Mein Date mit Markus Lanz

Ich weiß noch ganz genau, wie ich im Herbst letzten Jahres das erste Mal im Verlag gesessen habe und wir über das kommende „Marketing“ für unser Buch gesprochen haben. Auch da hörte ich bereits den Namen „Lanz“, allerdings mit dem Zusatz, dass das recht unwahrscheinlich sei. Ich dachte noch: „Ja, ja, Markus Lanz, die spinnen doch“. Als ich an die Pressearbeit dachte, dachte ich an die üblichen Verdächtigen, also die Berliner Tageszeitungen, die zum Teil ja sowieso schon mit uns verbandelt waren.

Im Januar kam dann die Info, dass sich irgendwann ein Redakteur von Lanz bei mir meldet, um ein Treffen mit mir zu verabreden. Dies sollte dem Kennenlernen und der Entscheidungsfindung dienen, ob ich in die Talkrunde komme oder auch nicht. Und wieder dachte ich: „ja, ja, ist klar“.

Auf der anderen Seite war der Pressetrubel rund um mich und um das Buch sowieso schon viel, viel größer als ich es mir jemals gedacht hätte. Der Redakteur rief tatsächlich an und verabredete sich mit mir. Wir wollten uns in dem Cafe treffen, in dem ich das erste Date mit Simon hatte. Ich wollte das gerne, weil ich dann das Gefühl eines sicheren Ortes hatte.

Dann saßen wir da. Es war der 30.1.2019. Kurz vor der Buchpremiere. Ich saß da mit einem Redakteur von Markus Lanz, der deutlich besser vorbereitet war als viele seiner Kollegen. Zu meiner Erleichterung war er sehr sympathisch und das Gespräch lief wie von selbst. Am Ende stand fest, dass ich am Dienstag, den 5.2 bei Lanz sitzen werde. Eine Nacht im Hotel inklusive. HOTEL. ICH. Theoretisch hätte ich die Kinder mitnehmen können, wollte es aber nicht. Die Einhornbändigerin ist in den Winterferien mit der Oma und Leo durfte bei seinem Freund übernachten. Ich denke, dass es zu viel für die Minihelden gewesen wäre. Außerdem…ich liebe meine Kinder, aber die Chance, eine Nacht allein woanders zu sein, war auch recht verlockend. Ich gestehe.

Am Dienstagmorgen brachte ich Leo in die Kita. Als er abgegeben war, versuchte ich, einen Schalter in meinem Kopf umzulegen. Mamamodus aus, Autorinnenmodus an.

Bereits auf dem Weg zum Bahnhof ließ ich meinen Coffee to Go Batmanbecher einige Mal an diversen Backshops nachfüllen. Einige Gummibärchen/Lakritze und andere Dinge landeten auch in meinem Mund. Am Bahnhof traf ich mich mit Marion vom Verlag. Sie erzählte von weiteren Anfragen, die bezüglich des Buches gekommen sind. Das ist enorm, was da gerade alles im Hintergrund läuft.

Und ich stellte fest, dass der Verlag seine Autoreninnen kennt und bereits unterwegs für ein passendes Catering sorgt. Ich musste kurz lachen. Marion isst angeblich sonst nicht so viel Schoki. Ja, ja…

Zwei Stunden später kamen wir in Hamburg an, zwei Tafeln Schokolade waren auch verschwunden. Und das war ich nicht allein!

Da wir noch etwas Zeit hatten, wollten wir…richtig!…etwas Essen gehen. Erwähnte ich die Schokolade im Zug schon? Marion fragte ihr Handy und lief zielstrebig in eine Richtung. Am Ende stellten wir fest, dass es die falsche war. Ihr Handy war schuld. Natürlich. Wir riefen ein Taxi.

Das Essen war lecker, ein veganer Bowlladen. Solltet ihr in Hamburg sein, geht unbedingt ins „Happen Pappen“.

Von dort holte uns der Fahrer ab. EIN FAHRER! Der brachte uns ins Studio. In dem Moment, als das große schwarze Auto vor der Tür vorfuhr, ging diese auch schon auf. Vor mir stand ein kleine, zierliche Frau mit Headset. Sie redete noch mehr als ich, und das war an diesem Tag wirklich eine Leistung. Dann noch zwei weitere Leute. Wir wurden sofort in den Backstagebereich gebracht. Dort standen überall Schokolade, Chips, Kuchen, Gummiviecher und irgendwas warmes zu essen, was wohl „immer total lecker“ sein soll. An der Bar stand eine nette Dame, die mich mit Kaffee versorgte.

Ich war ein Wrack. Noch nie zuvor war ich im Zuge der ganzen Buchgeschichte so nervös. Relativ schnell wurde ich in die Maske gebracht. MASKE. Vor mir auf dem Tisch lag das Gefühlte Inventar des Drogeriemarktes meines Vertrauens.

