Das Kind bloggt; die Sache mit der Maske

Heute schreibt die Einhornbändigerin erneut für Euch. Sie geht mit Mundschutz zur Schule, wir fahren mit dem Ding S-Bahn und Bus. Zum Einkaufen wird der Mundschutz auch getragen. Das große Mädchen verfolgte seit Samstag das Geschehen am Berliner Alexander Platz und sah sich am Wochenanfang ein paar Videos und Bilder dazu an. Ihre meinung dazu erfahrt ihr jetzt. Wie immer gilt, die Fotoauswahl lag beim Kind. Der Text ist zum großen Teil von ihr, ab und zu gab es ein paar Formulierungshilfen von mir. Es ist ein schwieriges Thema, dessen bin ich mir bewusst. Um so mehr bitte ich Euch die Kommentare dazu gemäßigt zu halten. Andere Meinungen sind kein Problem, Pöbeleien werden blockiert. Ich danke Euch.

Hallo ihr da draußen, heute schreibe ich wieder etwas für Euch. Also ich, die Einhornbändigerin.

Im Moment ist es so dass alle Menschen eine Maske in ihrem Gesicht tragen sollten. Naja, alle Menschen ab 6. Auch in der Schule ist das nötig. Wir müssen sie dort überall tragen außer während der Hofpausen oder im Klassenzimmer. Das nervt und ich bin froh, dass die Masken noch nicht im Unterricht getragen werden müssen. Auf der anderen Seite würde ich auch das verstehen.

In meiner Klasse sagen einige Kinder, dass die Eltern sagten, dass die Masken Unsinn sind. Und dass wir die nur tragen müssen, weil die Chefs von Deutschland das gesagt haben. Und dass wir das nicht tun müssten wenn sich mehr Menschen wehren würden. Ein Paar wollten auch auf die Demo gehen, die erst verboten worden ist und dann doch nicht. So ganz habe ich das nicht verstanden. Aber ich habe Nachrichten und Fotos gesehen. Außer den Menschen, die keine Masken tragen wollen, weil sie sich dann eingesperrt fühlen und auf Dinge verzichten müssen, waren dort auch Leute, die, die Reichsflagge geschwungen haben. Die Flagge kenne ich aus Geschichtsbüchern. Die wollten sogar den Reichstag stürmen. Mir war das peinlich als ich das sah. Obwohl ich gar nicht dabei gewesen bin. Ich habe Angst bekommen. Nur durch die Fotos. Nicht wegen Corona. Wegen der Nazis und den Menschen dort, die glauben das es völlig normal ist an diesen Flaggen vorbei zu laufen. Obwohl sie selbst keine getragen haben. Schade, dass eine Neinhaltung zur Maske diese Welle auslöst. Ich finde das deutlich schlimmer als die Maske ansich.

Also in der Schule, ich höre da meistens nur zu und sage nicht viel, außer dass ich finde dass diese Masken bestimmt einen Sinn haben. Weil ich nicht glaube, das Angela Merkel und ihre Kollegen mit Absicht so viel Chaos überall anrichten. Mal im Ernst, was hätte sie denn davon? Aber vielleicht kenne ich mich da auch zu wenig aus.

Ich habe früher schon öfter Masken getragen. Wenn Momo (Simon) zuhause war aber es ihm nicht soooo super gut ging und einer von uns hatte Schnupfen oder Husten gab es immer zwei Möglichkeiten. Entweder zog er eine Zeitlang aus oder wir anderen setzten die Masken auf. Mein Bruder war noch zu klein und mochte die nicht. Der mochte früher eh ganz viel nicht. Dann ist Momo immer ausgezogen, meistens zu seinen Eltern, also Oma und Opa. Wenn Mama oder ich Husten oder Schnupfen hatten oder leichtes Fieber, dann haben wir immer Masken getragen. Damit die nicht so gruselig aussahen, hat Mama die damals schon allein genäht. Momos Krebsarzt meinte, dass das eine gute Idee wäre, weil unsere Bakterien oder Viren so nicht im ganzen Haus umherirrten. Wenn Momo im Krankenhaus war oder draußen zum Arzt ging, musste er auch oft so eine Maske tragen. Momo wäre bestimmt auch für die Maske.

Darum ist es für meinen Bruder und mich grade nichts Neues. Als mein Bruder noch ein Baby war, war er Mal richtig doll krank. Zwei Mal. Er konnte nicht richtig atmen. Wenn Andere ihn besucht haben, mussten die auch eine Maske tragen. Um ihn vor weiteren Bakterien zu schützen. Schon damals hat der Arzt das gesagt, dass diese Mundmasken helfen können Momo nicht noch kränker werden zu lassen. Oder eben meinen Babybruder. Und ich wusste, dass ich dabei helfen kann, indem ich dieses Ding im Gesicht getragen habe.

Heute sagen viele Ärzte das Gleiche. So ein Stück Stoff hilft nicht viel um sich selbst zu schützten. Aber um Andere zu schützen. Und wenn wirklich alle das tun würden, dann würden sich vielleicht auch weniger Menschen anstecken. Grade wird also nichts anderes erzählt, als ich schon vor zwei oder drei Jahren gehört habe. Und damals war es ein Arzt, der uns das sagte. Und nicht Angela Merkel. Dann kann das doch so falsch nicht sein, oder?

