An die Mutter, die mit einem Kaiserschnitt entbunden hat

Vor einigen Tagen verfolgte ich eine kleine Diskussion zum Thema Geburt via Kaiserschnitt. Dieses Thema kommt in der Social Media Welt häufiger auf und immer wieder frage ich mich, warum eigentlich. Ich wüsste nicht, warum es andere Menschen zu interessieren hat, wie eine Frau entbunden hat. Genau so spannend sind die Fragen von zum Teil wildfremden Menschen, ob eine Mama ihr Baby stillt oder nicht. Das sind Fragen, die sehr intim sind und im Grunde niemanden etwas angehen.

Ich frage schließlich auch niemanden im Supermarkt, ob er unter der Dusche mastubiert. Denn das geht mich genau so wenig an und ist an Intimität zu vergleichen.

Aber zurück zum Thema. Eine Sectio, also ein Kaiserschnitt, kann dem Kind und der Mutter das Leben retten. Zumindest dann, wenn es eine medizinische Indikation gibt. Frühchen, schlecht versorgte oder zu kleine Kinder, schaffen den natürlichen Geburtsvorgang oft nicht. Eine Schwangerschaftsvergiftung, Beckenfehlstellung oder ein plötzlicher Geburtsstop sind Risiken für die Mutter. Der Kaiserschnitt sorgte in den letzten Jahrzehnten auch dafür, dass die Müttersterblichkeit während einer Geburt drastisch gesunken ist. Dann gibt es verschiedene psychische Indikatoren, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen.

Und dann gibt es noch die Mütter, die sich bewusst und ohne medizinische Indikation für einen Eingriff dieser Art entscheiden. Die Gründe sind vielfältig: Angst, besser planbar, kraftlos…what ever.

Auch diese Mütter sind sich in der Norm bewusst, dass ein Kaiserschnitt ein großer medizinischer Eingriff ist, der Risiken hat. Ein großer Bauchschnitt, eine Spinalanästhesie oder Vollnarkose. Eine längere Heilungszeit danach, inklusive Schmerzen.

Ich habe zwei Kinder auf die Welt gebracht. Ein drittes verabschiedete sich bereits in der 11. SSW von uns. Beide Kinder, die ich geboren habe kamen via Kaiserschnitt zur Welt.

Bei Emma gab es mehrere medizinische Indikationen, beim kleinem Batman Leo nicht. Und trotzdem wurde die Geburt von Leo geplant und via Kaiserschnitt durchgeführt. Bei uns ging es damals tatsächlich um die bessere Planbarkeit. Egoistisch, das streite ich nicht ab, aber es hat niemand anderes darüber zu entscheiden und zu urteilen als die Eltern selbst. Simon war zum Zeitpunkt der Geburt bereits seit 3 Monaten in chemotherapeutischer Behandlung. Die Hochdosischemo inklusive Isozimmer sollte folgen. Niemand wusste ob und wie er diese Behandlung verkraften würde. ICH und nur ICH wollte aber, dass Simon und Leo die Chance haben sich kennen zu lernen. Dass unser Held bei der Geburt dabei sein kann. Also wurde es ein Kaiserschnitt, den wir terminlich so nah an den Geburtstermin von Leo gelegt haben wie möglich. Aber auch so planten, dass es in die Chemopause passt.

2 Tage nach der Geburt musste unser Held selbst in die Klinik. Ein Wochenbett für uns gab es also nicht. Ich habe Leo ab Tag 1 selbst versorgt, bin aufgestanden wenn auch alles etwas langsamer. Und glaubt mir, wenn ich höre dass ein Kaiserschnitt eine schmerzlose Geburt ist, möchte ich kurz sarkastisch lachen.

Früher hieß es, dass Kaiserschnittkinder ein höheres Risiko für Allergien und Diabetes Typ 2 haben. Beides wurde inzwischen widerrufen. Was allerdings stimmt ist die Tatsache, dass die Kinder die via Kaiserschnitt zur Welt kommen am Anfang öfter abgesaugt werden müssen. Durch den natürlichen Geburtsprozess wird das verbliebene Fruchtwasser aus den Lungen gequetscht. Das geschieht bei einem Kaiserschnitt nicht. Emma musste die Luftröhre abgesaugt werden, Leo nicht.