Ich kann mich selbst nicht schminken. Also nicht richtig. Ich bin eine Niete was das angeht! Eine absolute Niete. Vielleicht sollte ich einen Kurs belegen?

Die Frau, die mich schminkte und sich um meine Haare kümmerte meinte, dass das Make Up nur dezent und ganz natürlich sein wird. Ich fand es ganz nett eigentlich. Ob es nun natürlich war, lassen wir mal dahin gestellt.

Ich traf Sven, den Redakteur, den ich bereits in Berlin kennen lernen durfte. Er zeigte mir das leere Studio und erklärte mir, wie das später von statten gehen wird. Ich fragte ihn, ob ich ein Foto vom Studio machen kann. „Für den Blog? Dann ist es doch bestimmt besser, wenn Du mit drauf bist. Ich kann ein Foto machen!“ Okay, er kannte mich. Wir waren bereits in Berlin beim Du, ich finde das deutlich angenehmer! Ich setzte mich in diesen Sessel und Sven machte einige Fotos.

Zwischendurch konnte man mich immer wieder an der Schokolade finden. Marion sorgte auch für Nachschub. Ich esse sonst nur wenig bis keinen Zucker und Milchprodukte. Daher wirkte das Zeug doppelt, und ich wusste auch, dass es mir mein Bauch am nächsten Tag nicht danken wird. Viermonats-Bläh-Bauch. Das aber war mir gerade recht egal. Marion hielt tapfer durch. Sie versuchte, ruhig zu bleiben, witzelte rum und wir machten lustige Selfies. Anbei sei bemerkt, liebe Marion, Du warst wirklich tapfer, sehr tapfer! Denn…

Nervositätsskala von Ines

  1. redet viel, vor allem unnütze Dinge
  2. redet noch mehr, noch unwichtigere Dinge, isst viel Schookolade
  3. wird ruhig und starrt auf den Boden, Schokolade wird trotzdem gegessen

Irgendwann musste ich aufs Klo. Während ich mich ärgerte, dass es dauerbesetzt war, ging plötzlich eine Klotür auf. Vor mir stand Markus Lanz. Also führten wir unser erstes Kennenlerngespräch im Flur, vor der Toilette. Yes.

Wenig später ging es fast los. Das Publikum saß bereits auf ihren Plätzen. Die anderen Talkgäste und ich wurden aufgerufen. Ich war natürlich die Erste…. kurz bevor es ins Studio ging, puderte die Maske mich nochmal ab und rollte mit der Fusselrolle über mich. Die Aufzeichnung startete, als alle auf ihren Plätzen saßen.

Und nun möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze für Markus brechen. (das hört sich in diesem Kontext irgendwie seltsam an, Ihr wisst schon wie ich das meine…) Ich wusste, dass ich zuletzt dran sein werde. Zuerst werden immer die politischen Themen besprochen. Ich hätte mich ebenfalls zu diesen Themen einbringen können, tat es aber mit Absicht nicht. Dennoch fand ich das Thema sehr spannend und das Zuhören fiel mir nicht schwer. Die Tatsache, dass ich die Letzte sein würde, hatte für mich auch den großen Vorteil, dass ich mich schonmal „einsitzen“ konnte. Das Publikum saß in meinem Rücken, ich sah sie also nicht. Die vielen Kameras vor mir nahm ich irgendwann nicht mehr wahr. Und als ich dran war, war es fast wie ein Gespräch, was nicht leicht war, ich aber in den letzten Wochen häufiger geführt hatte. Und ja, Markus Lanz redet gern. Sehr gern. Aber es ist sein Job. Die „Lacher“, die er zwischendurch gern einbaut, sind mit Sicherheit professionell „geplant“, weil auch dies ein Grund dafür sein wird, „trockene Themen“ interessant zu machen. Das Prinzip klappt, die Einschaltquote lag an diesem Tag bei knapp 1,3 Millionen. Im Vorfeld sah ich einige Folgen der Sendung auf YouTube, an um zu sehen, wie Markus so tickt. Das war gut.

Fragen, die ich nicht beantworten wollte, umschiffte ich. Das klappte gut. Einmal wollte er mich unterbrechen, ich aber redete einfach weiter. Klappte auch. Sonst unterbrach er mich nicht, der Saal und die anderen Gäste blieben ruhig. Ich war an diesem Abend die Einzige, die nicht regelmäßig in der Öffentlichkeit steht. Und dennoch fühlte ich mich weder vorgeführt noch etwas anderes in der Art. Die anderen Talkgäste und auch Markus Lanz haben mir vorher Tips gegeben und Rettungsanker geboten. Nach der Aufzeichnung gab es Schulterklopfen. Die wenige Zeit, die ich sprach, ist der geplanten Sendezeit zu verdanken. Ich glaube dennoch, dass ich das Wichtigste sagen konnte. Immerhin wurden daraufhin um die 1000 neue Wattestäbchen bei der DKMS geordert. Vor Ort gab es im Hintergrund Infoflyer der DKMS und ich glaube sogar Wattestäbchen.