Außerdem gibt es mir ein gutes Gefühl, dass auch ich dabei helfen kann, dass andere Menschen nicht krank werden. Und das nur weil ich einen Mundschutz in der Schule trage. Oder beim Einkaufen und in der S-Bahn. Ich finde auch, dass es ein bisschen wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl auslöst. Bei mir ist das so. Sogar die, die immer supercool sind, mit ihren vielen Dingen angeben und die Hosen in die Socken stecken, tragen Masken. Ich finde das großartig. Diese Masken zeigen irgendwie auch, dass man nicht nur für sich selbst verantwortlich ist, sondern auch für Menschen, die schwächer sind als ich. Oder Kränker.

(dieses Bild ist von Pixabay, vielen Dank)

Ich trage die Maske nicht gern. Weil sie nervt und es im Sommer wirklich warm darunter war. Aber irgendwie trage ich sie doch gern, weil ich damit anderen Menschen helfen kann. Außerdem ist es schon selbstverständlich geworden immer dieses Ding mitzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich Corona habe. Aber ich weiß es auch nicht. Denn manche Menschen merken gar nicht, dass sie diese Krankheit in sich tragen. Aber andere Leute anstecken können sie trotzdem.

Als ich ganz früher mal so dolle krank war, da brauchte ich auch Leute, die auf mich Rücksicht nehmen. Sonst hätten viele Sachen nicht funktioniert. Jetzt geht es mir gut. Und etwas Rücksicht nehmen ist kein Problem.

Übrigens trägt inzwischen auch mein Bruder seinen Mundschutz. Am Anfang hat er ständig genörgelt. Jetzt nicht mehr. Er weiß zwar ein bisschen was Corona ist aber so den wirklichen Durchblick hat er nicht. Aber er kann sich noch an früher erinnern, als Mama oder ich ab und zu welche getragen haben. Und auch warum. Und jetzt ist es kein Problem. Jetzt findet er sich selbst supercool mit einer Maske im Gesicht. Naja. Kleine Brüder sind manchmal etwas merkwürdig.

Bitte tragt doch Eure Masken. Wenn Momo noch da wäre, wäre er zum Beispiel darauf angewiesen, dass es andere täten. Er könnte sich nicht Monatelang zu Hause einsperren um sich nicht anzustecken. Und wir müssten uns dann mit einsperren, damit wir ihn nicht aus versehen anstecken könnten. Weil wir ja zur Schule oder in die Arbeit gehen. Oder zum Einkaufen. Oder irgendwoanders hin. Und es gibt noch viele Leute, die noch leben, die genauso darauf angewiesen sind.

In der Schule würde ich jetzt „chillt mal Eure Base“ sagen. Und damit würde ich sagen wollen, dass es im Moment einfach nötig ist, dass wir alle zusammenhalten. Wenn das gut klappt, vielleicht dauert das dann alles nicht so lang.

So long, Eure Einhornbändigerin

15 Gedanken zu „Das Kind bloggt; die Sache mit der Maske

  1. Liebe Einhornbändigerin, das ist ein sehr guter Text und ich hoffe und wünsche, das ganz viele Leute ihn lesen, weil er richtig und gut ist.
    Er sollte viele Menschen zum Nachdenken anregen.
    Liebe Grüße, Steffi

    P.S. Auch ich gehöre zu der „Risikogruppe“ und bin auf die Vernunft andrer angewiesen.

  2. Liebe Emma, deine Einstellung zum Thema „Maskenpflicht“ finde ich klasse! In deinem Alter hast du mehr Durchblick als so mancher Erwachsener. Habe keine Angst, deine Meinung zu vertreten, auch wenn andere dagegen reden. Das ist natürlich ein Lernprozess, wie alles im Leben. Aber du bist auf einem sehr guten Weg. Hut ab! Liebe Grüße, Miriam

  3. Liebe Emma, deine Einstellung zum Thema „Maskenpflicht“ finde ich klasse! In deinem Alter hast du mehr Durchblick als so mancher Erwachsener. Habe keine Angst, deine Meinung zu vertreten, auch wenn andere dagegen reden. Das ist natürlich ein Lernprozess, wie alles im Leben. Aber du bist auf einem sehr guten Weg. Hut ab! Liebe Grüße, Miriam

  4. Liebe Einhornbändigerin,

    du weist nicht zu wenig, sondern hast die Problematik sehr gut erkannt. Beim Maske-Tragen geht es um Rücksichtnahme und Zusammenhalt. Ich finde es gut, wie informiert du bist und das auch gut ausdrücken kannst!

