Wie ist das denn eigentlich mit zwei Schulkindern

Seit dem 10. August wohnen in unserem Haus zwei Schulkinder und ich habe das Gefühl, dass beide Kinder seit dem einen großen Sprung gemacht haben.

Die Einhornbändigerin geht nun in die 5. und der kleine Batman in die erste Klasse. Emma ist deutlich und ganz in der Pubertät angekommen. Aber auch der kleine Batman ist gewachsen und das nicht nur äußerlich. Er kam in eine Klasse in der er Niemanden kannte. Aus seiner Kitagruppe wurden nur wenige Kinder eingeschult und ich entschied mich dagegen dass er zusammen mit seinen zwei Cousinen in eine Klasse kommt. Damit wollte ich verhindern, dass sich die Kinder untereinander in ihren Leistungen vergleichen. Daher war Leo „allein“. Am Anfang hatte ich große Bauchschmerzen. Bis vor zwei Jahren war der kleine Batman ein eher introvertiertes, sehr schüchternes Kind. Nachdem unser Held im Sommer 2018 starb, veränderte sich nicht nur unser Leben, sondern auch die Kinder. Allerdings wurden beide selbstbewusster, mutiger und kamen mehr aus sich heraus. Vermutlich lag es an der nicht mehr vorherrschenden, permanenten Angst, die die Kinder plötzlich freier hat werden lassen.

Der Heldensohn geht, wie auch Emma früher in eine Klasse, die Jahrgangsübergreifend lernt. Das bedeutet in diesem Fall, dass Kinder vom 1.-3. Jahrgang zusammen in einer Klasse sind. Dieses System ist häufig umstritten. Allerdings machen die Lehrer an dieser Schule es aus Überzeugung, nicht weil sie müssen. Jedes Kind wird dort abgeholt wo es steht und es gibt keine starren Pläne, die für alle Kinder gleich sind.

Die Einhornbändigerin geht seit Jahrgang 4 in eine Homogene Klasse, also nur 4.Klasse. Der Umstieg dauerte etwas, klappte aber. Allerdings finde ich ihre Lehrerin so semi gut. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die erste Woche in der Schule und vor allem im Hort viel dem kleinem Batman sehr schwer. Viele neue Menschen, eine noch lautere Umgebung als in der Kita. Der kleine Batman hielt sich oft die Ohren zu. Inzwischen ist das kein Problem mehr. Der kleine Batman findet sich zurecht, hat sogar Freunde gefunden und geht im Grunde gern zur Schule. Auch das Durchhalten einer Schulstunde scheint zu funktionieren. Am liebsten macht er Mathe und Sport. Das lag ihm schon immer. Deutsch ist nicht so seins, Lesen lernen findet er anstrengend und der Heldensohn hat oft keine Lust aufs üben zu Hause.

Bisherige Verluste gibt es spannenderweise nicht. Noch ist nichts verloren gegangen. Da hatte ich mit Anderem gerechnet.

In dieser Woche war der erste Elternsprechtag der Batmanklasse. Ich war so gespannt was seine Lehrerin zu erzählen hatte. Hält er eine Unterrichtsstunde durch? Lässt er sich leicht ablenken? Wie ist sein sozialer stand in der Klasse. Das Resultat des Gespräches…alles ist gut. der kleine Heldensohn ist sehr wissbegierig, fragt bei Unklarheiten nochmal nach und lässt sich helfen. Eine Schulstunde hält er durch und mit den anderen Kindern in seiner Klasse kommt er gut zurecht. Er ist zuverlässig und lässt sich nicht so schnell endmutigen. Nur an der Tatsache, dass seine Hefte und die Schulbank nicht dazu dienen, bemalt zu werden sollte er noch verinnerlichen. Lesen ist nach wie vor nicht seine Lieblingsbeschäftigung trotzdem schreibt er erste Worte richtig und erkannte im ersten Lesetest nahezu alle Anfangslaute richtig. (ein Affe hat ein A am Anfang usw)

Er hat Freunde gefunden, findet sich im Hort super zurecht und weiß was wo hin muss. Der aber fast wichtigste Satz: „Es gibt aktuell keinen Anhalt für einen benötigten Förderschwerpunkt/Status.“ Thanks God!

Ich hätte nie gedacht dass Leo diesen Übergang so gut meistern wird und machte mir ständig Gedanken, weil er ja doch in manchen Dingen so seinen Eigenarten hat, die nicht Jeder zu schätzen und händeln weiß. Aber ich bin seine Mutter, Eigenarten sind da schon fast vorprogrammiert. Ihr wisst schon.

Ein Gespräch auf Grund des Schulverhaltens der Einhornbändigerin hatte ich in dieser Woche übrigens auch. Sie zeigt sich im Moment ordentlich pubertär. Nichts desto trotz hat auch Emma eine riesige Entwicklung hinter sich. Im Laufe des letzten Jahres ist sie in jedem Schulfach um mindestens eine Note besser geworden. In Mathe sogar zwei. Sie zeigt sich deutlich selbstbewusster und hat Anschluss in der Klasse. Für die Einhornbändigerin sehe ich mich grade nach weiterführenden Schulen um. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, geht das in Berlin zum Glück erst ab Klasse 7 los. Sie wird auf kein Gymnasium gehen, weil ich denke dass sie mit diesem enormen Druck nicht umgehen kann. Es wird eine Sekundarschule, vermutlich sogar eine Freie. Die neben den Standartfächern auch andere, Praktische und Lebensnahe Fächer anbietet. Diese Mischung finde ich super. Zumal die Klassen nur halb so groß sind, wie an andern Schulen. Und ja, freie Schule bedeutet Privatschule. Das wiederum bedeutet Schulgeld. Dieses aber ist gestaffelt nach dem Einkommen der Eltern, also von mir. Ich kenne die mögliche Summe und denke dass es machbar wäre.

Alternativen gibt es nicht. Die Sekundarschule in der Nähe ist wahnsinnig verrufen und och bin mir sicher, dass meine Tochter dort nicht gut aufgehoben wäre. Die anderen, staatlichen Schulen sind zu weit weg und Emma hätte eine Stunde Schulweg oder gar mehr. Aber dazu komme ich an anderer Stelle zurück.

Das Leben mit zwei Schulkindern, wovon eines ein Schulanfänger ist und das Andere in der Pubertät ist manchmal etwas anstrengend aber ich bin so, so froh dass es zu funktionieren scheint.

Ein Gedanke zu „Wie ist das denn eigentlich mit zwei Schulkindern

  1. Liebe Ines, ich bin immer wieder begeistert, wie reflektiert Du von den Kids und ihrem Leben berichtest, mit allen Vor- und Nachteilen, Du die positiven Dinge hervorhebst, die negativen aber auch nicht verschweigst, das macht euch so echt, so lebendig.
    Ich bin schon angespannt, was das nächste Schuljahr angeht. Dann auch mit einer Erstklässlerin und einer Fünftklässlerin (was bei uns den Schulwechsel inkludiert). D.h. für uns 2x neue soziale Kontakte, 2x neue Schulen und Lehrer, 2x neue Situationen. Und das mit einer Großen, die auch schon auf gutem Weg in die Pubertät ist, die die ersten Anzeichen schon deutlich zeigt. Da hab ich schon echt Respekt davor. Da ist es schön zu lesen, dass das anderen auch so geht und dass man es sich durchaus auch schwerer vorstellt, als es vielleicht am Ende ist.

    Alles Liebe! Nicole

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