Tag und Nacht versus dem Mamadasein

Etwas Vorab; nein ich schreibe Heute nicht über eine Seifenoper, die im Fernsehen läuft. Ich schreibe auch nicht über durchgemachte Nächte und darauf folgende lange Tage. Falls Du das hier erwartets, lies am Besten nicht weiter.

Stattdessen erzähle ich dir von einem Tag, der mich hat fast wahnsinnig werden lassen. Einen Tag, der trotzdem irgendwie typisch war, im nachhinein fast lustig. Aber in diesem Moment…naja…

Es war in dieser Woche. Ich verlies am Morgen zusammen mit den Kindern das Haus. Sie gingen zur Schule, ich zur Arbeit. Während ich so im Bus und in der S-Bahn gesessen hatte und die gehäkelte (!!!!) meiner Stehnachbarin beobachtete, hatte ich immerzu das Gefühl etwas vergessen zu haben. Ich wusste nur nicht was. Ehrlich nicht.

Der Jobtag ging vorbei, keine Abschiebungen, keine neuen Coronafälle, gute Laune im Team und bei den Kindern. Alles schick. Das kleine Kind hatte nach der Schule eine Probestunde in einer Sport-AG. Das große Kind hatte länger Unterricht, so dass ich nach der Arbeit noch Zeit hatte ein paar Kleinigkeiten für die selbstgefüllten Adventskalender der Kinder zu besorgen.

Ich stand grade an der Kasse um Handschuhe zu bezahlen als mein Handy klingelte. Das große Kind war doch schon früher zu Hause und erzählte mir, dass überall Müll verteilt läge. Auch auf dem Sofa. Und einer der Hunde hatte wohl auch seinen Mageninhalt auf dem Boden entleert.

Da viel es mir wieder ein. Ich hatte am Morgen den gelben Müllsack, also das Plastikzeug, Joghurtbecher, Milchtüten, ihr versteht schon, in den Flur gestellt weil ich diesen rausstellen wollte. Zum Abholen. Ich hatte es in der Eile vergessen. Die Hunde freuten sich und feierten anscheinend eine Milch-Käse-Verpackungsparty. Und verteilten diese im Haus inklusive dem Sofa. Yea.

Ich bat das Kind die gröbsten Dinge wegzuräumen, um das Sofa und den Mageninhalt des Hundes kümmere ich mich, sobald ich zu Hause bin. „Maaaaannnn das ist voll ekelig“, war die Reaktion. Richtig. Recht hatte sie.

Ich holte das kleine Kind von der AG ab. Er fand es doof. Weil der Trainer rief, dass alle ihre Klappe halten sollten und weil er mit irgendwem Kopf an Kopf zusammen gestoßen war. Außerdem verlor er in der Trainingshalle seine liebste (arschteurere) Alutrinkflasche und die Maske war auch schon wieder verschwunden. Ich atmete tief ein und wir machten uns auf den Weg nach Hause.

Dort angekommen kam mir das große Kind entgegen gerannt und wollte mir sofort ihre Powerpointpräsentation für den Vortrag zeigen, der am nächsten Tag gehalten werden musste. Die Tage zuvor hatte sie zusammen mit Papa 1 schon einiges erarbeitet und meinte zu mir, dass sie alles verstanden hätte.

Noch während ich meine Schuhe auszog und mich mental darauf vorbereitete, gleich das Sofa und den Fußboden tiefenrein zu putzen, legte das Kind los. Allerdings waren ein paar Dinge etwas missverständlich oder einfach nicht richtig. Das große Kind hat eine wirklich schnelle Auffassungsgabe, beneidenswert. Allerdings blockiert es auch gern, wenn es merkt, dass es nicht so gelaufen ist wie gedacht. Letzteres trat nun ein. Nach einem kurzen Einwand von mir ging nämlich nix mehr. Das Hirn des großen Kindes schien kurz den Resetknopf gedrückt zu haben. Alles was noch vor 10 Minuten abrufbar war, war plötzlich weg. WEG. richtig WEG. Ich telefonierte mit Papa 1 aber auch er konnte nicht helfen. Die Uhr zeigte inzwischen mit dem kleinen Zeiger auf die 7, kochen wollte ich eigentlich auch noch. Aus dem geplanten Reis mit Chilli sin Carne wurde Reis mit Fisch-/ bzw. Gemüsestäbchen plus Salat. Zu mehr hat es nicht mehr gereicht. Die Hausaufgaben des kleinen Kindes waren zum Glück zwischendurch schnell erledigt, allerdings fiel dem Batman plötzlich wieder ein, dass er Morgen unbedingt leere Klorollen, Wolle, einen Zauberstein, Quellwasser, Einhornpupse, Darth Vader Atem und Diamanten mitbringen sollte. Natüüüüürliiiiich….

Nebenbei war mir eingefallen, dass mein Lieblingskollege in seinem ersten Leben Grundschullehrer in der Türkei gewesen war. Der Abschluss wurde hier noch nicht anerkannt, darum ist er nun ein Quereinsteiger zum Erzieher. Ich stieß einen Hilferuf via Whats App aus, wenige Sekunden später meldete er sich und meinte dass er schnell etwas vorbereite. Daher, liebster Lieblingskollege, hier extra für Dich…Inshallah gibt es Dich. WEitere Momente später folgten gemalte Skizzen via Whats App, Bilder und gesprochene Erklärungen. Das große Kind lächelte. Ich hörte es förmlich klicken. Während ich, zugegeben irgendwann dezent genervt, drei Stunden versuchte diesen einen Sachverhalt zu erklären, schaffte es der besagte Kollege binnen weniger Minuten. Blockade weg. Kind glücklich. Ich, nachdem das Quellwasser für Kind zwei gefunden war, ebenso.

Der Abend war länger als sonst. Ich erwartete sehr müde Kinder am nächsten Morgen. Aber nix da…Um kurz nach 5 Uhr am nächsten Morgen klopfte es an meine Schulter. Vor mir stand das große Kind, bereits angezogen und sah mich mit ihren strahlend-blauen Augen an. „Du Mama, es ist schon nach 6 Uhr, ich glaube Du hast verschlafen“ Ich stand im Bett. Um dann festzustellen, dass ich vergessen hatte die Uhr des großen Kindes nach der Zeitumstellung anzupassen. Es war wirklich erst 5 Uhr… „Ach, macht nix. Wenn wir jetzt schon mal wach sind, kann ich Dir meinen Vortrag nochmal aufsagen? Und Dir meine POwerpoint nochmal zeigen? ich hätte da noch eine Frage…“

Na klar. Total gerne.

Ich liebe meine Kinder. Wirklich wahr. Aber es gibt so Tage, da habe ich Fluchtgedanken. Und wenn diese auch nur einen Bruchteil einer Sekunde dauern. Gefühlt habe ich in den letzten Tagen nichts geschafft. Niemand kann etwas dafür, aber Mütter dürfen auch überfordert sein. Oder? Oder? Oder?

4 Gedanken zu „Tag und Nacht versus dem Mamadasein

  1. Klar dürfen Mütter überfordert sein! Aber irgendwie liest es sich selten so, als seien sie überfordert 😅 du hast doch alles toll gemeistert 😊

    Chaos gehört dazu 🙌

  2. Und ob Mütter überfordert sein dürfen. Von wegen: „Ich brauche für morgen noch das, das und das…“ kenne ich nur zu gut und leider zieht sich dieses Verhalten bis in Teenageralter. Mit dem Unterschied, das solche Aufträge dann auch noch um 22 Uhr Abends erteilt werden o.O Da könnte ich platzen!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.