3 Jahre später oder auch; Happy Hochzeitstag in den Himmel

Lieber Held,

letzte Woche hätten wir unseren 3. Hochzeitstag gefeiert. Wir hätten. Wir haben aber nicht. Seit 3 Jahren aber tragen wir den gleichen Nachnamen. Auch wenn ich nie wirklich wissen werde, wie sich ein echter Hochzeitstag mit Dir hätte anfühlen können, so weiß ich dass zumindest unserer Nachname der Gleiche geblieben ist. Diese Tatsache zeigt doch auch, wie sehr uns unsere Jahre als Team zusammengeführt haben, meinst Du nicht?

2017 haben wir geheiratet. Recht spontan. 6 Wochen Vorbereitungszeit. Ohne die Unterstützung eines großartigen Mannes wäre es gar nicht zu diesem Termin gekommen, denn zunächst hieß es von jedem Standesamt dass es zeitnah keine freien Termine gäbe. Und plötzlich klappte es dann doch.

Lieber N.K. vielen Dank an dieser Stelle.

Auch sonst war unsere Hochzeit eine Aneinanderreihung glücklicher Umstände und Zufälle. Und das in einer Zeit, in der wir nicht wussten ob es überhaupt zu einem ersten Hochzeitstag zu Zweit kommen würde. Mit unendlich viel Glück bekamen wir einen freien „Termin“ in einer grandiosen Hochzeitslocation. Mit noch mehr Glück gerieten wir dabei an die weltbeste Inhaberin, die so manches Wunder wirklich machte. Wir konnten Erinnerungen einfrieren, weil wir eine unfassbar gute Fotografin mit dabei haben durften. Sie kam einfach so. Ganz viel Deko haben wir selbst gemacht und uns etwas für die Gastkinder überlegt. Gute Freunde überlegten sich kleine und gigantische Überraschungen. Sogar eine Hochzeitszeitung gab es .Viele, viele Menschen begleiteten den Tag unserer freien Trauung und der Feier danach. All das nach nur knapp 6 Wochen Planungszeit.

Zum Standesamt aber sind wir allein gegangen. Naja wir und N.K. Denn ohne ihn hätte es diesen Termin gar nicht gegeben. Auf dem Papier hieß dies „Nothochzeit“, weil kurzfristig und Hättest Du nicht mehr ins Standesamt gehen können, wäre die Standesbeamtin dorthin gekommen, woauch immer Du gewesen wärst. Unsere Fotos der standesamtlichen Trauung machten wir in einem Fotoautomaten des naheliegenden Shoppingcenters.

All das war ziemlich verrückt. Alles absolut surreal. Alles etwas irre. Ein Nothochzeit war es für uns aber nicht. Nicht für Dich. Nicht für Mich. Für Niemanden. Wir wollten es einfach tun um uns nicht alles von Krabbe Kunibert vorschreiben zu lassen. Wir dachten nicht an irgendwelche Absicherungen, Steuervorteilen oder sonst was. Denn ganz im Ernst, von all dem hatte ich nicht die geringste Ahnung. Wir dachten an ein weißes Kleid, an einen Frack, an Superhelden, an Blumenbatmen, an Blumenmädchen, an leckeres Essen und einer Party, die seines Gleichen suchen sollte.

Es war unser Tag, der ohne massive Unterstützung Niemals nie so toll geworden wäre. Du warst totkrank und dennoch hatten wir so viel Glück in dieser Zeit. Nicht Kunibert bestimmte unser Leben, sondern wir selbst.