Und dennoch finde ich, dass es nicht den geringsten Grund gibt Mütter zu verurteilen, die sich ganz bewusst für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden haben. Eine Geburt ist es nämlich auch. Schmerzen sind ebenso vorhanden. Und ich verstehe in keinster Weise diesen Machtkampf der Mütter, die sagen dass Frauen, die sich einen Kaiserschnitt gewünscht haben keine richtige Geburt hatten. Warum nicht? Weil die stundenlangen Wehen zuvor nicht ausgehalten werden mussten? Stimmt, dass musste ich nicht. Meine Schmerzen waren danach da. Jedes Mal wenn ich Leo gestillt habe, dachte ich die Narbe springt gleich auf. Es war kein Zuckerschlecken. Und selbst wenn, wäre es immer noch meine Entscheidung gewesen.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich viele Mütter untereinander vergleichen, in allem. Wer hat das Kind wie auf die Welt gebracht. Trägt das Kind Stoffwindeln oder Einwegdinger. Gibt es Brei aus dem Glas, gekocht oder komplett breifrei. Holzspielzeug oder Plastik. Welches Kind wird besser gefördert, spricht früher und fängt schon früh an zu laufen.

Es artet zum Teil in einen richtigen Wettkampf aus, den ich nicht verstehen kann. Mütter sind wir am Ende alle. Wenn Euer Kind in die Schule kommt, sind das Dinge die am Ende niemanden mehr interessieren.

Liebe Mama, die Du Dich für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden hast: Du bist großartig und genauso viel wert, wie eine Mama, die sich für eine Spontangeburt entschieden hat. Niemand, wirklich niemand hat das Recht, Dir etwas anderes einzureden. Denn nur Du kennst Deine Beweggründe und das sind Dinge, die einfach niemand anderen etwas angehen. Dein Körper. Deine Entscheidung. Jede Mama möchte für ihr Kind das Beste und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Entscheidung für eine große Bauch OP mit Risiken für Mutter und Kind, gut überdacht sind. Und ich glaube auch, dass es fast immer triftige Gründe für diese Entscheidungen gibt, nur werden diese oft nicht mit stolz geschwellter Brust erzählt.

8 Gedanken zu „An die Mutter, die mit einem Kaiserschnitt entbunden hat

  1. DANKE wieder mal für diesen tollen Artikel. Mir verschlägt es immer wieder die Sprache, wenn Leute fragen, wie ich meine Kinder zur Welt gebracht habe. Ich weiß nie was ich sagen soll, und was die Frage überhaupt soll.
    Leider denkt immer noch die Mehrheit der Bevölkerung, dass ein Kaiserschnitt der „leichte“ Weg ist. Ha ha ha. Die sollten als erstes mal den Aufklärungsbogen lesen. Bei „Gefahr der Entfernung der Gebärmutter“ hab ich echt geschluckt. Für sowas entscheidet sich niemand leichtfertig.

    Dein Foto von Simon ist so klasse! Dieses Strahlen hinter der Maske. ❤

  2. Genau SO!

    Unser Sohn ist, nach 22 Stunden Wehen und der Feststellung, dass mein Schambein eine Krümmung hat und er da, mit seinem dicken Kopf und einer, um den Hals gewickelten Nabelschnur, nicht durchpasst, auch per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen.
    Die Zeit danach war kein Zuckerschlecken. Einfach war es auf jeden Fall nicht.
    Stillen konnte ich auch nur 6 Wochen. Ich hatte zwar viel Milch, aber der Kleine ist einfach nicht satt geworden.

    Was manche Leute sich denken, werde ich nie verstehen.

    Liebe Grüße <3

  3. Ein sehr, sehr wahrer Post. 💜 Der Vergleich untereinander, ist immer der Beginn der Unzufriedenheit, va in Situationen, die NICHT vergleichbar sind.

    Nur an einer Stelle hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Nach Kaiserschnitt haben Kinder tatsächlich ein höheres Risiko an Diabetes Typ I (!) zu erkranken. Das ist bis heute belegt.

    Liebe Grüße
    Bettina

  4. Ich staune gerade Bauklötze. Meine Tochter habe ich vor 16 Jahren per geplante Hausgeburt entbunden,worüber ich noch heute sehr glücklich bin und was ich sofort wieder machen würde. Bauklötze staune ich, weil ich noch niemals gefragt wurde, wie ich mein Kind entbunden habe. Noch nie. Genauso habe ich noch niemals gefragt, wie ein Kind entbunden wurde. Ganz ehrlich, abgesehen davon, dass mich das gar nichts angeht, ist es mir schlichtweg auch egal. Jeder wie er meint, jeder wie er mag. Unterm Strich sind am Ende der Geburt alles Kind, alles Mütter und alles Väter.

  5. So muss es sein. Ich stimme dir vollkommen zu. Man muss es selbst wissen und ein vergleich mit jemand anderen ist vollkommen sinnlos. Leider ist es so in unserer Gesellschaft.

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