Alle Macht der Jogginghose

Eine Schule in NRW hat ein Jogginghosenverbot ausgesprochen. Begründet wird dies mit der Tatsache, dass die Schüler auf das Berufsleben vorbereitet werden sollen und ein „Schlabberlook“ dabei nicht angemessen sei. Schick ist cool und karrierefördernd, Jogginghosen hingegen nicht.

Das zeigt sich auch oft in der Kinderabteilung diverser Modeketten. Dort gibt es bereits für Säuglinge und Kleinkinder knallenge Jeanshosen, Hemden und Shorts mit Hosenträgern. Mädchenjogginghosen sind rar, stattdessen gibt es enge Leggings, auf denen Elsa uns zuzwinkert. Ich mag diese Einteilung in Junge und Mädchenabteilung sowieso nicht. Beide Heldenkinder besitzen Klamotten aus der gesamten Kinderabteilung. Weil sie Kinder sind… Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Einhornbändigerin würde nicht auf die Idee kommen, in einer Jogginghose zur Schule zu gehen. Sie findet die uncool. Jeans oder Leggings mit Röckchen müssen es sein. Der kleine Batman hingegen hasst Jeanshosen. Er sagt, dass die ihm zu hart sind und am Bauch drücken. Und der kleine Heldensohn ist alles andere als dicklich. er mag bequeme Hosen. Manchmal habe ich Glück und finde Stoffhosen mit einem weichen Bund, die gehen auch noch. Jeansstoff hingegen ist nicht seins. Ab und zu zieht er mal eine an, dann aber auch nur ausgewählte, die „nicht kratzig“ sind. Inzwischen haben wir eine Firma gefunden, deren Jeanshosen er am Körper erträgt.

Wenn ich mir nun vorstelle, dass seine zukünftige Schule Jogginghosen verbietet, hätten wir ein Problem.

Ich verstehe nicht, was die Art der Bekleidung mit der Vorbereitung auf das Berufseben zu tun haben soll. Natürlich zieht man im Büro eher andere Klamotten, aber ich gehe davon aus, dass sich frühere Kinder dann auch dementsprechend anziehen. Liebt man seine Jogginghose nach wie vor, bewirbt man sich vermutlich woanders.

Und selbst das….Wer hat eigentlich gesagt, dass eine Schlabberhose gleichbedeutend ist mit einem ungepflegten Aussehen? Leo liebt seine Hosen und ich finde nicht, dass er irgendwie gammelig aussieht. Es gibt genug Modelle, die bequem und trotzdem nett anzusehen sind. Der Druck und das Reduzieren auf Äußerlichkeiten bereits in der Schule zu fördern, widerstrebt mir sehr.

Im Sommer trage ich total gerne weite Stoffhosen, teilweise Haremshosen. Das tun viele andere auch. Gelten die auch schon als Jogginghosen? Wo fängt das eigentlich an?

Ich finde, dass dieses Verbot ein großes Stück der Selbstverantwortung, Selbertverwirklichung und der eigenen Identität klaut. Klamotten sind zum Teil doch auch eine Art Statement. Warum kann nicht jeder Mensch selbst entscheiden, was er tragen mag? Kinder erst recht. Im ernst, mein Verständnis hält sich in Grenzen.

7 Gedanken zu „Alle Macht der Jogginghose

  1. Das ist ein schwieriges Thema, ich glaube man muss sich die Auslöser für solche Entscheidungen anschauen. Da geht es, denke ich, darum, dass sich die Eltern mehr kümmern sollen. Ich würde 1987 eingeschult und es gab immer bequeme Kleidung, aber niemand kam auf die Idee in klassischen Jogginghosen aus dem Haus zu gehen. Gegen bequeme Stoffhosen sagt niemand etwas.
    Meine Kinder (2,5 und 1) tragen keine Hosen mit Knopf, weil ich es in diesem Alter einfach Quatsch ist.
    Aber ich bin auch irritiert, wenn früh morgens beim Bäcker Männer quasi im Schlafanzug, Hausschuhe und ohne vorher im Bad gewesen zu sein Brötchen holen.
    Es hilft auch Kindern schon, wenn Situationen klar sind, ich habe „ordentliche“ Kleidung an, jetzt muss ich etwas „arbeiten“ (aufpassen, zuhören, Hausaufgaben machen,…). Jetzt habe ich die „Jogginghose“ an, jetzt kann ich mich entspannen.

    Natürlich ist der kleine Batman besonders, aber ich bin mir sicher, dass ihr notfalls Stiffhosen findet, die weder Jogginghose noch Jeans ist.

