Alleinerziehend und die Angst, die mich begleitet

Es ist Donnerstag, der letzte Donnerstag im Februar. Für diesen Post werde ich sicher einige Tage brauchen. Weil das Chaos in meinem Kopf manchmal kein Ende nimmt.

Meine Metime sind im Moment die Wege zum Supermatkt. Mit Kopfhörern auf meinem Kopf aus denen Musik dringt, die wirklich nur ich hören möchte. Manchmal putze ich das Badezimmer auch extralange, weil dies zu den wenigen Beschäftigungen gehört, in denen mich die Kinder „in Ruhe“ lassen. Aus lauter Panik sonst mithelfen zu müssen. Und das Klo putzen wollen sie nun wirklich nicht. Diese Woche habe ich keine Worte in Live mit anderen Erwachsenen gewechselt. In der letzten auch nicht. Auch doch „Nein Danke, ich habe kein Pay Back“, erwähnte ich zu der netten Frau an der Supermarktkasse. Ich telefoniere ab und an mit Papa 1, mit Freunden oder meinen Eltern. Aber das ist nicht das Gleiche. Diese Woche habe ich bei meinem Arbeitgeber weitere 2 Wochen Freistellung/Urlaub beantragt.

Ich bin alleinerziehend. Mitten in einer Pandemie. Diese soziale Isolation und finanzielle Sorgen fressen mich förmlich auf. Natürlich weiß ich, dass es nicht alleinerziehenden Eltern, Singels oder sonst wem ähnlich geht. Aber von deren Erfahrungen kann ich nicht sprechen. Nur von meinen.

Irgendwas geht grade ständig kaputt. Das große Kind hat bald Geburtstag und wünscht sich Schuhe und Kleinkram. Diese Treter müssen aus Gold sein, anders kann ich mir den Preis nicht erklären. In der Norm hangeln wir hier Klamottentechnisch zwischen second Hand und neu. Ihr kennt das sicher auch weil es Luxusprobleme sind, First World Problems. Unser Dach über dem Kopf ist heil, das Wasser warm und der Kühlschrank gefüllt. Damit haben wir bedeutend mehr als viele Andere. Ich weiß das. Trotzdem nagt es an mir.

Ich habe das Gefühl, dass die Schulleistungen der Kinder aktuell nur von mir abhängen. Das ihre Zukunft noch mehr in meinen Händen liegt als sonst. Ich kann die Verantwortung nicht abgeben oder zumindest teilen. Ich versuche dass unser Zuhause immer einigermaßen sauber ist. Aus purer Panik dass doch irgendwie spontaner Besuch vor der Tür steht und dann denken könnte, dass ich unser Leben nicht im Griff hab.

Ich denke eigentlich, dass ich „es“ im Griff habe. Und dennoch zweifel ich in letzter Zeit oft an mir. Ob ich dieses Konstrukt Familie stämmen kann. So als Eine Person. Wird es reichen. Oder verbaue ich den Kids womöglich ihre Zukunft. Hoffentlich werden die Zwei nicht so wie ich.

Die Tatsache, dass die gesamte Verantwortung zumindest vom kleinem Batman ausnahmslos bei mir liegt, ist manchmal beängstigend. Und dann auch wieder schön, weil ich sehe wie gut sich dieses Kind entwickelt hat.

Meine Tochter ist fast 13. Als ich in diesem Alter war, schlitterte mein Leben bergab. Es entglitt mir förmlich und auch meine Eltern konnten früher nichts daran ändern. Drei Jahre später bin ich zu Hause gezogen um den Bezug zu mir und meinem Leben wieder zu finden.

Ich habe manchmal Angst dass sich Dinge wiederholen. In der nächsten Generation. Albern? Mag sein, aber die Angst ist da. Dazu die Belastung aufgrund der aktuellen Situation. Wenn sich Mütter „öffentlich beschweren“, dass Ihnen alles zuviel wird, hagelt es oft Antworten wie

“ ja also wenn Dich dass schon überforderts, wenn Du dich xyMonate um Deine Kinder kümmern musst, dann hättest Du besser keine bekommen“

Ich bereue meine Kinder keinesfalls. Aber ich hatte auch nie geplant alleinerziehend zu sein. Zumindest bei einem Kind auch zu 100 Prozent Mutterseelenalleinerziehend. Ich plante auch keine Pandemie oder die Tatsache, dass sich das sonst wirklich genügsame Kind Schuhe aus gefühltem Gold zum Geburtstag wünscht.

