World Blood Cancer Day

Heute Morgen bin ich aufgestanden. Meine Augen waren verquollen und dick. Weil ich wie immer zu wenig geschlafen habe. Mein Rücken tut weh, weil das Sofa nicht bequemer wird.

Heute Morgen nörgelte der kleine Batman, warum ich diese bunten Zuckerringe aka Cornflakes immer mit „gesunden Pappdingern“ mische. Gleichzeitig verbrannte ich mir die Zunge, weil der erste Kaffee noch viel zu heiß war, als ich ihn trinken wollte. Ich blicke mich um und sehe das pure Chaos, die Tatsache, dass ich erst gestern aufgeräumt und geputzt hatte, kann man nicht mal mehr erahnen. Leo möchte mehr Zuckerringe und findet, dass ich die gemeinste Mama der Welt bin, als ich dies ablehne. Und sowieso, auf Zähneputzen hat er auch gar keine Lust.

Ich fliehe in den Garten. Frische Luft und der Versuch, dem alltäglichen Morgenwahnsinn zu entfliehen. Ich bin müde. Ich bin erschöpft und das, obwohl der Tag grade erst angefangen hat.

Heute ist aber auch Weltblutkrebstag. Ich blicke in den Himmel, sage unserem Helden Guten Morgen und dass ich ihn vermisse. Gleichzeitig wächst in mir das Gefühl, dass ich dankbar sein sollte. Dankbar dafür, dass ich überhaupt in der Lage bin, jeden Morgen aufzustehen. Das ist ein Privileg und alles andere als selbstverständlich. Genauso wenig selbstverständlich ist es, dass meine Kinder jeden Morgen aufstehen und unser Zuhause überhaupt in ein Schlachtfeld verwandeln können. Sie jammern nach mehr Zuckerringen, weil sie diese überhaupt essen können und nicht in einem Bett liegen, von Nebenwirkungen viel zu vieler Medikamente gepeinigt.

Uns geht es gut, wir sind gesund und vergessen die Tatsache nur zu gern, dass sich dies zu jeder Zeit ändern kann.

Heute ist Welt Blut Krebs Tag. Und grade heute sollte jeder von uns dankbar für so viele Dinge sein. Dinge, die für uns selbstverständlich sind, für andere aber unerreichbar.

Wir leben in einer Welt, in der Menschen zum Mond fliegen können. Gleichzeitig aber sterben jedes Jahr unzählige Blutkrebspatienten. Teilweise weil der beste medizinische Fortschritt bis heute nicht ausreicht. Weil Medikamente nicht genug helfen. Zum Teil aber auch, weil es noch immer nicht möglich ist, für jeden Patienten den genetischen Zwilling zu finden. Eine Stammzellspende wäre für unseren Helden eine große Chance gewesen, eine Chance, die ihm hätte ermöglichen können, diesen Sommer die Schultüte des kleinen Batman zu tragen. Es hätte ihm ermöglichen können, zu sehen, wie die Einhornbändigerin ihr erstes Feuer in der Jugendfeuerwehr löscht. Es wäre eine Chance gewesen, kein Garant. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich selbst medizinisches Fachpersonal oft nicht mit dem Thema Stammzellspende und Blutkrebs auseinandersetzt. Ich verurteile das nicht, ob ich es verstehe, steht dann aber auf einem anderem Blatt.

Ich fange jetzt nicht erneut an, über die Dringlichkeit dieser Themen zu sprechen, stattdessen möchte ich Euch daran erinnern, gut auf Euch zu achten. Geht bei Veränderungen zum Arzt, achtet auf Euch und Eure Lieben. Unterstützt Betroffene. Blutkrebs gibt es überall, in jeder Altersklasse und sozialen Schicht. Es ist vollkommen irrelevant, ob Ihr 2 Jahre oder 75 Jahre alt seid. Es ist egal, ob Ihr ein Eigenheim mit Garten, Pool und zwei Autos habt oder in einer Plattenbausiedlung mit staatlicher Unterstützung lebt. Kunibert interessiert das nicht, so überhaupt gar nicht. Er will Euch fressen, ganz und gar.

Passt auf Euch auf Ihr Lieben!

Heute ist der World Blood Cancer Day. Ich denke an unseren Helden und hoffe, dass er Jamie, einen kleinen Jungen, an die Hand genommen hat, damit er nicht so alleine ist. Ich hoffe, dass die Zwei auf ihrer Wolke sitzen, Kuchen essen und irgendwo ein Eis mit Streuseln finden. Ich wünsche mir, dass es ihnen im Himmel besser geht und dass sie die beste Regenbogenrutsche aller Zeiten gefunden haben.

Ich denke heute auch besonders an Sabrina. Sie liegt zusammen mit ihrem Kunibert im Moment auf der Intensivstation. Sie liebt Einhörner und ich wünsche ihr die Möglichkeit, hier auf Erden eines suchen zu können. Ich bete jeden Tag dafür, dass es ihr gelingen wird, Kunibert hinter sich zu lassen und gesund zu werden. Ich hoffe und drücke ihr alle Daumen und großen Zehen, dass sie den Mittelfinger heben kann und mit gehobenem Kopf die Klinik verlassen wird. Gesünder, mit Kraft im Körper und Mut im Geist. denn Cancer is an Asshole.

Ich denke heute auch an Carlos. Ein kleiner Held, der seinen Kunibert dank einer Stammzellspende zum Teufel gejagt hat. So klein und doch so kraftvoll. Ich wünsche ihm, dass das für immer so bleiben wird, er seinem kleinem Bruder zeigt, wie das mit dem Superheldending so funktioniert. Ich wünsche ihm viele Geburtstage, noch mehr Eis mit bunten Streuseln, tolle Erlebnisse und sonnige Stunden.

Ich denke heute aber auch besonders an die Heldeneltern, an den Heldenbruder und seine Familie. Denn nicht nur die Heldenkinder und ich sind übrig geblieben, sie sind es auch. Sie kannten Simon deutlich länger als ich. Sie haben ihn aufwachsen sehen, seine Schultüte getragen und den ersten Liebeskummer miterlebt. Letztes Jahr aber haben sie Blumenblätter und Konfetti in das Erdloch geworfen, in dem Simons Erinnerungskapsel also seine Urne vergraben ist. Das ist nicht richtig. Und dennoch laufen sie aufrecht, jeden Tag stehen sie auf.

Ihr Lieben, bleibt gesund und denkt vielleicht heute ab und an an diese furchtbare Erkrankung und vor allem auch an die, die mit ihren Folgen leben.

Ihr alle seid Helden und ich ziehe meinen Hut. Ganz ehrlich.

Ganz viele Luftballons für jeden von Euch.

2 Gedanken zu „World Blood Cancer Day

  1. Und ich ziehe den Hut vor Dir und Deinen Kindern! Ihr seid so tapfer und mutig und ein Vorbild für Erkrankte, Angehörige und alle anderen, die diese Themen am liebsten (und verständlicherweise) verdrängen. Ihr gebt der Erkrankung Eures lieben Simons einen Sinn, wo keiner ist, indem Ihr für andere Betroffene kämpft und Ihnen auf diese Weise vielleicht Chancen eröffnet auf Heilung und Zukunft. Vor dieser Haltung, diesem Engagement verneige ich mich.

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