Ich war unendlich nervös, aber ich fühlte mich durchgehend gut aufgehoben. Nach der Aufzeichnung verabschiedete sich Markus von jedem einzeln, so auch von mir. Er erzählte auch von seiner persönlichen Betroffenheit aufgrund seiner familiären Geschichte. Für Mederatoren gilt das Gleiche wie für Blogger. Nur ein Teil wird nach Außen sichtbar. Sein Job ist es, sich nach Außen zu verkaufen und eine gewisse Wirkung zu erzielen. Wie er im „echte Leben“ so ist, ist da eine ganz andere Geschichte.

Wie gesagt, ich habe die Aufzeichnung noch nicht gesehen. Ich weiß nicht, wie ich gewirkt habe. Zwischendurch musste ich kämpfen. Danach war ich so erschöpft, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Ich war nervös, meine Füße kribbelten und mein Herz pochte so stark, dass ich befürchtete, das Mikrofon könnte es einfangen.

Nach der Verabschiedung von Markus Lanz ist Marion wieder nach Berlin gefahren. Mich hat ein FAHRER (so richtig mit Tür aufhalten und so) ins Hotel gebracht. In ein Loft. Ein großes Loft. Außer mir gab es fast nur Anzugträger dort. Ich werde vermutlich nie wieder in so einem Hotel schlafen dürfen!

Wer meinen phänomenalen Auftritt verpasst hat…Der wurde bereits verewigt… Ich bin irgendwann bn Minute 58 oder 59 dran.

https://www.youtube.com/watch?v=JlhEzeBrRUU&feature=share&fbclid=IwAR1qfWCYv1vsBN2tanU9wq_GaWMmOlOAq-YoeN_8EIVyTFr9btjPPFMdubc

Nach dem Einchecken bin ich gleich wieder los. Ich hab mich am Abend mit einigen Bloglesern getroffen. Zusammen sind wir, na ratet mal. Richtig. Essen gegangen. Dieses Mal ins Froindlichst. Das ist auch ein veganer Laden. Ich habe so ziemlich den besten Burger ever gegessen. Es war total schön, die Mädels zu sehen, wer hinter den Namen meiner Follower steckt. Das muss ich unbedingt wiederholen! Nach St. Pauli habe ich es nicht mehr geschafft, ich war einfach zu erschöpft.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit einer weiteren Leserin. Auch das war total toll. Danach bin ich noch etwas durch Hamburg gelaufen. Es regnete, und dennoch habe ich jede Sekunde genossen. Ich bin viele Plätze abgelaufen, an denen ich vor gut 2,5 Jahren auch mit Simon gewesen bin. Ich stellte mich an die gleichen Stellen und schloss meine Augen. Schön und friedlich war das, ganz im Ernst!

Irgendwann machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Unterwegs kaufte ich noch die aktuelle Closer. Darin gibt es ebenfalls einen Artikel über uns. Kurz bevor ich zum Zug gegangen bin, stand ich noch kurz in der Bahnhofshalle. Plötzlich sprach mich jemand an: „Bist Du Ines? Ich habe Dich an Deinen Schuhen erkannt!“ Sie sagte mir, dass sie seit geraumer Zeit meinen Blog liest, wie schön sie ihn findet und dass es großartig ist, was ich so mache. Sie schenkte mir ein Franzbrötchen und umarmte mich. Wahnsinn oder? Ich fass das alles noch gar nicht.

Was noch viel unfassbarer ist….nach der Sendung von Markus Lanz wurden rund 1000 neue Wattestäbchen bei der DKMS angefordert. Als Quelle gaben sie „TV“ an. Also ist die Talkrunde von Lanz daran vermutlich nicht ganz unbeteiligt. Simons Geschichte ist daran nicht ganz unbeteiligt. Ein Held bleibt ein Held!

