Ich bin dann mal weg

Vor etwa zwei Wochen habe ich eine E-Mail bekommen, in der ich zögerlich gefragt worden bin, ob ich zum Leukämien und Lymphomekongress in Kassel kommen möchte. Ohne Funktion, also ich bin dort Gast und muss nix machen.

Ich habe mir das Programm angesehen. Es gibt viele Vorträge unter Anderem auch über das Multiple Myelom, neue Behandlungsansätze von Leukämie und Ähnliches. Samstagnachmittag wird es ebenso einen Vortrag für Angehörige von Patienten geben.

Ich weiß nicht warum und ich weiß auch nicht ob das sonderlich clever ist, aber ich werde an dieser Veranstaltung am Wochenende teilnehmen. Zum Einen befinde ich mich im Moment in einer Dauerschleife „letztes Jahr um diese Zeit…“ und ich hoffe durch diese Tage wieder etwas mehr zur Realität zurück zukommen. Zum Anderen interessieren mich neue Behandlungsansätze. Das Multiple Myelom/ Blutkrebs/Knochenmarkkrebs haben unser Leben 2012 schlagartig verändert. Tod und Leben standen damals so eng nebeneinander, dass kein Blatt Papier dazwischen gepasst hat. Ich meine behaupten zu können, dass ich mich inzwischen recht gut auskenne und auch das eine oder Andere Mal von Euch etwas dazu gefragt werde. Ich sehe es als eine Art Weiterbildung; für mich, für mein Hirn und auch um Euch einige Fragen besser beantworten zu können. Um mir manche Fragen besser beantworten zu können.

Ich bin von Freitagabend bis Sonntagmittag dort. Die Einhornbändigerin ist seit Heute mit Papa 1 bei der Bayernoma. Der kleine Batman schläft bei seinem besten Freund. Um Haus und Hunde kümmert sich weltbeste Patentante. Danke an alle, dass das so kurzfristig funktioniert hat.

Ich kenne weder in Kassel noch auf dem Kongress irgendwen. Wobei nicht ganz. Ein paar DKMS Mitarbeiter sind vermutlich auch dort, vielleicht sehe ich sie. Aber sonst, bin ich allein vor Ort. Ohne Aufgabe, nur weil es mich interessiert. Nur weil ich die Realität suche.

Ich aber bin dennoch ganz gespannt und so sehr ich meine Heldenkinder auch liebe, bin ich dankbar an diesen Tagen nur die Verantwortung für mich selbst tragen zu müssen.

Vielleicht finde ich ja eine Eisdiele. Und bunte Streusel. Wer weiß.

6 Gedanken zu „Ich bin dann mal weg

  1. Gerade bei Dauerschleifen wirkt ein Tapetenwechsel Wunder und wenn man keine Bekannten trifft, unterhält man sich eben mit Unbekannten. In diesem Rahmen gibt sicher viele Leute mit Gemeinsamkeiten.
    Wenn Zeit dafür bleibt, schau Dir unbedingt den Herkules an- eine tolle Anlage!

  2. Liebe Ines, ich hab schon lange nicht mehr geschrieben, fühle mich Dir aber durch deine Texte sehr verbunden.
    Deine Trauer, deine Verletzlichkeit und deine Stärke sind wahnsinn!
    Vielleicht sehe ich es falsch, aber diesmal möchte ich mich mitteilen.
    Du schreibst, dass du zum Kongress fährst, um zur Realität zurück zu kehren.
    Ich verstehe eine Reise, eine kinderfreie Zeit, aber ich blicke anders darauf, dass du durch einen Krebskongress zur Realität zurück kehren kannst! Wäre es nicht besser, Kunibert Kunibert sein zu lassen und dich nicht unentwegt weiter mit dieser bösartigen Krabbe zu beschäftigen?
    Ich mein das nicht böse und will auch nicht besserwisserisch klingen, das ist nur das, was mir durch den Kopf geht!
    Vielleicht ist sowas auch genau das was du brauchst und nur ich blicke da anders drauf!

    1. Für mich ist es eher ein Treffen zum Informationsaustausch und auch um andere Menschen zu begegnen, die genau wissen wovon ich rede. Denn so wirklich nachvollziehen kann unsere Situation vermutlich nur jemand, der ähnliches erlebt hat

  3. Liebe Ines!
    Ich bin in Kassel geboren, da gibt es jede Menge gute Eisläden für Eis mit bunten Streuseln. Auch viele Parks und viel grün, vor allem am Fluß, der Fulda. Die Dauerschleife mit „letztes Jahr um diese Zeit“ kenne ich noch gut. Und in den ersten Jahren versteht Dich niemand besser, als Menschen, die das Gleiche erlebt haben. Ich hatte in der Zeit eine tolle Trauergruppe (lauter jüngere Frauen, alle mit Kind), ich hab das eine Zeit lang gebraucht.
    Dieses Jahr hab ich zum ersten Mal Jahrestage nicht so beachtet oder sogar vergessen. Nur ein subtiles, körperliches Unbehagen hat mich daran erinnert. Aber es ist bei uns auch schon 13 Jahre her und wir wohnen auch nicht mehr in unserem gemeinsamen Haus.

  4. Liebe Ines,
    ich finde es gut das du zu dem Kongress fährst.
    Zum einen weil ich glaube,wenn man sich mit den Dingen auseinander setzt kann man Sie besser verstehen.
    Und manchmal hat man auch weniger Angst vor Ihnen.
    Verdrängung oder aus dem weg gehen lässt innerlich viele Dinge aufstauen,die einen irgendwann einholen.
    Und als Mama weiss ich das auch eine Kinder Auszeit mal schön ist,im Sinne von mal ganz bei sich sein zu können.
    Ich bin gespannt was Du berichtest und wünsche Dir eine Gute Zeit dort.
    Fühl Dich gedrückt😘

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