Und jetzt?

Ihr Lieben, es ist unfassbar aber unser Haus ist langsam wieder bewohnbar. im Laufe der Woche bekommt ihr ein Update. Zumindest hat das Projekt „eine Wand ziehen, neuer Fußboden, Zimmer rotieren und drei Zimmer sind nun völlig anders“ in zwei Wochen tatsächlich geklappt. Zwischendurch hat mich mein Körper ordentlich lahmgelegt und in die Schranken gewiesen, fertig geworden ist es trotzdem.

Unser Wohnzimmer ist nahezu Kistenfrei und seit Gestern auch wieder einigermaßen aufgeräumt. Aber was jetzt? Das Gefühl der Erleichterung stellt sich noch nicht ein. stattdessen saß ich gestern Abend auf dem Sofa, sah mich um und…nix. Rein Gar nix. Es fehlte dieses zusammen freuen, wisst ihr was ich meine? Dabei geht es gar nicht all zu sehr um unseren Helden, viel mehr um die Tatsache dass Niemand da ist mit dem ich zusammen durchatmen kann.

Während der Umbauphase vermisste ich unseren Helden mehr denje. Ich vermisste mein altes Leben. Nach und nach strich ich mit Wandfarbe die Souren über. Unter unserem Bett lagen sogar noch Kartons mit kleinen, medizinischen Hilfsmitteln, die ich zur Pflege brauchte. Die hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Ein Teil davon war noch original verpackt, da unser Held bei der Lieferung bereits in der Klinik lag. Bei jeder Schraube in der Wand zögerte ich, bevor ich sie heraustat. Simon war überall. immerzu. Es war wie ein erneutes Abschiednehmen.

Jetzt ist fast alles fertig. Jetzt vermisse ich mein altes Leben immer noch. Sehr. Ich vermisse dieses Gemeinsame. Ich suchte Fotos für die Fotowände der Kinder raus. Und fand dabei auch solche, die uns alle 4 in Gammelklamotten auf dem Sofa zeigte. Simon und ich umklammerten unsere Kaffeetassen und versuchten wach zu werden. Gammelklamotten trage ich immer noch, in den letzten zwei Wochen besonders häufig. Aber die Morgenstunden am Wochenende sehen nicht mehr so aus.

Abgesehen von diesen alltäglichen Dingen, die für mich im Moment nahezu unerreichbar fern zu liegen scheinen kann ich mich nur wenig über das Ergebnis unserer Umbausaison freuen. Ich kann kaum sagen warum, teilweise stand ich Nachts in irgendeinem Zimmer und habe da rumgeräumt, wenn ich tagsüber zu nichts kam. Jetzt sitze ich hier, lebe in einem Haus dass so ganz anders aussieht als vor zwei Wochen. Das ist gut. Ich will das so. Und dennoch kann ich mich nicht freuen. Weil alleine freuen keinen Spaß macht. Natürlich zeige ich das Ergebnis meinen Freunden sobald alles passt, aber dann bin nur ich es die erklärt was wie lange gedauert hat und welches Schnäppchenglück das „neue“ Second Hand Sofa der Einhornbändigerin ist.

Das ist einer dieser Momente in dem mir die Einsamkeit ein Bein stellt, ganz gemein und hinterlistig. Dabei spielt es auch keine Rolle wieviele Menschen währenddessen bei mir sind. Denn die frühen Stunden am Sonntagmorgen und die Abende bin ich dann trotzdem allein.

Ich vermisse aber auch dieses „genervt sein dürfen“, wisst ihr was ich meine? Jemand der da ist und das aushält oder auffängt. Ach ich weiß auch nicht. Das Haus ist fast fertig. Ich bin es aber auch. Ich weiß dass es wieder besser werden wird. Aber jetzt bin ich fertig. Und Müde. Und irgendwie auch gefrustet.

Ich vermisse beständige Konstanten in meinem Leben. Diese wirken wie Sicherheitsnetze. Es ist ja nicht mal so, dass es diese Konstanten nicht gibt, aber wie ich an anderer Stelle bereits gesagt habe, sorge ich grade selbst dafür, dass diese Konstanten wackeln. Das ist kacke. Das weiß ich.

Luxusprobleme, ich weiß. Jammern kann ich.

5 Gedanken zu „Und jetzt?

  1. Jammern hilft 🍀Alles wird gut….Toll was du mal wieder geschafft hast 💪Bald wird sich jemand erschöpft mit dir auf die Couch fallen und ihr redet über den ganzen Stress den ihr hattet….Da bin ich mir ganz sicher❤❤❤

  2. Auch ein Neubeginn braucht seine Zeit. Nach dieser Rackerei brauchst Du jetzt eine Pause, gönn sie Dir, dann schleicht ganz gemächlich auch wieder die Freude in Euer Haus! Liebe Grüße aus der alten Heimat!

  3. Liebe Ines
    Das ist ganz sicher kein Luxusproblem…
    Mal wieder sprichst Du mir aus tiefster Seele.
    Denn genau so ist…wenn wir tagsüber Leute um uns herum haben, bricht am Abend doch alles zusammen, oder nachts, dann empfinde auch ich das alleine sein doppelt und dreifach schwer. Und Veränderungen im Haus sind gewaltige Einschnitte, denn wir erleben Sie nur noch “ allein „, das macht Dein Gefühl auch so verständlich.
    Ich lasse auch gerade wieder etwas am Haus machen und es hat mir drei schlaflose Nächte beschert und das ,wo ich ohnehin kaum noch schlafen kann.
    Auch ich freue mich über diese Veränderungen kaum, sie sind nötig mehr nicht.
    Erlebt hätte ich Sie gerne mit ihm.
    Dieses neue Leben macht mir noch keinen Spass.
    Ich umarme Dich ganz doll.
    Dani

  4. Liebe Ines, dass allein sein tut in diesen Momenten am dollsten weh. Man möchte seine Leistung teilen über blaue Flecken lachen und gucken wer mehr hat ! Das ist so…leider… und nur schwer auszuhalten. Die dauernde Müdigkeit und das dunkle Wetter tun sein übriges.
    Ich kann dir nur wünschen, dass du das noch aushälst und……irgendwann scheint morgens die Sonne herein und macht alles ganz warm und wieder weich…dann heilt es ein bisschen.
    Fühl dich gedrückt. Sabine

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