Ein Jahr und zwei Wochen später bist Du gestorben. Erwartet und doch plötzlich. Mit einer Unterschrift und deinen letzten Worten in meinem Ohr habe ich Dich ziehen gelassen. Ich habe Dir Lebewohl und gute Träume gewünscht. Wir feierten unseren Hochzeitstag monatlich. 12 haben wir geschafft, 25 hatten wir uns gewünscht. Einen richtigen Hochzeit verbrachten wir zusammen. Ich besuchte ich an diesem Tag in der Klinik. Du wusstest nicht mehr dass Du verheiratet warst, Du wusstest nicht mehr dass Du Kinder hattest. Du wusstest aber, dass ich irgendeine Rolle in Deinem Leben spielte. Naja zumindest meistens 😊 Du hast mir an diesem Tag mehrfach einen Heiratsantrag gestellt, gesagt dass wir heiraten werden sobald Du aus der Klinik entlassen wirst. Du hast davon erzählt eine Familie gründen zu wollen, ein Haus zu bauen und dass wir auch über einen Hund nachdenken könnten. Dein Hirn war bereits auf weit weg und spielte Dir viele streiche. An unserem ersten Hochzeitstag aber war das eigentlich ganz gut so. Ich behielt mein Geschenk für Dich in meiner Tasche, erzählte Dir nichts von unserem Jubiläum. Stattdessen erzählten wir uns gegenseitig, was die Zukunft wohl für uns bereithalten würde. Es war ein wenig wie eine Art Traumreise.

An diesem Abend ging es mir nicht gut, wie sehr hatte ich mir gewünscht wenigstens einen richtigen Hochzeitstag mit Dir feiern zu können. Inzwischen aber weiß ich, dass wir genau das getan hatten. Manchmal dauert es etwas einfach etwas länger, bis ich etwas verstehe, bitte entschuldige. Du hast mir am 24.6.2018 von Deinen Träumen erzählt, von Dingen die Du machen magst wenn Du wieder Zu Hause bist; eine Familie Gründen,heiraten, einen Baum pflanzen, eine lange Schiffstour machen, einen Hund anschaffen , erfolgreich im Job sein und ein Haus bauen. Und weißt Du mein Held, fast alles von dem hattest Du bereits getan. Das wovon dein müdes Hirn geträumt hat, all das passierte bereits. Nagut, ein Haus gebaut hast Du nicht und die Schiffstour klappte leider auch nicht mehr, aber sonst…

Dass Du die Dinge vor zwei Jahren nicht in deinem Kopf hast abrufen können, heißt nicht dass Du sie vergessen hast. Ich bin inzwischen so, so dankbar zu wissen was Du hättest tun wollen, wenn Du die Klinik nochmal verlassen hättest. Das ist doch auch fast ein Hochzeitsgeschenk. Ich dank dir dafür.

Noch etwas mehr als eine Woche und du bist zwei Jahre tot. Ein  knappes Drittel meines Lebens waren wir zusammen. Wir waren 12 Monate und zwei Wochen verheiratet. Der gleiche Nachname aber bleibt. Liebster Simon, wir ziehen in unterschiedlichen Ebenen und Welten umher. Und ich glaube auch, dass Du ab und an noch nach dem Rechten bei uns siehst. Richtig gehen kannst Du erst, wenn wir hier unten bereit dazu sind. Du wirst hier nicht vergessen, niemals. Das Leben mit Dir bleibt ein Teil von uns. Und ich bin mir sicher, dass es da immer mal wieder Täler geben wird. Aber weißt Du noch etwas; vor zwei Jahren habe ich Dir gesagt dass es okay sei wenn Du gehst. Keiner wäre böse. Und dass ich Dir die allerbesten Träume wünsche. Ich hab Dich ziehen lassen ohne die Kraft zu haben Dich loszulassen.

Letzte Woche war unser Hochzeitstag. Nächste Woche ist Dein zweiter Todestag. Du fehlst. Und dennoch möchte ich Dir sagen; :Es ist okay, Du darfst gehen. Danke für die Zeit mit Dir. Keine Minute möchte ich missen, danke dass du immer mal wieder „bei uns herreinschaust“ aber es ist okay. Inzwischen haben wir die Kraft und den Mut dich loszulassen. Nicht zu vergessen, aber loszulassen. Tanze auf Wolken, baue Wolkenraumschiffe aus Lego, Male Darth Vader Bilder in den Himmel. Und vielleicht denkst Du ab und zu an uns.

Bei jedem Regenbogen denken wir an Dich. Bei jeder Wolkenlücke glauben wir dass durch sie hindurch siehst. Mach Dir keine Sorgen mein Held. Uns geht es gut. Und ich bin mir sicher, dass es Dir, wo auch immer Du bist, gut gehen wird. Happy Hochzeitstag in den Himmel.

May the Force be with you

Die Hochzeitsbilder sind made by Janina von Honeymoonpictures

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