Der kleine Batman redet wieder vermehrt vom Papa, dass er ihn vermisst. Ich frage mich, wie das in den nächsten Jahren werden wird. So ganz ohne Papa. Auch nicht am Wochenende. Wie wird es sein, wenn seine Pubertät anklopft und es fehlt das männliche, erwachsene Beispiel? Was macht das mit dem Kind? Ich fürchte mich. Ehrlich. Weil das einfach alles eine riesige Scheiße ist.

Ich liebe Meine Kinder. Sehr. Aber die Angst um Sie, die aktuelle Situation, die Schule, Zukunftsgedanken machen mich müde. Sie strengen mich an. Und ich habe das Gefühl dass so nicht öffentlich ,äußern zu können, ohne an den Pranger gestellt zu werden. Weil; das hätte ich mir schließlich früher überlegen können.

9 Gedanken zu „Alleinerziehend und die Angst, die mich begleitet

  1. Liebe Ines, die ganze Situation ist überfordern. Und ganz besonders wenn man es allein schaffen muss. Leute, die das nicht verstehen, verstehen einfach nicht das Ausmaß. Ich bin nicht allein, hab keine kleinen Kinder mehr und komme trotzdem an meine Grenzen. Und habe dabei nicht mal finanzielle Sorgen. Ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst und finde das tatsächlich völlig normal, im Sinne von verständlich. Ich wünsche dir trotzdem das du noch durch halten kannst, auch wenn sich das sicher einfach schreibt. Und ich bin mir sicher das du das gut machst, und wenn es mal nicht so rund läuft, dann ist es halt so. Die Welt dreht sich deswegen nicht rückwärts. Und wenn es jemandem bei dir nicht sauber genug ist, falls wirklich mal wer das bemängeln würde, zeig ihm wo das Putzzeug steht…
    Ganz liebe Grüße, Peggy

  2. Liebe Ines, du brauchst nicht zu hadern! Du bietest deinen Kindern ein liebevolles zu Hause und Unterstützung wie und wo immer es geht. Ich ziehe bei jedem Post, den ich von dir lese, meinen imaginären Hut! Lass dich nicht von möglichen Selbstzweifeln auffressen…du machst das wunderbar! Liebe Grüße Silvia

  3. Liebe Ines, du sprichst die Probleme und Gedanken wenigstens aus! Ich schaffe das nicht mal ansatzweise so klar und präzise. Ich finde das bewundernswert und sowas von ehrlich! Du hast schon soviel geleistet und dir sind solche Schicksalsschläge widerfahren! Auch die jetzige Krise wird bald ein Ende haben und es kommt etwas Neues. Du bist stark und mutig und wirst weitermachen. Daran besteht kein Zweifel und ich schließe mich all denen an, die Dir Kraft und Aufmunterung geben möchten, indem sie Dich darin bestärken, so weiterzumachen, wie Du es bisher gemacht hast. Bitte, bleib so und lass Deine Zweifel nicht zu sehr Oberhand gewinnen!🙏😉

    Ganz liebe Grüße von Tanja

  4. Liebe Ines, du hast soviel zu stemmen und machst das alles ganz liebevoll. Du sprichst deine Sorgen offen aus und das ist bewundernswert. Die Ängste, dass Geschichte sich bei den Kindern wiederholt, kenne ich sehr gut. Ich denke und hoffe, das Bewusstsein über die eigene Vergangenheit verhindert dies. Ich möchte dir eigentlich nur sagen, dass du sehr stolz auf dich sein kannst. Und wenn möglich, fordere mehr Hilfe von außen ein. Du musst nicht alles alleine schaffen. Vielleicht gibt es Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde, die zusätzlich zu engen Bezugspersonen für deine Kinder werden können. So würde die gefühlte Last der Verantwortung sicher ein bisschen leichter für dich. Ganz liebe Grüße Saskia

