich musste oft an Dich denken, Du hast so sehr gefehlt. Immer wenn ich andere Papas sehe, denke ich besonders fest an Dich und muss weinen. Mama sagt, dass auch der echte Batman manchmal weint. Und Flash auch. Und Superman auch.

Aber jetzt geht es wieder etwas besser. Aber ich frage mich „warum Wissenschaftler noch keinen Zaubertrank gegen Krebs gefunden haben“. Wenn ich groß bin werde ich Bluttester oder Forscher. Ich finde diesen Zaubertrank dann bestimmt.

Aber lieber Papa, was ich Dir noch sagen wollte. In den Tagen nach Weihnachten hat es geschneit. Emma und ich haben sogar einen Schneemann gebaut. Einen klitzekleinen. Und weil es so kalt war, blieb der auch einige Tage stehen. Toffee hat ihn angebellt, vielleicht dachte er, dass es ein Einbrecher ist.

Mama hatte vorgeschlagen, dass wir zusammen auf das Feld gehen können, um uns die vielen gefrorenen Pfützen anzusehen. Das war toll, wir sind die ganze Zeit darauf hin und her geschlittert.

Dann schneite es wieder. Ich hab in den Himmel geguckt und „Danke Papa“ gerufen. Endlich Schnee. Der war so kalt, zum Glück hatte ich meine Handschuhe dabei. Wir sind bis zu unserem Lieblingshügel gelaufen, um dort immer wieder auf dem Popo runter zu rutschen. Extra dafür hat sogar Emma ihre Schneehose angezogen. Rutschen wollte sie nämlich auch.

Auf dem Weg zurück sind wir noch an dem kleinen Teich vorbeigekommen. Dort wo im Sommer immer die Enten sitzen und ganz laut schnattern, weißt Du noch? Enten sind jetzt nicht da, dafür aber war der Teich zugefroren. Draufsteigen durften Emma und ich aber nicht, Mama hat gesagt, dass das Eis zu dünn ist und wir einbrechen. Auch wenn der Teich nicht tief ist, kalt ist er wohl trotzdem. Schade.

Emma und ich haben dann am Rand große Eisschollen herausgebrochen und sie wie eine Lupe in die Luft gehalten. Dabei standen wir ganz nah am Wasser. Ich glaube, dass Mama Angst hatte, weil sie mich immer an der Kapuze festgehalten hat. Außerdem sagte sie immer wieder das gleiche „Nicht weiter nach vorne gehen“, ich weiß auch nicht warum. Kannst Du mir das sagen?

Das war so ein toller Nachmittag, Papa. Endlich gibt es Schnee und Eis. Mein gelber Schneeanzug war von dem Berg runterrutschen ganz braun, Emmas Hose auch. Wir haben die ganze Matsche an den Anziehsachen mit nach Hause genommen. Wie Du aber weißt, macht das nix. Mama meint immer, dass wir doch eine Waschmaschine haben. Schmutzig machen ist nicht so schlimm. Jetzt ist mein Schneeanzug wieder gelb. Zum Glück. Gelb ist doch meine Lieblingsfarbe. Gelb und Regenbogen-Glitzerbunt.

Lieber Papa, lässt Du es bald wieder für uns schneien? Das wäre so toll!

Ich habe Dich so dolle lieb. Du bist der coolste Held von allen. Danke für den schönen Schnee. Beim nächsten Mal male ich Dir ein Bild auf den Schneeboden. Ganz groß. Damit Du es von da oben auch sehen kannst. Schließlich hast Du Deine Brille bei uns vergessen und Deine Sehkraft ist doch nicht so gut. Aber ich mal so ein riesengroßes Bild, dass Du es auch im Himmel erkennen kannst, okay?

Ich hab Dich lieb, bis zum nächsten Mal. Grüß den großen Opa von mir.

Dein Leo

4 Gedanken zu „Lieber Papa, danke für den Schnee

  1. Jetzt weine ich wieder. Meine Tochter ist schon 27, aber ich glaube, in ihrem Herzen trauert sie so um ihren Papa wie Dein Kleiner. Sie hat viel mehr gehabt von ihrem Vater als Dein Sohn. Aber der Schmerz ist bestimmt ebenso heftig. Viele schöne Augenblicke und noch mehr Schnee zum rumtoben wünsche ich Euch. Liebe Grüße Sabine

  2. Oh, so rührend geschrieben bzw diktiert von deinem Sohn. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute – ganz viel Kraft, um nach vorne schauen zu können. Es ist bestimmt sehr schwierig und schmerzvoll… Ganz liebe Grüße. Daniela

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