Am Gleis stellte ich fest, dass der ICE, der vor meinem nach Berlin fahren sollte, ausgefallen war. Also quetschten sich alle in meinen Zug. Dieser war dann hoffnungslos überfüllt, die Gänge waren voll mit murrenden Fahrgästen. Es war kuschelig und ich war dankbar, dass ich eine Sitzplatzreservierung hatte…

Am Abend war ich wieder zu Hause und nahm den kleinen Batman in Empfang. Mamamodus wieder an. Ich habe ihn gestern und heute dann zu Hause gelassen. Zum einen wollten wir Zeit zusammen verbringen, zum anderen hatte er versehentlich etwas mit Tomate gegessen und sein Bauch reagierte dementsprechend. In Hamburg hatte ich noch schnell ein Mitbringsel besorgt. Die Mama von Puppi stand schon länger auf der Wunschliste und da diese Traumstadt einen Store des entsprechenden Ladens hat…naja. Die Freude war riesig. (Das Chaos im Hintergrund…einfach ignorieren)

Noch immer versuche ich zu verstehen, was hier im Moment alles vor sich geht. Ich versuche zu verstehen, welche Welle unser Held da ausgelöst hat. Welches Interesse an unserm Buch und seiner Geschichte besteht. Es ist unglaublich, und ich hoffe sehr, dass Simon dort oben auf seiner Wolke von all dem etwas mitbekommt und mächtig stolz auf sich ist.

Rock den Himmel mein Held, Du bist großartig!

10 Gedanken zu „Mein Date mit Markus Lanz

  1. Ich habe mir die Sendung angesehen. Du warst bemerkenswert ruhig von außen und hast alles klar und deutlich rüber gebracht. Du hast das sehr gut gemeistert, wie ich finde. Trotzdem konnte ich mir zwischendrin auch vorstellen, wie anstrengend das gewesen sein muss und kann verstehen, dass du hinterher erledigt warst.
    Was mir in guter Erinnerung geblieben ist: Wie du über eure Hochzeit gesprochen hast. Stolz, dass ihr das einfach so entschieden und gemacht habt. Es hat mir sehr gefallen, dass du dabei sehr glücklich ausgesehen hast. Es unterstreicht deine Aussage, dass das Leben auch in solch einer Situation trotzdem auch schön sein kann.
    Ich finde es auch toll, dass du dich mit Leserinnen deines Blogs getroffen hast und die Momente an den Plätzen, wo du mit Simon gewesen bist.
    Und das mit den Wattestäbchen …wieder ein Erfolg.

  2. Hallo Ines. Gestern erhielt ich Dein Buch per Post und ich muss sagen, ich hatte einen dicken Kloß im Hals. Ich folge Deinem Blog schon so lange, habe ihn oft nur unter Tränen lesen können. Für mich bis Du einen Heldin in einer Heldenfamilie. Markus Lanz habe ich mir Deinetwegen angeschaut und mir ist aufgefallen, dass Deine Augen blitzten, als Du von der Hochzeit sprachst. Ich finde es super, dass sich neue Menschen bei DKMS gemeldet haben. Als Du über die Kinder gesprochen hast, wie ihr über die Krankheit und den Ausgang gesprochen habt, saß ich nickend vor dem Fernseher. Genauso machen wir es auch. Man kann ihnen nichts verschweigen und man tut ihnen damit keinen Gefallen. Meine Tochter ist neun und lebt seit fünf Jahren mit Papas Krankheit. Sie redet ganz offen über ihre Ängste auch mit anderen . Interessant ist dann immer wieder, wie im „Außen“ damit umgegangen wird. Markus Lanz fragte Dich: „Wie geht es Ihnen heute “ und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du irgendwann mit „Gut !“ antworten kannst. Liebe Grüße , Britta

  3. Ich finde auch, du hast das sehr gut gegillmeistert … ;-). Und ich hatte mir die Wattestäbchen aufgrund deines Blogs schon länger bestellt, aber nach deiner Sendung nun endlich, endlich eingeschickt. Und werde versuchen, auch meinen Mann davon zu überzeugen (was nicht so schwer sein dürfte, er spendet auch regelmäßig Blut). Frohes Wochenende!

  4. Ich hab mir die Sendung von Markus Lanz extra noch in der Mediathek angesehen. Du hast das einfach großartig gemeistert! Ich freu mich so für dich, dass du eine schöne Zeit in Hamburg hattest. Das hast du dir mehr als verdient! Genieße den Rummel! Er ist völlig zurecht da. 😉

  5. Hallo Ines,
    leider hast du den Auftritt nicht genutzt. Es wurde nicht deutlich, was deine Message ist, um das Buch ging es auch null. Dein Mann hatte Krebs, ist gestorben, die Kinder kommen ganz gut klar – das war’s. Man hätte so viel daraus machen können! Aufruf zur Registrierung bei der DKMS, Unterstützungsmöglichkeiten für Familien schwer erkrankter Eltern usw.
    Und noch was anders: Herr Lanz hat sich doch sicher mit deinem Alter vertan. Du bist doch Ende 40 und nicht 34, oder? Nicht böse gemeint.

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