Alles auf Anfang; Reset

Ich erzählte Euch bereits, dass da in der letzten Zeit einige Türen aufgegangen sind. Und ich manches Mal Probleme habe mit dem Tempo mitzuhalten. Eine dieser besagten Türen hat mit dem Besuch bei meinem (alten) Arbeitgeber in der vorletzten Woche zu tun.

Als ich zu diesem Gespräch gefahren bin war mir körperlich wirklich schlecht. Mir war übel, mein Magen fuhr Achterbahn und mein Kopf war leer. Ich hatte mir verschiedene Szenarien zurecht gelegt und Strategien für mich entwickelt damit umzugehen. Auf dem Weg dorthin kam ich an unserem alten Zuhause vorbei. Eine kleine Dreizimmer Altbauwohnung. Die Luft zischte dort immer durch die undichten Fenster. Sie liegt in einem Stadtzentralen, nicht sonderlich beliebten Bezirk. Ich zog dort ein, als ich mit der Einhornbändigern schwanger war. Wir haben wirklich gern dort gewohnt auch wenn manche Nachbarn gewöhnungsbedürftig waren. Andere dafür um so besser. Und den besten Postboten der Welt hatte ich auch noch. (Hallo Martin, sei lieb gegrüßt)

Es ist immer komisch dort vorbeizukommen. Simon besuchte uns an einem Wochenende und landete am Ende mit dem Rettungswagen in der Klinik. Irgendwann später zog er mit ein. Es wurde alles ziemlich eng. Kuschlig war es weniger. 3 Monate nach der Geburt des kleinen Batman sind wir umgezogen.

Ich schweife ab. Während ich also noch eine Extrarunde um unser altes Zuhause drehte, drückte irgendwann die Zeit. Termin mit der Geschäftsführung. Ich mag sowas nicht.

Ich saß da im Büro, wir starteten mit Small Talk. Und irgendwann fielen völlig unerwartete Worte. Die Geschäftsführung erzählte von einem Flüchtlingsheim, welches der Träger übernommen hätte. Und von einem Projekt. Es soll dort in dieser Unterkunft ein Gruppe von (traumatisierten) Kindern betreut werden, die noch nicht in die Kita/Schule gehen können. Ich hätte doch Erfahrung mit Menschen in schwierigen Situationen, mit Menschen, die traumatisiert sind, mit Menschen, die meine Sprache nicht sprechen. Außerdem wäre ich auch noch Integrationserzieherin. Das Zieh wäre die Schul-, Kita-fähigkeit der Kids. (das bezieht sich selbstverständlich nicht vorrangig auf sprachliche Barrieren) Ob ich mir nicht vorstellen könnte, dort zu arbeiten. Ab Ende September.

Ich fragte noch Mal nach. Rutschte in meinen Stuhl und sah zeitgleich die Chance für mich komplett neu zu starten. Ohne aber dass es wirklich völlig neu ist.

Früher, ganz früher habe ich in der stationären Jugendhilfe gearbeitet, also in Heimunterbringungen. Oder in Frauenhäusern. Später in einer Kita, bewusst in einem Stadtteil, der als „Problemkiez“ eingeordnet wurde. Nachdem Simon starb wollte ich nicht zurück in diese Einrichtung, obwohl ich meine Kollegen dort sehr zu schätzten wusste. Ich wollte auch lange Zeit keine Integratinserzieherin mehr sein, weil es zu viel altes Leben war. Weil es wahnsinnig viel Verantwortung bedeutet hätte.

Irgendwann aber kam die Lust auf meinen Job wieder. Weil ich das Arbeiten mit Menschen vermisste. Weil ich etwas tun wollte, dass ich früher auch immer tun wollte. Ich wollte in den sozialen Bereich zurück, verdrängte diesen Gedanken aber nur zu gern und verdiente unsere Brötchen in den letzten 2 Jahren auf einer anderen Art. Das ist auch toll, aber dieses soziale fehlte dann doch.

Und nun saß ich da. In diesem Büro. Und bekam diesen Job im Flüchtlingsheim vorgeschlagen. Weil die Präferenzen passten. Es ist mein alter Job, aber in einem völlig neuen Umfeld.

Eine knappe Woche später sagte ich zu. Und kann das immer noch nicht ganz glauben. Der Stundenumfang ist nach meiner aktuellen Annahme mit den Kindern vereinbar, trotz relativ weitem Fahrweg. Zeit für andere Dinge, Dinge die ich die letzten zwei Jahre oft im Hintergrund tat um unseren Kühlschrank zu füllen (ja das tat ich. Man mag es kaum glauben) bleibt trotzdem noch.

Da kommt ein Stückchen altes Leben zurück und vermischt sich mit dem Neuen. Ich finde das toll und freue mich wirklich sehr auf den Neustart. Auf der anderen Seite macht mich der nahende Start irre nervös. Weil ich seit einer gefühlten Ewigkeit raus bin. Weil ich plötzlich wieder Verantwortung für andere Menschen tragen werde, die nicht mit mir verwandt sind.

Das ist doch ver-rückt.

Keine zwei Wochen mehr bis es los geht. Ich freue mich. Ich bin nervös. Und ein klitzekleines bisschen Angst hab ich auch. Vielleicht schenke ich mir selbst eine Schultüte. Mit viel Schoki drin. Zur Sicherheit. Ihr wisst schon.

5 Gedanken zu „Alles auf Anfang; Reset

  1. Ich freu mich für dich 😊🍀 … Das klingt sehr gut und scheint genau das zu sein, was du brauchst. Toll … 😊

    Und die Schultüte? Mach dir keine Gedanken … viele gute Geister werden bestimmt an dich denken 😉❤🍀🎉

  2. Hey, dass sind doch wunderschöne Neuigkeiten. Du hast das Soziale vermisst und diese Tür öffnet sich. Es soll so sein und du hast es dir mehr als verdient. Ich freue mich unglaublich für dich! Aufregung und Respekt vor diese neue Situation gehören dazu. Du rockst das! Fühl dich ganz fest umarmt! Liebe Grüße, Sandra

  3. Liebe Ines, das freut mich so für dich, dass ein Neustart für dich in Sicht ist. Und ich bin mir sicher, dass du das wuppst. Deine Aufregung kann ich natürlich verstehen. Meine Daumen sind gedrückt.
    Liebe Grüße, Susanne

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