22/25 Happy Hochzeitstag mein Held im Himmel

Mein lieber Simon,

Heute ist unser 22. kleiner Hochzeitstag. Das bedeutet, dass wir in zwei Monaten unseren 2. „richtigen“ und großen Hochzeitstag haben werden. Das bedeutet aber auch, dass wir in 3 Monaten das Ziel, unsere „Silberhochzeit“ erreichen werden. Seltsam irgendwie, findest Du nicht?

Am 22.6.2017 standen wir im Standesamt. Allein, nur zu zweit. Es war fast magisch irgendwie und dennoch zählt für uns der Tag unserer freien Trauung mehr. Du im Frack, ich im weißen Kleid. Trotzdem tragen wir seit diesem Tag den gleichen Nachnamen. Als wir am 24.6.2017 während unserer freien Trauung unter unserem Bogen standen, wirkte alles so, als könnte uns der Rest der Welt egal sein. Und im Grunde war es das auch. Die Welt hielt kurz an, extra für uns. einige Monate später hat Kunibert dafür gesorgt, dass Du hin und wieder vergessen hast, dass wir überhaupt geheiratet haben. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie viele Anträge Du mir dann gemacht hast. Geehrt gefühlt habe ich mich jedes Mal, in Erinnerung geblieben aber ist der erste, der Echte. Der, den Du mir gestellt hast, nicht Kunibert.

Während unserer Trauung hörten wir auch den Satz „Bis das der Tod Euch scheidet“, erinnerst Du Dich. Wir beantworteten diese Frage mit ja, denn genauso war der Plan. Ein Jahr und zwei Wochen später bist Du in den Himmel gezogen. Warum aber hat uns Niemand erzählt, was zu tun ist, wenn der Tod uns geschieden hat? Was darf sein und was nicht? Wie geht’s weiter? Und was darf ich fühlen und was nicht?

Diese Frage hörte sich so an, als ob nach dem Tod plötzlich alles vorbei ist. Die Ehe, das Uns, der gemeinsame Nachname. An Deinem Baum steht aber der gleiche Name wie an unserem Klingelschild. Du bist mit einem anderen Nachnamen geboren als Du gestorben bist. Unsere Ehe, das Uns ist ebenso wenig vorbei. Ich glaube, dass sich mein Inneres der Außenwelt öffnet und dennoch möchte ich Dir sagen, dass ich immer mit Dir verheiratet sein werde, auch wenn es eine andere Art der Ehe ist.

Das was wir mit Dir erleben durften hat uns geprägt und kann daher gar nicht vergessen werden. Ich möchte es auch gar nicht. Vor zwei Jahren um diese Zeit sind wir durch die Hölle gegangen. Vor einem Jahr, brannten die Flammen noch stärker und es wurde ganz deutlich, dass sie nicht verglimmen werden. Und dennoch gab es so viele Momente, die ich nicht missen möchte.

Unser Leben ist ein anderes geworden. Selbstbestimmter irgendwie. Deines hier auf Erden ist vorbei aber ich bin mir sicher, dass dort wo Du jetzt bist auch alles etwas leichter ist.

Im Moment denke ich wieder öfter an Dich, vor allem an unsere letzten Monate. Gleichzeitig aber geschieht etwas tief in mir drin, dass dafür sorgt empfänglicher und bereiter für viele neue Erfahrungen zu werden. Beides ist recht kontrovers und geschieht trotzdem zeitgleich. Ich glaube, dass das normal ist, oder? Es fühlt sich ein wenig so an als würdest Du mich ein weiteres Mal wachsen lassen. Ich danke Dir dafür.

Mein geliebter Held, bald werden die Heldenkinder und ich für einen Kurzbesuch zur Ostsee fahren. Wir werden unseren Lieblingsstrand besuchen und ein Eis für Dich mitessen. Der Sand in meinen Schuhen reicht bestimmt für uns Beide, mach Dir keine Sorgen. Ich werde unseren Kindern sagen, dass sie mit den Füßen ins Wasser dürfen, wohlwissend, dass es nur wenige Minuten dauern wird, bis Beide klatschnass sind. Wie immer. Du kennst das ja. Dieses Mal aber werde ich genug Wechselklamotten mitnehmen.

Vor zwei Jahren, kurz nach unserer Hochzeit waren wir das letzte Mal dort. Auch nach Deinem Sieg über Kunibert, sind unsere Kinder und ich nicht dort gewesen.

Wir schicken Dir ein (ökologisch abbaubaren) Luftballon mein Held, mit verschmierten Eisküssen darauf.

Wir sehen uns heute Abend, auf unseren Schaukelstühlen. Mach es Dir hübsch im Himmel, sei laut und wild.

Rock den Himmel mein Held

(Alle Hochzeitsfotos sind von Honeymoonpictures, unbezahlte Werbung, aber Janina ist grandios!)

3 Gedanken zu „22/25 Happy Hochzeitstag mein Held im Himmel

  1. Liebe Ines,
    das mit dem „kontrovers und zeitgleich“ bei den Gefühlen ist völlig normal. Es bringt einen manchmal durcheinander und ich hab mich oft gefragt, ob bei mir was nicht normal ist. Ist aber alles normal. Versuch, Dir zwischendurch Zeit zu nehmen, damit das alles sacken kann. Leicht gesagt mit zwei Kids, ich weiß.
    Mach so weiter, das klingt alles wirklich ganz gut und richtig so.

    Liebe Grüße
    Susanne

  2. Meine Mama sagt immer: „Ich bin keine Witwe, ich bin die Frau eines Mannes mit Flügeln.“ Finde das dieser Satz auch zu dir und zu diesem Text passt 🙂

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