8 Monate

Es ist schon komisch, wie schnell die Zeit vergangen ist, obwohl ich an manchen Tagen das Gefühl hatte, dass sie nicht enden wollten.

Heute vor 8 Monaten um 0.02 Uhr blieb die Welt kurz stehen. Einfach so. Und obwohl ich seit 6 Jahren mit diesem Tag gerechnet hatte, traf es mich völlig unerwartet. Der Moment, in dem unser Held seine Flügel ausgebreitete, war dann aber weniger beängstigend als gedacht. Es war fast friedlich, weil ich mir das erste Mal seit einer Ewigkeit sicher war, dass Simon keine Schmerzen hatte.

Nun sind 8 Monate vergangen und wenn ich so zurückblicke, ist es der blanke Wahnsinn, was alles in dieser Zeit geschehen ist. Nach wie vor hatte/ habe ich versucht, dunkle Momente in eine produktive Richtung zu lenken. Das führte zu unserem Tobekeller, der pastell-lila Wand im Wohnzimmer, einer Keller Ausräumaktion, die seines-gleichen sucht. Diese Zeit brachte ein Buch hervor und die Erkenntnis, dass Simons Geschichte nicht nur uns berührt.

In den letzten 8 Monaten sind wir alle gewachsen. Wir haben gelernt, weiter zu leben, auch wenn ich am Anfang nicht den geringsten Schimmer hatte, wie das funktionieren soll. Wir haben nicht nur den Verlust angenommen, sondern auch die Tatsache, dass es zeitgleich wie eine neue Chance ist. Die Chance, die Leichtigkeit des Seins zurück zu bekommen. Weil diese permanente Panik zusammen mit Kunibert verschwunden ist. Der Worst Case ist eingetreten, der Moment, den wir seit Jahren fürchteten.

Wir öffnen unsere Türen langsam wieder, um zu sehen, was die Welt noch für uns bereit hält. Ich denke, dass das mit dem Atmen auch ganz gut klappt. Mal ist es einfacher, mal schwerer, aber es klappt.

Bald ist es Frühling, Emmas Geburtstag naht und Leo freut sich auf seine Einschulung. Das alles sind Punkte, auf die sich in unserem Haus gefreut wird. Einfach so. Weil sie schön sind. Weil das Leben ist schön ist.

Wir vermissen. Immer. Aber wir sind gleichzeitig dazu bereit, uns nicht von diesem Vermissen in die Knie zwingen zu lassen. Wir haben Pläne und Wünsche für die Zukunft.

Unser Held war schon etwas länger nicht mehr da, Kunibert hatte ihn so sehr vereinnahmt, dass der 6.7.18 fast schon ein Befreiungsschlag für Simon gewesen ist. Darum siegte er gegen die Krabbe, weil er endlich wieder ohne Kunibert sein durfte und darf.

Manchmal ist es einsam. Manchmal ist es schwierig. Aber wir sind nicht zerbrochen. Im Gegenteil. Simon hat uns gezeigt, wie schön das Leben sein kann, welche Möglichkeiten es für uns bereithalten kann und dass es sich lohnt, für Dinge einzustehen, die einem wichtig sind.

Ich glaube auch, dass es sich lohnt, mutig zu sein und neues zuzulassen. Ein neues Leben. Neue Herausforderungen. Manchmal dauert es nur etwas länger, das Gute zu sehen. Hin und wieder muss ich mich selbst daran erinnern. In den letzten Wochen erreichte mich eine emotionale Wucht, die ich so noch nicht kannte. Einen Teil davon habe ich gestern versucht, Euch zu erklären. Es ist nicht immer einfach, aber das war es vorher auch nie.

Manchmal habe ich keine Lust auf offene Türen, da bleibt sie geschlossen und wird doppelt gesichert. An anderen Tagen ist sie offen, damit wir einen Blick raus werfen können. Das erfordert ab und zu einiges an Überwindung, aber es geht.

Lieber Simon, ich hoffe dass wir auf einem gute Weg sind. Einem Weg ohne Dich an der Hand, aber einen Weg mit Dir in unserem Herzen. Wir vermissen Dich, aber gleichzeitig sind wir dankbar für jede Sekunde, die wir mit dir hatten. Wir sind aber auch dankbar für die Chance jetzt Neu loslegen zu können. Fühl Dich fest umarmt unser Held, Rock den Himmel und feier Dich jeden Tag. Sei stolz auf Dich.

Ein Gedanke zu „8 Monate

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