Plant ihr noch oder lebt ihr schon?

Es wäre doch schön, einen Ausflug zu machen. Im Sommer in den Urlaub fahren wäre toll, aber es ist zu teuer. Vielleicht nächstes Jahr. In zwei Wochen habe ich Zeit, da könnte ich mich mit einer Freundin treffen. Die Wand in der Küche müsste mal wieder gestrichen werden, ich überlege schon welche Farbe. Wenn ich morgen Zeit habe, rufe ich Dich an.

Ihr kennt Sätze wie diese sicher auch, oder? Natürlich gibt es Dinge, die langfristig geplant werden sollten. Wenn ich in eine Wohnung ziehe, sollte klar sein, dass ich mir die Miete auch wirklich leisten kann. Wenn ich ein Kind habe und es in die Kita gehen darf/muss, sollte es rechtzeitig angemeldet werden.

Allerdings neigen viele Menschen auch dazu, ihr gesamtes Leben zu verplanen. Was passiert heute, was morgen, was übermorgen. Mal abgesehen davon, dass die Spontanität auf der Strecke bleiben könnte, lässt dieses Durchgetakte auch wenig Zeit für das echte Leben, für freie Gedanken und den Mut zu kreativen Ideen. Ich bin ein Fan von Dingen, die ich abschätzen kann. Ich mag Sicherheiten und planbare Dinge.

Allerdings lernte ich in den letzten Jahren auch, dass der beste Plan nicht unbedingt aufgehen muss. Ich weiß gar nicht mehr, wie häufig wir zu Hause kurzfristig und spontan alles ändern mussten und Pläne über Bord geworfen haben. Irgendwann plante ich unsere Freizeit einfach kaum noch durch. stattdessen entschieden wir immer spontan, worauf wir Lust hatten.

Wenn es der Wunsch nach Urlaub war, ohne aber das Budget zu haben, wurde es eine Tagestour mit der Bahn an die Ostsee. Morgens hin, ins Meer springen, Eis essen und am Abend zurück. Das Wochenendticket macht so was auch günstig möglich. Wir haben ein Zelt im Garten aufgebaut und Schätze gesucht.

Unsere Kelleraktion, wisst Ihr noch? Die Idee, diesen nahezu komplett auszumisten kam recht spontan. Die Idee, da ein Kletter-Toberaum draus zu machen auch. Und die Wand da unten sowieso. Die Umsetzung jedoch planten wir natürlich. Flohmarktverkäufe sei Dank steht da unten jetzt alles.

Ein fliederfarbene Wand im Wohnzimmer haben wir, weil ich in der einen Nacht nicht schlafen konnte.

Und unser Buch…joar, das ist ähnlich und wenig durchdacht entstanden. Ohne Storyboard und ähnliches.

Je länger wir so lebten, desto mehr merkte ich, wie befreiend das eigentlich ist. weil wir keine To Do Liste im Kopf hatten. Weil wir einfach das taten, auf das wir Lust hatten.

Wir haben viele Dinge nicht mehr verschoben, sondern taten sie dann, wenn uns danach war.

Nun versuche ich, nach wie vor so zu leben. Berufliche Dinge müssen geplant werden, Umgangswochenende von Emma und Papa 1, Klassenfahrten, wichtige Termine natürlich auch. Aber sonst… Sonst geht es weitestgehend ohne.

Hin und wieder ertappe ich mich dabei, über unseren Sommer nachzudenken. Darüber, wohin und ob wir in den Urlaub fahren werden. Ich versuche das so schnell wie möglich abzustellen. Wir haben Lust auf Urlaub. Also gibt es Urlaub. Wie der aussehen wird, weiß ich noch nicht. denn auch spontan mit Koffer einfach in die Bahn/ ins Flugzeug zu steigen ist dank diverser Last Minute Angebote möglich und oft auch günstiger.

Das weniger Gedanken machen, macht den Kopf freier. Es lässt mich besser schlafen, weil ich mir am Abend keine Gedanken darum machen muss, ob alles so klappen wird. Ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern. Natürlich kann ich nicht einfach am Abend unsere vier Wände verlassen, weil ich Lust darauf habe, mich mit irgendwem zu treffen. Aber ich kann spontan zu mir einladen. Manchmal klappt das, manchmal nicht.

Mein Kopf ist voll genug mit organisatorischen Dingen, die sich nicht verhindern lassen. Er ist auch voll mit Gedanken, die manchmal nicht so einfach sind. Ich versuche, ein Stück Spontanität zu behalten, weil es alles soviel leichter und selbstbestimmter machen kann.

Außerdem ist es doch oft so, dass sowieso etwas anderes dazwischen kommt. Früher wollte ich mit Ende 20 heiraten, mit 30 Jahren mein erstes Kind und mit 35 mein zweites. Ich wollte studieren und mega erfolgreich werden Ich dachte immer, dass ein geplanter, gradliniger Weg der beste Weg zum Erfolg sein wird. Nun ist es aber so… ich war 23 Jahre alt, als die Einhornbändigerin zur Welt kam, 28 beim kleinen Batman. Geheiratet habe ich mit fast 33 Jahren und verwitwet war ich kurz vor meinem 34. Geburtstag. Studiert habe ich. Danach noch eine Ausbildung. Und nun die Frage, was mit meinem Job überhaupt passiert, denn eigentlich würde ich unser Geld gern anders verdienen. Uns geht es nicht schlecht, erfolgreich sind wir auch. Nur dass ich letzteres nicht mehr an der Menge des Geldes auf meinem Konto messe.

Pläne sind bestimmt gut, aber nur wenn die Augen dabei offen bleiben, um den eigentlichen Weg nicht zu übersehen. denn der geht nicht immer gerade aus, sondern führt intuitiv.

2 Gedanken zu „Plant ihr noch oder lebt ihr schon?

  1. Liebe Ines,

    ich habe jetzt total Pippi in den Augen. Das trifft meinen Lebensnerv genau! Und dennoch treibt mich mein Perfektionismus phasenweise in alte Muster und Ängste. Gut ab und zu an das Wesentliche erinnert zu werden.
    …Und ansonsten, drückt mir die Daumen…

    Grüße Bettina

  2. Liebe Ines, mit dem Text hast du mich voll erwischt! Genau das ist meine Baustelle. Ich habe auch zwei Kinder und oft genug klappt hier und da was nicht, und die ToDo-Liste der noch ruhenden Arbeiten ist ewig lang… Diese Sponateität, das Leben im Jetzt ist genau das, was ich brauche. Ich werds mir zu Herzen nehmen. Danke dir! 🙂
    Liebe Grüße.

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