Lieber Simon; 20 Monate Held im Himmel

20 Monate bist Du fort und manchmal doch so nah. Unfassbar oder. 20 Monate hören sich so lang an und doch scheint es manchmal nur wie ein Wimpernschlag zu sein. Manchmal kann ich selbst nicht verstehen, wie lange Du schon im Himmel bist. Vor drei Jahren um diese Zeit waren wir in der Vorbereitung für die große Registrierungsaktion zusammen mit der DKMS, erinnerst Du Dich? Wir hatten Panik, dass Niemand kommen wird. Die DKMS hatte es auch. Liebe Anika, nichts für Ungut. Irgendwer meinte, dass wir einfach ein Fest daraus machen, das Größte was unsere Gegend je hatte. Und ja, das wurde es tatsächlich auch. Eine Zeitung schrieb etwas von Volksfestatmosphöre.

Vor zwei Jahren um diese Zeit bangten wir bereits darum, dass Du zum 10 Geburtstag der Einhornbändigerin noch da sein wirst. Du warst es. Wir konnten zusammen in einer Limo zum Brunchen in den Fernsehturm fahren. Schwach warst Du. Sehr. Aber das Mitkommen wolltest Du Dir nicht nehmen lassen.

Zweieinhalb Monate später bist Du gestorben. Zwei Wochen nach unserem ersten Hochzeitstag. Auch wenn Dir gar nicht mehr bewusst war, dass Du überhaupt verheiratet warst, wirkte es so als hättest Du alles abgewartet. Ich Dank Dir Dafür mein Schatz. Ganz doll.

Weil Du alles noch erleben wolltest. Seit der Geburt vom kleinem Batman war unser Ziel seine Einschulung. Geliebter Held, diese war letztes Jahr und ich bin mir sicher dass Du auf Deiner Wolke im Himmel vor stolz geplatzt bist. Das Wetter war großartig, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Der Himmel war blau und ich bin mir sicher, dass Du Deine Hand mit im Spiel hattest.

Gestern vor 20 Monaten hat eine Maschine für Dich geatmet. Gestern vor 20 Monaten hast Du seitlich gedreht in einem Intensivbett gelegen. Du bist der erste Mensch, den ich voll beatmet gesehen habe. Du bist der erste Mensch, den ich hab sterben sehen. Wenn ich mir alte Fotos von dir ansehe, die von den Monaten vor Deinem Tod sehe ich, dass das Leuchten aus deinen Augen verschwunden war. Das Leben war weg, Du warst nicht mehr Du selbst. Und genau das sah man, sah ich bereits Wochen vorher. Du hast anders gerochen. Irgendwann einmal hatte ich das Gefühl, den nahenden Tod in dir riechen zu können. Es wurde immer deutlicher und ich hoffte bist zum Schluss, dass ich es mir nur einbilde. Heute vor 20 Monaten bist Du gegangen. Für immer.

20 Monate mein Held. In dem Moment als Dein Monitor in der Klinik die Nulllinie anzeigte wusste ich nicht, wie ich das überleben soll. Krabbe Kunibert hat ein großes Stück von mir mitgenommen und ich hatte nicht die geringste Ahnung ob der Rest, der von mir übrig geblieben ist ausreichen würde.

Weißt Du,es gibt Momente, da kann ich immer noch nicht verstehen was da eigentlich passiert ist. Fast 10 Jahre waren wir zusammen. Über 6 Jahre davon hast Du Krabbe Kunibert in Dir getragen. Die Diagnose kam zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht hätte sein können. Manchmal wirkt es wie ein ganz, ganz schlechter Film, der ohne Happy End zu Ende ging.

Dann gibt es diese Tage, an denen das Ende von diesem Film offen geblieben ist. Und das ist es im Grunde auch. Du bist nicht mehr bei uns und ich weiß, dass das immer Deine größte Angst gewesen ist. Unsere auch. Und dennoch, wir haben überlebt. 6 Jahre Kunibert, 20 Monate ohne Dich und ich glaube dass wir ganz gut zurecht kommen. Irgendwie.

Gestern war ich im Familienzentrum in unserer Nähe. Von dort wird in den Osterferien eine Reise an die Ostsee organisiert. Die Heldenkinder und ich werden nach anfänglicher Skepsis mitfahren. 5 , fast 6 Tage Jugendherberge, fast am Meer. Dort sind wir doch so gern.

Damit ich mir die ganze Geschichte nicht doch noch anders überlege, habe ich einen Teil bereits angezahlt. Du kennst mich ja. Diese Alleinreisedinger lösen in mir nach wie vor Stress aus. Das Gute aber mein Held, es gibt Familien die wir kennen die ebenfalls mitfahren werden. Drück uns die Daumen für schönes Wetter okay? Einige Tage später wir die Einhornbändigerin 12. 12 Jahre mein Held, unfassbar. Ihr zweiter Geburtstag ohne Dich. Wenn Du doch nur sehen könntest wie groß sie geworden ist. Ich erinnere mich oft an Gespräche mit Dir, wie sehr wir uns vor ihrerer Pubertät fürchteten. Jetzt ist es soweit, naja schon ein Weilchen. Immer wenn diese besonders spürbar ist, erinnere ich mich an unsere Gespräche dazu und muss fast ein wenig Lächeln.

Achso, was ich Dir auch noch erzählen wollte…Deine riesige, uralte Zimmerpflanze lebt immer noch. Ab und zu wird sie als Urwald für Playmobilfiguren benutzt. Andere Male zieht irgendwer ein Blatt von ihr ab. Sie lässt sich nicht unterkriegen obwohl ich sonst sogar Kakteen in die Knie zwinge. Das mein Daumen nicht sonderlich grün ist, wissen wir Beide. Aber das Ding überlebt alles. Diese Pflanze ist ein wenig so wie du es immer warst, sehr hartnäckig.

Bald werde ich den Sandkasten im Garten abbauen, damit der Pop Up Pool einen besseren Platz findet. Ich wünschte nur, dass ich Dir beim Aufbau besser zugesehen hätte dann wüsste ich jetzt nämlich auch wie ich den Kasten wieder in seine Einzelteile bekomme. Naja, das wird schon.

Geliebter Held, 20 lange Monate ohne deine Hand in Meiner. 20 Monate ohne einen Kuss von Dir. 20 Monate ohne Dein Lächeln in dass ich mich vor 11,5 Jahren verliebt habe.

Lieber Simon, rock den Himmel und schau Dich um, damit Du unseren Luftballon nicht übersiehst. Wir denken ganz fest an Dich. Sei Dir sicher, Du wirst hier nicht vergessen. Nie.

Ein Gedanke zu „Lieber Simon; 20 Monate Held im Himmel

  1. Man weiß gar nicht, was man schreiben soll. Ich denke, dass du eine gute Bewältigungsstrategie für dich und die Kinder gefunden hast.
    Trotzdem ist es so unglaublich unfair und der Gedanke „Was wäre, wenn er seinen Spender gefunden hätte“ tut sicher weh.
    Solche Geschichten ohne Happy End müssen aufhören. Wir brauchen mehr Spender!

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