  2. Auch ich bin für die freie Entfaltung. Ich achte darauf, dass die Kleidung sauber (zumindest morgens noch) und der Witterung angepasst ist, alles weitere liegt in Kinderhand. Da gibt es desöfteren Kombinationen, die mich – gelinde gesagt – schmunzeln lassen. Aber es muss ja ihnen gefallen.
    Beide Mädels mögen keine Jeans, trugen als sie kleiner waren auch vor allem Jogginghosen, jetzt im Wechsel mit Leggins. Auch mich irritieren Jeans-Miniröcke in Gr. 62, tatsächlich damals geschenkt bekommen, wozu? Genauso wie Kindersandalen mit Absätzen. Ein hoch auf funktional und bequem. Vorschriften in der Schule, wenn es nicht gerade Schuluniform ist, finde ich auch schwierig. Gerade im Grundschulalter sollen die Kinder neben dem Lernen auch spielen, toben – und lernen schließt nicht Jogginghose aus. Meine Kinder assoziieren „arbeiten“ nicht mit der Kleidung … die toben im weißen Kleidchen und machen in Jogginghose Hausaufgaben. Reglementiert werden sie früh genug, und auch das finde ich selbst bei Erwachsenen schwierig (Kleiderordnung o.ä.). Wenn man in der Schule auf irgendwas achten sollte, was die Kleidung angeht, dann meiner Meinung nach eher, ob zu junge Mädels sich schon zu sexy kleiden, aber auch da finde ich Vorschriften schon schwierig.

  3. Liebe Ines,

    Ich habe einen Bürojob und ich bin auch schon in einer chic geschnittenen jogginghose ins Büro gegangen. Ein einfaches elegantes Oberteil dazu und Ballerinas und ich war ordentlich angezogen. Auf die letzte offizielle Geschäftsreise vor 4 Wochen durfte ich sogar mit meinen weißen Sneakern. Mein Arbeitgeber ist zum Glück sehr locker. Ich kann shirts tragen auf denen dick und fett I DON’T CARE steht und mein Chef versteht den Humor dahinter. Dass ich aber so natürlich in kein Meeting gehe sei auch klar. Ich finde, es kommt auf das Gesamtbild an! Wenn eine Jeans löchrig und dreckig ist sieht sie 100 mal gammliger aus als eine jogginghose 😊

    LG

    Vany

  4. Hallo. Lange war ich stille Mitleserin, als Lehrerin äußere ich mich jetzt zu dem Thema.
    Ich bin ebenfalls für die freie Entscheidung, welche Kleidung die Schüler tragen. Meine 6.Klässler lieben auch ihre Jogginghosen und Leggings und mich stört es nicht. Solange die Kleidung der Schüler sauber ist, denn da gruselt es mich am Meisten – die Hose wird schon die ganze Woche getragen und dann auch noch voller Flecken. Aber wie sagt man das den Schülern am Besten?
    Persönlich habe ich ein größeres Problem mit bauchfrei und Hotpants, aber das ist bei uns an der Schule eh nicht gerne gesehen und die Schüler werden auch von der Schulleitung darauf angesprochen.

    Generell haben wir aber an den Schulen andere Probleme als die Kleiderwahl unserer Schüler, das steht fest.

    Liebe Grüße

  5. Ich finde das Kleidung überhaupt nichts Berufsorientierung zu tun hat. In so vielen Berufen zieht man sich am Arbeitsplatz sowieso um. Und wenn ich diese teilweise häßlen Jeanshosen sehe die aussehen als wurden sie mit der Kettensäge bearbeitet. Kosten viel Geld…und von schön weit entfernt , aber teuer. Meist ist es ja au h so , das sie der Kleidungsstil mit zunehmendem Alter verändert. Die sollen sich mal lieber um eine gute Bildung und genügend Lehrer sorgen und nicht um die Bekleidung. Armes Deutschland.

  6. Ich bin da ganz auf deiner Seite. Die Gesellschaft setzt uns im späteren Berufsleben eh genug Schranken und Vorgaben. In der Schule sollten einem da schon noch mehr Freiheiten bleiben! Und das sag ich, die eine Weile als Lehrerin gearbeitet hat.

  7. Bleibt zu hoffen, dass es im „Dress-Code“ der Gesellschaft mal wieder ein Umdenken gibt. Wenn ich zurückdenke, so war es früher bspw. ein No Go, dass ein Unterziehteil unter Jacke oder Anorak herausschaute, heute ist das in. Oder Knitterlook, heute modern, früher ein NoGo. Oder Jeans im „Abnutzungs/Löcher-Look“, heute gesellschaftsfähig, oder Jackett mit Jeans ( sehr praktsch , mein zweiter Sohn brauchte für den Abi-Ball nur noch ein Jackett neu), ebenso Jackett mit Turnschuhen. Oder Rucksäcke, früher verachtet, heute eine praktisches Dauerassecoire für jedermann ( bis zur Diakonisse), Ich könnte mir vorstellen, dass es auch in Sachen Jogginghosen ein Umdenken geben wird, oder ggfs. „Zwischenformen“, bequem wie Jogginghosen, aber leichte optische Annäherung zu Jeans ( vielleicht Taschenaufnäher oder Nähte oder leicht geänderte Beinabschlüsse oder so ) Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass Kinder ( oder auch Erwachsene) es nur in bestimmten Kleidungsstücken aushalten bzw. es nicht aushalten . Ich gehöre auch dazu, Zeit meines Lebens hasse ich Strumpfhosen, ertrage auch Nylon nur notfallsweise und immer nur ganz kurzzeitig. Im Übrigen finde ich auch, dass Jogginghosen nun wirklich nicht anstößig sind und die Kinder sich darin beweglicher fühlen. Also meine Unterstützung hätte Leo…..;)

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