    Weiter so und alles Liebe,
    Nadine

  5. hallo emma,

    ja, wir leben in komischen zeiten. die meisten menschen wissen, das die masken – so nervig die auch sind – andere schützen. diejenigen, die das nicht glauben und uns erzählen wollen, es sei nur wegen der „chefs“ in deutschland, haben (entschuldige bitte den austruck) eine ganz grosse macke. die sind twar deutlich ind er minderheit, aber es ist wie in einer familie, ind er ein kleines kind zahnschmerzen hat. das kleine kind ist auch in der minderheit, aber wegen der zahnschmerzen hört man es immer. denn es kann laut schreien.

    wir, also die meisten menschen wissen, das wir die masken tragen, um andere zu schützen. die anderen schreien nur lauter. lass sie schreien, diskutier ruhig mit ihnen, aber streite dich nicht deswegen. das machen wir erwachsenen schon. es ist toll, das du – ebenso wie wir – die maske da trägst, wo es angebracht und wichtig ist. wir wissen, das siew masken helfen. nicht uns, sondern die anderen.

    liebe grüsse aus wien,
    norbert

  6. Liebe Emma, liebe Ines, den Text finde ich klasse. Deine Einstellung auch! Du bist wirklich ein toughes und tolles Mädchen. Ich ärgere mich auch wenn die Menschen die Masken nicht oder nur halb tragen. Kann das so schwer sein? Ist so schwer mal Rücksicht zu nehmen. Viele betiteln sich als so sozial engagiert oder es scheitert dann schon bei diesem kleinen Stück Stoff. Schlimm… Daher toll dass du eine so gute Einstellung hast. Sei herzlich gegrüsst. Mario

  7. Super Emma. Du weißt mehr als all die, die da demonstrieren und ihre blöden Fahnen schwenken. Du bist wirklich ein tolles Mädchen und hast eine tolle Einstellung.
    Mein Mann und ich gehören auch zur Risikogruppe und tragen unsere Masken ohne zu murren. Naja, ich murre manchmal, weil das, als Brillenträgerin, manchmal echt doof ist, aber es muss halt sein.
    Liebe Grüße auch an den Rest der Familie
    Caro

  8. Liebe Einhornbändigerin,
    mir geht es wie dir. Ich mag die Maske auch nicht so besonders, es ist warm und die Brille beschlägt und man muss immer dran denken, eine saubere Maske dabeizuhaben. Aber wenn es nur ein klitzekleines Stückchen hilft, mache ich es. Und zwar hundertmal lieber, als jemanden zu gefährden. Und damit meine ich nicht nur meine Familie und Freunde, sondern alle (auch die, die ich nicht leiden kann).
    Dass es Menschen gibt, die diese Maske als Ausrede nehmen, um zu randalieren und anderen Angst zu machen und die Regeln unserer Gesellschaft finde ich furchtbar. Da ist es mit bissel chillen der Base wohl leider nicht getan.
    Liebe Grüße
    Ilka

  9. Liebe Emma,
    Ich finde deine Einstellung zur Maske toll. Ich bin eine Lehrerin und unterrichte die ganz großen, die, die schon Berufe erlernen… Und deine Einstellung ist Erwachsener als die mancher Schüler. Die meisten Schüler denken wie du…. Sie finden es wichtig und tragen die Maske weiter. Denn bei uns mussten alle Schüler seit dem 12. August eine Maske tragen. Leider denken nicht alle so und werden böse, wenn sie anderer Meinung sind. Aber ich bin mir sicher… Gemeinsam schaffen wir das.
    Lg aus NRW

  10. Liebe Emma,
    deine Einstellung zum Thema Maskenpflicht finde ich klasse! Da könnten sich ganz viele Leute mal eine dicke Scheibe von abschneiden. Ich selbst gehöre zur Risikogruppe und bin leider darauf angewiesen, dass die Menschen im Supermarkt, oder im Wartezimmer beim Arzt eine Maske tragen. Ich verstehe es wirklich nicht, warum das so dramatisch sein soll.

  11. Liebe Einhornbändigerin,

    besser hättest Du die Worte nicht treffen können!

    Ich hoffe sehr, dass Deine Worte die zum Nachdenken bringen, die gerade das alles für übertrieben halten.

    Vielleicht fühlt man sich selbst für andere besonders verantwortlich, wenn man liebe Menschen hat / hatte, die auf diese Rücksichtnahme angewiesen sind / waren…bei mir ist das mein Bruder, der Leukämie hatte.

    Ich wünsche dir alles Liebe und verfolge weiter gespannt Euren Blog!

    Liebe Grüße
    Silvia

  12. Liebe Einhornbändigerin,

    vielen Dank für Deinen tollen Beitrag.
    Es ist schön die Situation aus Deiner Sicht zu sehen.
    Mach weiter so, Du machst das grossartig. 👍❤️

    Liebe Grüße, bleibt gesund 🍀
    Nicole

  13. Liebe Emma, WOW, was für ein toller Text, jedem einzelnen Wort kann ich nur zustimmen! Du hast in deinem Alter mehr Weisheit und Herz, als so viele Erwachsene leider vielleicht niemals haben werden…Gott sei Dank gibt es aber Menschen, wie dich, deine Familie und doch viele Andere, zusammen werden wir diese schwierige Situation ganz sicher meistern! Herzliche Grüße, 💪✌ und😘😘

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