  5. Liebe Ines, ich schreibe dir als alleinerziehende Mutter die genau die gleichen Gedanken hat wie du. Danke, dass du sie aussprichst. Auch ich habe mir das „Alleinerziehend“ sein nicht ausgesucht, meine Jungs sind 12 und 7 Jahre alt. Mach ich alles richtig? Werde ich den Kindern gerecht? Ich kann dir sagen, vermutlich machen wir alle nicht alles richtig, aber das ist nicht schlimm…. man sollte viel öfter den Kopf ausschalten und laufen lassen. Wer sich sorgt, leidet zweimal, sagt man so leicht…. Aber die Furcht, dass die Kinder ohne Vaterfigur aufwachsen, die ist nun mal da… und ich kann das so gut nachvollziehen. Beispiele aus meinem Umfeld zeigen aber, dass sich die Jungs meist jemanden suchen, der diese Rolle erfüllt. Es wird sich alles fügen. Da bin ich wirklich sicher. Und wenn wir in 20 Jahren unsere Kinder ansehen, werden wir sagen „hätten wir uns mal weniger Sorgen gemacht“ – es ist ja doch irgendwie gut gegangen.

    Du gibst dein Bestes und bist eine gute Mutter!

    Fühl dich gedrückt – Anna

  6. Liebe Ines,
    lass bitte bloss nicht den Kopf hängen. Schau dir an, was du trotz deiner Situation für tolle Kinder hast. Und wie viele Menschen mit dir sind. Wenigstens gedanklich.
    Aber schau irgendwann, auch Zeit für dich zu nehmen, sobald das geht.
    Ich schick dir eine riesige Umarmung mit Streusseln, Tina

  7. Liebe Ines, ich kann deine Sorgen so gut verstehen. Und ich finde es gut, dass du dir hier ein Ventil nimmst, wo du sie rauslässt – wenn du sonst Angst haben musst, dass man dich dafür an den Pranger stellt, dann hast du doch hier einen guten Platz dafür.
    Bitte mach dich nicht so klein. Ich finde auch aus der Ferne, dass du das alles ganz toll machst! Du gibst deinen Kindern Heimat im besten Sinne. Sicher stimmst du mir zu, dass es auch Kinder gibt, die beide Elternteile haben/hatten und denen trotzdem entscheidende Dinge in der Kindheit fehl(t)en. Davon kann ich ein Lied singen. Das beste „behütete“ Zuhause nützt nichts, wenn man auf Dauer subtil abgelehnt, gedemütigt und nicht wirklich geliebt wird. Das gibt einen Knacks fürs Leben, trotz Mama und Papa. Da haben es deine Kinder doch deutlich besser. Vielleicht liest sich das bescheuert für dich, bitte versteh mich nicht falsch, natürlich ist der Verlust eines Elternteils furchtbar für ein Kind. Aber du gibst deinen Kindern so viel! Sie wissen genau, wo sie hingehören, und dass sie dort über alles geliebt werden – von dem Menschen, von dem sie das brauchen, ihrer Mama. Was braucht ein Kind mehr? Du bist eine tolle Mama!
    Und bitte, wer hat in der Pandemie schon sein Leben im Griff… zumindest niemand, den ich kenne (und der Kinder hat). Pfeif aufs Putzen oder auf die Meinung von spontanem Besuch. Mein Motto: Wer unangemeldet kommt, muss auch mit Unordnung leben.
    Ich denke ganz oft an dich und schicke dir ganz viele Kraftkekse, Schokolade und Kaffee rüber!! <3
    Ganz liebe Grüße
    Miriam

    P.S. Und Respekt für deine Leistung bei der Reanimation!! Das habe ich auch schon durch, allerdings von der anderen Seite. Die Welt braucht mehr Mutige, Hilfsbereite wie dich! Chapeau.

  8. Liebe Ines,
    Ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen, du machst das großartig.
    Dein Weg war und ist alles andere als einfach und ich denke wie jeder andere Mensch auch hast du deine Ecken und Kanten, aber sollte sich die Geschichte wiederholen und deinen Kindern ähnliches widerfahren wie dir können sie stolz auf sich sein wenn sie alles so grandios meistern wie du.
    Und mal ganz nebenbei bemerkt, wer möchte schon perfekte Eltern? Ich bin jedenfalls froh dass meine Eltern keine unerreichbaren, fehlerfreien Vorbilder sind sondern ganz normale Menschen und dazu gehört halt auch dass mal was schief läuft.
    Ich würde dir gerne die Fähigkeit geben dass du dich so sehen kannst wie viele deiner Leser und ich auch, als ganz großartige Frau, und die Hoffnung dass du auch diese komische Zeit meistern kannst. Ich glaube jedenfalls daran.

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