Von Zeit verlieren, geschenkter Zeit und einem Wandertag

Es ist Montag. 6 Uhr am Morgen und der Drucker läuft bereits auf Hochtouren. Natürlich hätte ich sämtliche Homeschoolunterlagen bereits am Wochenende ausdrucken können. Hab ich aber nicht. Stattdessen speicherte ich zich Mails von Fachlehrern der Kinder unter Favoriten ab. Ich guckte mir die Nachrichten durchaus am Wochenende an, sah die vielen Anhänge und schloss mein E-Mailpostfach. Weil Wochenende war. Weil ich keine Lust hatte. Weil hier eigentlich Niemand mehr Lust hatte.

Nun war aber Montag und es half Nichts. Der Drucker druckte, der Kaffee war schwarz wie die Nacht und ähnelte meiner Stimmung. Am Ende lag da ein Stapel von um die 35 Blättern vor mir. 3 Blätter gehören dem kleinem Kind, der Rest dem Großen. Arbeitsaufträge, Anweisungen, Kontrolltests, Wochenpläne…Ich versuchte irgendwie zu sortieren was, was ist.

Mittlerweile sitzen auch die Kinder vor mir, haben Hunger und eine ähnliche Motivation als ich. Obwohl…

Am Sonntag beschloss ich die Reißleine zu ziehen. Klar war, dass wir am Montag in eine weiterführende Schule fahren würden um dort die Anmeldeunterlagen des großen Kindes abzugeben. In der Hoffnung, dass diese Schule die Einhornbändigerin auch aufnehmen wird. Dort wird es Chinesisch als zweite Fremdsprache geben. Das will das Kind unbedingt. etwas Lerneifer scheint also noch da zu sein.

Am Wochenende überlegte ich bereits, wie wir die „verschenkte Zeit“, die Durch dieses Anmelden plus der Fahrt hin und zurück wieder ausgleichen könnten. Der Drucker und seine inzwischen leeren Patronen bestätigen mir jede Woche, dass es schließlich jede Menge Punkte auf der Schul-To-Do-Liste stehen. Im Internet finden sich ab und zu so aufbauende Bilder auf denen steht „Liebe Eltern, verbringen sie qualitative Zeit mit ihren Kindern. Was Sie an Aufgaben nicht schaffen, das schaffen Sie nicht“ Ich glaube nur, dass diese Aussagen nicht alle Schulen bzw. Lehrer kennen. Zumindest unsere Abgabefristen kennen sie nicht. Weder die der Tochter, noch Meine.

Ich hatte irgendwann an diesem Wochenende keine Lust mehr darüber nachzudenken, wie ich diese „verlorene Zeit“ für Schulaufgaben wieder reinholen könnte. Und so wurde aus der verlorenen Zeit, einfach geschenkte Zeit. Geschenkte Zeit ohne Homeschoolmodus, ohne Abgabefristen und Ähnliches. Ich telefonierte mit Papa 1 (Patchwork, Papa vom großen Kind) und wir beschlossen aus einem verhassten Montag einen guten Montag zu machen. Er hatte sich sowieso frei genommen, da er uns zur Schulanmeldung begleiten wollte.

Nun war also dieser Montag. Mit einem Drucker, der aufgab und dem Kaffee, der schwarz war. Wir fuhren in die Schule zur Anmeldung. Das große Kind fand die Schule cool und hofft jetzt noch mehr dort angenommen zu werden. Wir müssen bis Mai warten, dann gehen die Bescheide raus. Das kleine Kind verstand nicht, warum auf der Schule für große Kinder keine Schaukeln mehr auf dem Schulhof stehen. Ja, warum eigentlich?

Danach ging es nicht nach Hause an den Esstisch, der von Arbeitsblättern bedeckt war. Wir fuhren weiter. Zu einem Berg. Ich hatte Reiswaffeln, Obst und Thermosflaschen mit Getränken dabei. Dazu Schneehosen und Handschuhe für die Kinder. Meine Handschuhe hatte ich selbstverständlich vergessen. Papa 1 hatte zwei Schlitten mit und Wärmeeinlagen für MEINE Schuhe. Er kennt mich. Danke an dieser Stelle.

Wir stiegen aus, die Kinder rasteten vor Freude ziemlich aus. Rodeln anstatt Homeschooling. Wandertag anstatt Gedanken über verlorene Zeit. Zusammen lachen und zugegeben auch frieren anstatt ständig zu fragen, wann Pause ist. Zugegeben, mir war wirklich sehr, sehr kalt.

Der Berg war relativ leer um diese Zeit. Zumindest war Abstandhalten kein Problem. Die Kinder rannten mit ihren Schlitten immer wieder den Berg hinauf um wieder mit den Schlitten hinunter zu fahren. Zwischendurch lagen sie im Schnee, haben diese Reiswaffeln gegessen oder die Snowboardfahrer bewundert, die plötzlich ebenso den Berg hinunter gefahren sind.

Als wir am Nachmittag wieder zu Hause waren, hätte es sicher noch Zeit für Bruchrechnen oder Worten mit Q gegeben. Stattdessen saßen wir auf dem Sofa, haben uns Harry Potter angesehen und ungesunde Dinge gegessen. Unter einer dicken Decke. Denn es brauchte etwas bis besonders ich wieder aufgetaut war.

Keine Schule an diesem Tag. Kein „Null Bock“ an diesem Tag. Und am Ende auch kein schlechtes Gewissen, weil wir an diesem Tag so einiges getan haben. Zeit zu verlieren gehörte allerdings nicht dazu.

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